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Disruptionen der Arbeitswelt Minority Report für die Smart Factory

Autor / Redakteur: Nicole Gaiziunas / Melanie Krauß

Die Unterstützung von Wartungsarbeiten oder die Simulation einer Idee können mögliche Einsatzfelder von VR und AR sein. Welche Chancen die Technik konkret für Ihr Unternehmen bietet, lässt sich anhand von fünf Leitfragen beantworten.

Thyssenkrupp Elevator macht sich bei seiner Wartungslösung für Aufzüge die Vorteile von Mixed Reality Technik zunutze.
Thyssenkrupp Elevator macht sich bei seiner Wartungslösung für Aufzüge die Vorteile von Mixed Reality Technik zunutze.
(Bild: gemeinfrei (Pixabay, 3093594) / CC0 )

Mit langen Aufzugfahrten habe ich bis vor kurzem vor allem klaustrophobische Erfahrungen und spontane Schweigeminuten verbunden. Science-Fiction im Stil von Minority Report eher nicht. Dank Max hat sich das geändert. Max ist aber kein Gedanken-Cop, sondern eine cloudgestützte Wartungslösung von Thyssenkrupp Elevator, die vorausschauenden Service ermöglicht.

Dabei spielt die Hololens von Microsoft eine zentrale Rolle: mit der Augmented Reality (AR) beziehungsweise Mixed Reality Technik visualisieren Servicetechniker die Kenndaten eines Aufzugs bereits vor Arbeitsbeginn. Am Einsatzort projiziert die Hololens dann die technischen Informationen des Aufzugs oder bei kniffeligen Problemen eine Expertenunterstützung per Bildübertragung ins Blickfeld. Dank freier Hände erledigen manche Servicetechniker ihre Arbeit somit bis zu vier Mal schneller als ohne Mixed Reality Brille.

Das Beispiel hilft unter anderem dabei, die wesentlichen Unterschiede zwischen AR und VR (Virtual Reality) in Punkto Nutzwert für die Organisation herauszustellen. Folgende Logiken für das eigene Geschäft sollte man hier jeweils berücksichtigen:

Businesslogiken der Virtual Reality

Eine virtuelle Realität, also eine gänzlich künstliche Welt ist dann von hohem Wert, wenn die komplette Simulation einer Idee, eines Systems oder eines Objekts erfolgen soll – ganz ohne physische Beschränkungen. Entsprechend sind VR-Systeme schon vor allem in Konstruktion, Entwicklung oder Produktionsplanung im Einsatz. Dort reduzieren sie die teure und zeitintensive Fertigung physikalischer Prototypen und decken in Entwicklungsprozessen frühzeitig Fehler auf. In Kombination mit anderen digitalen Techniken wie der additiven Fertigung ergeben sich enorme Potenziale. Für individualisierte, realitätsnahe Trainings und New-Work-Arbeitswelten sind VR-Simulationen natürlich auch spannend – Arbeitspäuschen unter virtuellen Palmen würde der eine oder andere sicher durchaus begrüßen.

Businesslogiken der Augmented Reality

Im Gegensatz zu VR bleibt AR im Kontext der realen, physischen Umgebung. Daher stehen hier die Prozesse wesentlich stärker im Vordergrund als bei VR. In der Industrie 4.0 gewinnt AR bei vielen Instandhaltungsaufgaben stark an Bedeutung. Denn selbst bei komplexen Wartungsarbeiten wie im Falle von Max werden die Mitarbeiter punktgenau angeleitet und mit wichtigen Kontextinformationen versorgt. Ein Plus für Wartungsqualität und -geschwindigkeit.

Und vielleicht noch wichtiger: Mitarbeiter mit anderen oder geringeren Qualifikationen können die Aufgaben ebenfalls ausführen. Darüber hinaus beeinflussen AR-Systeme in Zukunft die Kontrolle zunehmend autonomer und selbststeuernder Smart Factories. Im Zusammenspiel mit Techniken wie KI und Robotik können so völlig neue Management-Routinen und Interventionsprozesse entstehen. Also doch ein wenig Minority Report. Aber zum Glück mit Fokus auf Qualität und Prozessfehler.

Real-Gewinn aus virtuellen Welten

Orientieren Sie sich an den Chancen, die VR und AR ganz konkret für Ihr Unternehmen bieten. Ideale Einsatzfelder können Sie zum Beispiel mit Antworten auf diese Leitfragen weiter eingrenzen:

  • Welche konkreten Arbeitsprozesse lassen sich schon mit Hilfe kleiner AR-Lösungen effizienter und effektiver gestalten?
  • Welche AR-Anwendungen können die Customer-Experience verbessern und wettbewerbsdifferenzierend wirken?
  • Welche zusätzlichen, monetarisierbaren Services kann Ihr Unternehmen mittels AR aufbauen?
  • Für welche Planungs-, Konstruktions- und Entwicklungsabläufe in der Wertschöpfungskette kann eine VR-Umgebung sinnvoll sein?
  • Wie kann man VR- und Gaming-Techniken einsetzen, um das kreative Potenzial der Teams besser zu fördern? Und zugleich die Interaktion zwischen verschiedenen Teams und Standorten verbessern?

Natürlich muss dabei nicht gleich ein hochkomplexes Smart-Factory-Szenario das Ziel sein, bei dem man alle Mitarbeiter, Roboter und Maschinen in einer Art Business Game simuliert. Schon ein einzelnes, kleines aber klar beschriebenes Ziel ist der perfekte Startpunkt beim Aufbruch in virtuelle Welten – fragen Sie mal Max!

* Nicole Gaiziunas ist Managing Director und Co-Founder der XU Exponential Game Changers GmbH in 10965 Berlin, Tel. (0 30) 95 99 99 99 0, corporate@be-xu.com, www.be-xu.com

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