Für Polyurethan und Keramik Mindelheimer Sondermaschinen überzeugen in den USA und Europa

Redakteur: Peter Königsreuther

Den erfolgreichen Abschluss von zwei internationalen Projekten für Polyurethan- und Keramik-Produktionsanlagen meldet der Werkzeug-, Maschinen- und Anlagenbauer BBG aus Mindelheim im Allgäu.

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Auf PUR-Komplettanlagen fertigt die Romeo RIM Inc. große Polyurethanteile im RIM-Verfahren. Erfolg dabei garantieren jetzt zwei Formenträgersysteme des Modells BFT-J von BBG.
Auf PUR-Komplettanlagen fertigt die Romeo RIM Inc. große Polyurethanteile im RIM-Verfahren. Erfolg dabei garantieren jetzt zwei Formenträgersysteme des Modells BFT-J von BBG.
(Bild: BBG)

Als Generalunternehmer hat das Unternehmen vor Kurzem ein umfangreich ausgestattetes Komplettsystem an das US-amerikanische PUR-Entwicklungs- und Fertigungsunternehmen, Romeo RIM Inc. (nahe Detroit) geliefert.

Bereits zuvor hatte BBG für einen europäischen Hersteller hochwertiger Badkeramik ein kundenspezifisch abgestimmtes Formenträgersystem konstruiert und gefertigt, bei dem die schweren Formen bequem ebenerdig ins System eingeschleust werden können. Beide Projekte spiegeln BBG zufolge das weltweit steigende Interesse an individuellen Produktionsanlagen für die Fertigung diverser Formteile wider.

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Alles für die Polyurethan-Verarbeitung im RIM-Verfahren

Die PUR-Komplettanlage für die Nordamerikaner ist für groß Bauteile konzipiert, die im RIM-Verfahren hergestellt werden (Reaction Injection Molding). Das Unternehmen Romeo RIM entwickelt und fertigt leichte PUR-Bauteile, die vorwiegend in Bau- und Landwirtschaftsmaschinen, Nutzfahrzeugen und bei Sport- und Freizeitartikeln zum Einsatz kommen, wie es weiter heißt.

BBG hat die gesamte Anlage projektiert, die außer zwei Formenträgersystemen des Typs BFT-J aus eigener Fertigung eine „Topline“-PUR-Maschine des Partners Hennecke mit zwei Dosierstellen umfasst. Weil der Kunde bei der Produktion explosionsgefährliche Substanzen einsetzt, sind die Formenträger entsprechend den für die USA geltenden NEC-Richtlinien angepasst. Denn die gesamte Anlage ist dazu etwa mit leistungsstarken Absaugkabinen ausgestattet.

Um 45° kippbares Maschinengestell hilft bei PUR-Verarbeitung

Damit die Form für den Materialeintrag in eine optimale Position gebracht werden kann, lässt sich das Maschinengestell der BFT-J stufenlos um bis zu 45° nach hinten kippen. Zur Oberflächenveredelung der RIM-Bauteile greift man auf das sogenannte In-Mold-Coating zurück, das von einem Roboter vollautomatisch übernommen wird, sagt BBG. Dabei wird das Bauteil quasi in der Form lackiert respektive mit einer optisch ansprechenden Schicht versehen.

Damit die Belange des Kunden in Sachen Großbauteile erfüllt werden können, sind die Aufspannplatten des BFT-J 2540 mm breit und 1219 mm tief. Für die obere Formaufspannplatte ist eine Zuladung von maximal 6800.kg erlaubt. Für die untere sind es maximal 4700 kg. Energiesparende Hydraulikantriebe mit hohem Wirkungsgrad sollen einen möglichst wirtschaftlichen Betrieb der Anlage garantieren.

Die gesamte Anlage arbeitet mit Steuerungen von Allen-Bradley. BBG kann aber auch andere Steuerungen, zum Beispiel von Beckhoff oder Siemens, implementieren. Die Letztgenannte kann übrigens mit der von BBG entwickelten Programmier- und Bedienoberfläche Easy Control 2.0 ausgeliefert werden.

Ebenerdig zugänglicher Formenträger für Badkeramikkomponenten

Bei dem zweiten abgeschlossenen Projekt für den Hersteller hochwertiger Badkeramik, entwickelte BBG das Formenträger-Sondermodell BFT-B. Das Besondere daran ist, dass es so konstruiert ist, dass sich die untere Formaufspannplatte auf Höhe des Hallenbodens befindet. Um das zu schaffen, wurde die Anlage in einer Grube aufgebaut. Im geöffneten Zustand ist die untere Formaufspannplatte von vorne und von den Seiten jetzt frei zugänglich und kann auch befahren werden. Die schweren Formen können so ebenerdig in den Formenträger eingebracht werden, wie BBG betont.

Mit dem BFT-B hat man Aufspannplatten in der Größe von 3000 mm × 1400 mm zur Verfügung, die eine Zuladung von bis zu 10.000 kg Badkeramik-Komponenten (aus einer eigenen Rezeptur) vertragen.

Über 500 BBG-Systeme weltweit sprechen für sich

Für Richard Ortloff, Leiter des Kompetenzbereichs Maschinenbau bei BBG, sind beide Projekte Belege für das Können des Allgäuer Unternehmens: „Als Hersteller von Sondermaschinen und kompletten Anlagenkonzepten sind wir natürlich darauf spezialisiert, alles genau auf die spezifischen Anforderungen des Kunden hin zu entwickeln. Unsere weltweit über 500 Formenträger- und Pressensysteme belegen, denke ich, dass man unsere Maschinen und Anlagen durchaus schätzt.“

Ein kleiner Überblick zu BBG und den Kompetenzen:

Der Werkzeug-, Maschinen- und Anlagenbauer BBG GmbH & Co. KG ist ein ausgewiesener Spezialist für die Kunststoff verarbeitende Industrie. Neben vollständigen Produktionsanlagen konzipiert, entwickelt und fertigt BBG Werkzeuge nicht nur zur Verarbeitung von Polyurethan, sonder auch für PVC und TPE (thermoplastische Elastomere) und andere Elastomertypen sowie für diverse Faserverbundmaterialien. Hierzu zählen Produktionsverfahren wie PUR-CSM (PUR-Composite Spray Molding), LFI (Long Fiber Injection), RTM (Resin Transfer Molding), SMC (Sheet Molding Compound) oder GMT (glasmattenverstärkte Thermoplaste), die je nach gewünschter Eigenschaft der Endprodukte verwendet werden.

Systeme für den Leichtbau, das Verarbeiten von Composites und die Fertigung von Faserverbund-Bauteilen in zahlreichen Industriezweigen bilden weitere wichtige Schwerpunkte.

Das von Hans Brandner geführte Familienunternehmen beliefert seine Kunden weltweit, wobei der asiatische Markt neben Europa und Nordamerika eine wichtige Rolle spielt. 2019 erwirtschaftete BBG mit rund 170 Mitarbeitern einen Umsatz in Höhe von 25,4 Mio. Euro.

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