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Mobile Maintenance

Mit dem Tablet im Tagebau

| Autor/ Redakteur: Matthias Heiting / Beate Christmann

Mobile Apps erleichtern nicht nur den privaten Alltag, sondern immer häufiger auch die berufliche Tätigkeit. So auch bei RWE: Eine in Zusammenarbeit mit Apple und IBM eigens für den Energiekonzern entwickelte mobile Applikation soll dabei helfen, die Instandhaltung wartungsintensiver Maschinen effizienter zu gestalten.

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Wartungsschlosser bei RWE Generation arbeiten mit Tabletcomputern, auf denen die App Asset Care installiert ist.
Wartungsschlosser bei RWE Generation arbeiten mit Tabletcomputern, auf denen die App Asset Care installiert ist.
(Bild: IBM)

Im Braunkohle-Tagebau kommt schweres Gerät zum Einsatz: riesige Schaufelradbagger und Absetzer sowie kilometerlange Förderanlagen. So auch in den drei Tagebauen des Energieversorgungskonzerns RWE. Hier werden bis zu 100 Mio. t Braunkohle pro Jahr gefördert. Die Bergbaumaschinen sind 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche in Betrieb, kommen mit abrasiven Materialien in Kontakt und sind ständig der Witterung ausgesetzt – ein hoher Verschleiß liegt da auf der Hand. Um den Betrieb möglichst wenig zu unterbrechen, müssen die Industriegeräte daher ständig gewartet werden.

Inspiration aus dem Alltag mit Apps

RWE hatte es sich vor einiger Zeit zum Ziel gesetzt, seine Wartungseffizienz zu verbessern. Auf der Suche nach einer effektiven Lösung ließ sich das Unternehmen von Alltagserfahrungen inspirieren: Denn egal ob Wettervorhersage oder Verkehrsstaumelder – Applikationen für mobile Endgeräte helfen auf unterschiedlichste Arten, das Leben effizienter und angenehmer zu meistern. Auch im Arbeitsleben profitieren Nutzer bereits von den mobilen Helfern: Apps werden speziell für bestimmte Industrien und die damit verbundenen Berufsrollen entwickelt.

Also machte sich RWE auf die Suche nach geeigneten Partnern für die Entwicklung einer Reihe eigener Apps, die dabei behilflich sein sollten, besser auf den hohen Wartungsbedarf der komplexen Anlagen und Maschinen reagieren zu können. Der Energiekonzern entschied sich für die IT-Unternehmen IBM und Apple. Während Apple die Expertise für Hardware und Nutzerführung im digitalen Lebensstil mitbringt, verfügt IBM über Wissen und Erfahrung in den Bereichen sichere Datenintegration und -management sowie intelligente Analysen. Zudem entwickelten beide Unternehmen gemeinsam schon über 100 mobile Apps für den Einsatz in unterschiedlichen Branchen und Berufsgruppen.

Tablet anstelle von Zettelwirtschaft

Ein bereits für und mit RWE fertig entwickeltes Produkt ist die App Asset Care. Um die althergebrachte Arbeitsweise mit Papierformularen effizienter zu gestalten, werden die Wartungsschlosser bei RWE Generation (eine hundertprozentige Tochter der RWE AG) nun mit den Tabletcomputern I-Pad-Mini von Apple ausgestattet, auf denen Asset Care installiert ist. Damit befinden sich nicht nur die Aufträge auf dem Tablet, sondern auch Checklisten, die Mitarbeiter direkt vor Ort bei der Arbeit an den Maschinen digital ausfüllen können. So sparen sie sich das Nacharbeiten im Büro am PC.

Jedoch sollen durch die App nicht nur die manuellen Prozesse erleichtert werden: Nutzer können mit ihr jederzeit Wartungsinformationen einschließlich Bilder und Videos abrufen. Dadurch sollen sie Probleme schneller erkennen und beheben können. Wartungstechniker haben mobilen Zugriff auf Echtzeit-Updates von Handbüchern, Wartungs- und Betriebsverlauf sowie auf GPS-basierte Ortungssysteme für die Überwachung der Großgeräte.

Datenaustausch im IoT

Auch können mit dem Tablet Fotos aufgenommen werden: Fällt beispielsweise eine Unregelmäßigkeit an einer Maschine auf, wird sie im Bild eingekreist und damit für die Unterlagen erfasst. Der gleiche Prozess gilt auch für Geräusche: Knirscht ein Getriebe, lässt sich durch Aufnahme des Störgeräuschs bei Kollegen aus anderen Tagebaubetrieben nachfragen, ob entsprechende Fehler bereits bekannt sind. Mithilfe von Datenauswertungen soll es zudem möglich werden, Prognosen über Abnutzung und Wartungsintervalle zu entwickeln. Dafür werden zum Beispiel große Kugellager mit Sensoren ausgestattet. Die vernetzten Maschinen tauschen im Internet of Things Daten aus und erlauben umgehend Rückschluss über etwaigen Verschleiß.

Weitere Projekte bei RWE sind in Planung. Denn auch andere Bereiche der Energiebranche können von Asset Care profitieren: So könnte die Industrielösung beispielsweise in Kraftwerken zum Einsatz kommen. Ein weiteres Handlungsfeld stellen Materialwirtschaft und -logistik dar.

* Matthias Heiting ist Partner Energy & Utilities bei IBM, 71139 Ehningen, matthias.heiting@de.ibm.com

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