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Rente mit 63

Mit den Fachkräften geht auch das Know-how

Mehr als 200.000 Werktätige haben bisher von der abschlagsfreien Rente mit 63 Gebrauch gemacht – zum Leidwesen der Arbeitgeber. Denn durch die vorzeitige Verrentung sehen viele Unternehmen ihre Bemühungen, der demografischen Entwicklung und dem Fachkräftemangel Herr zu werden, konterkariert.

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Besonders kritisch kann es werden werden, wenn Fachkräfte in die Rente mit 63 gehen. In der Regel verschwindet mit ihnen auch wertvolles Know-how.
Besonders kritisch kann es werden werden, wenn Fachkräfte in die Rente mit 63 gehen. In der Regel verschwindet mit ihnen auch wertvolles Know-how.
(Bild: Bosch)

Ist die Rente mit 63 eine Garantie für ein schnelles Ableben? Was zunächst so verlockend klingt, nämlich früh in den Ruhestand gehen und das Leben genießen, scheint zumindest für Männer eine ganz schön gefährliche Angelegenheit zu sein. Das meint man jedenfalls beim Rostocker Zentrum zur Erforschung des demografischen Wandels. „Die Lebenserwartung deutscher Männer hängt sehr stark davon ab, wann sie in Rente gehen“, erklärt Forscherin Thusnelda Tivig gegenüber „Senioren-Ratgeber“, der Spezialausgabe der Apotheken-Rundschau für die sogenannten Best Ager.

Frühverrentung statt Altersteilzeit

Denn wer spät zu arbeiten aufhört, lebt im Schnitt länger, so die Studie der Rostocker Demografieforscher. Bei „Frührentnern“ verkürzen offenbar gesundheitliche Probleme die Lebenszeit, vermutet Tivig. Bei Frauen sieht die Sache hingegen ganz anders aus. Hier haben die Demografen aus dem Norden der Republik keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Renteneintrittsalter und Lebensdauer feststellen können.

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Nur: Bei den Betroffenen scheint die Meldung aus Rostock weitgehend ungehört zu verhallen, denn die im Sommer 2014 eingeführte abschlagsfreie Rente mit 63 (nach 45 Versicherungsjahren) scheint sich zum Erfolgsmodell zu entwickeln – ganz zum Leidwesen der deutschen Arbeitgeber, die mit der Angst vor einem drohenden – je nach Brache bereits existierenden – Fachkräftemangel im Nacken ihr wichtigstes „Kapital“, die gut ausgebildete und erfahrene Fachkraft, dahinschwinden sehen. Kommt nach der Altersteilzeitorgie, die in weiten Teilen der produzierenden Wirtschaft mittlerweile überwunden zu sein scheint, jetzt eine „Frühverrentungsorgie“?

Zugegeben: Für ein bisschen Bauchgrummeln können die offiziellen Zahlen zur Rente mit 63 schon sorgen. So beantragten 2014 – also binnen eines halben Jahres – insgesamt 206.000 Menschen die neue abschlagsfreie Rente und das ist sicher kein Pappenstiel angesichts von 1,6 Mio. Rentenanträgen im Gesamtjahr 2014. Deshalb verwundert es nicht, dass sich die Arbeitgeber über diese Entwicklung wenig erfreut zeigen.

BDA: Falsche Anreize zur Frührente

„Die neuen Zahlen lassen darauf schließen, dass die abschlagsfreie Rente mit 63 noch häufiger in Anspruch genommen wird als erwartet“, konstatierte Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), kürzlich in einem Interview der Tageszeitung „Die Welt“ und sprach in diesem Zusammenhang von „falschen Anreizen zur Frührente“. Die abschlagsfreie Rente mit 63 werfe die Wirtschaft beim nötigen Ausbau der Beschäftigung Älterer „spürbar zurück“, argumentierte der BDA-Mann, der zudem im Vorstand der Rentenversicherung als Vertreter der Arbeitgeberseite sitzt.

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