Schneider Electric Mit Ethernet und Energieeffizienz erfolgreich

Wie man sich durch den konsequenten Umbau vom Profi für Energieverteilung und Automatisierung zum Spezialisten für Energiemanagement mit ganzheitlichem Fundament für die digitale Zukunft rüstet, zeigt ein weltweit agierender Elektrokonzern, der 80 % seines Umsatzes außerhalb der EU generiert: Schneider Electric. Wir sprachen mit dem Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens, Jean-Pascal Tricoire.

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Jean-Pascal-Tricoire (rechts), Chef von Schneider Electric sagt zu MM-Redakteur Reinhold Schäfer: „Man benötigt mehr und mehr Energie. Deshalb suchen wir bei Schneider nach Möglichkeiten, Energie zu sparen, in Gebäuden, in den Datenzentren aber auch in der Industrie und speziell in den Maschinen.“
Jean-Pascal-Tricoire (rechts), Chef von Schneider Electric sagt zu MM-Redakteur Reinhold Schäfer: „Man benötigt mehr und mehr Energie. Deshalb suchen wir bei Schneider nach Möglichkeiten, Energie zu sparen, in Gebäuden, in den Datenzentren aber auch in der Industrie und speziell in den Maschinen.“
(Bild: Robert Wagner)

Sieht man sich die Erfolgsgeschichten einiger Elektrotechnikunternehmen gegenüber dem vergleichsweise „kleinen“ Unternehmen Schneider Electric an und vergleicht die Zahlen von 2006 und 2017 (Tabelle 1), dann kommt man doch ins Staunen: Einzig das französische Unternehmen Schneider konnte seinen Umsatz nahezu verdoppeln und auch der Gewinn nach Steuern stieg entsprechend an. Eine beachtliche Leistung. Was hat Schneider da besser gemacht als die anderen?

„Um es einfach zu sagen: Wir sehen die Priorität in der Effizienz. Die ganze Welt sucht nach Möglichkeiten, Energie zu sparen“, sagt dazu Jean-Pascal Tricoire, Vorstandsvorsitzender der Schneider Electric SE. Der 54-jährige Elektronikingenieur gehört dem Unternehmen seit 1986 an. Nach zahlreichen Führungspositionen in der Firma leitet er seit 2006 den Konzern als Präsident und CEO, 2013 wurde er Chairman und CEO bei Schneider Electric. Der verheiratete Familienvater von drei Kindern leitet das Unternehmen nicht von Frankreich aus, sondern von Hong-kong (China). Denn er hält es nicht nur für wichtig, die Bedürfnisse seiner Kunden zu kennen, er möchte den Hauptmärkten auch nahe sein. Und diese sieht er auch in Asien, allen voran in China.

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Energie- und Prozesseffizienz steigern

Tricoire ist der Überzeugung, dass es die Mission von Schneider ist, Möglichkeiten zu finden, Prozesseffizienz und Energieeffizienz zu steigern, denn diese seien der Grundstein für nachhaltiges Handeln. Der Wahl-Hongkonger Tricoire erläutert: „Der Energieverbrauch steigt ständig. Deshalb suchen wir bei Schneider nach Möglichkeiten, Energie zu sparen: in Gebäuden, in den Datenzentren, aber auch in der Industrie und speziell in den Maschinen. Was wir tun, ist, Energie zu wandeln und gleichzeitig zu automatisieren und diese in Form volleffizienter Lösungen anzubieten.“ Dafür biete man nicht nur die notwendige Hardware an, sondern auch die Software. „Wir nutzen dazu die Plattform Ecostruxure. Das ist eine Lösungsplattform, die ganzheitliche Lösungen vom Kraftwerk bis zur Steckdose möglich macht – und zwar aus einer Hand. Die Offenheit ermöglicht darüber hinaus eine Einbindung existierender Strukturen und Zusammenarbeit mit anderen Architekturen. Die Lösungsarchitektur Ecostruxure repräsentiert ein komplettes Portfolio, mit dem wir am Markt zu den führenden Anbietern gehören“, erklärt der Schneider-Electric-Chef.

Holistische Architektur ist IoT-fähig

„Die offene, kompatible, IoT-fähige Architektur umfasst drei Ebenen: Auf dem unteren Layer sind die Connected Products angesiedelt. Für die Schaffung sinnvoller Datenpunkte haben wir in den vergangenen Jahren viel Geld und Zeit in unsere Produkte investiert. Dabei geht es um die Vernetzung von Sensoren, Antrieben aber auch Leistungsschaltern, um hieraus relevante Daten ableiten zu können“, erzählt Tricoire weiter.

Die mittlere Ebene nennt Schneider Electric Edge Control. In dieser Umgebung geht es um die eigentlichen Steuerungen vor Ort. In der Produktion sind das laut Tricoire beispielsweise SPS-Systeme, im Umfeld von Gebäuden eben Gebäudesteuerungen.

Auf der obersten Ebene legen Apps, Analytics und Services die Basis für intelligente Geschäftsentscheidungen. Mithilfe der aufbereiteten Daten sei es dem Benutzer möglich, fundierte Entscheidungen zu treffen, um so Zuverlässigkeit zu gewährleisten, Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern. Neben der bereits skizzierten Wonderware stünden beispielsweise eine Asset-Managementlösung, der Machine Advisor oder aber der Datacenter Expert zur Verfügung.

„Die Architektur Ecostruxure muss man sich dabei wie eine Toolbox vorstellen. Der oberste Layer – Apps, Analytics und Services – wird hierbei immer mit einer bedarfsgerechten Lösung besetzt. Dies völlig unabhängig davon, ob es sich um eine Anforderung aus dem Bereich der Automatisierung im Produktionsumfeld oder aber des Gebäudes handelt. Ebenso kann hierbei aber auch die elektrische Energieverteilung im Mittelpunkt stehen. Bei hybriden Anforderungen werden diese auf der Softwareebene zugunsten einer intelligenten und ganzheitlichen Lösung verbunden. Die Dienste bieten wir als Cloud oder aber auf Basis einer Subskription an, wir richten damit also alles am Bedarf des Kunden aus“, sagt der Unternehmenschef.

In diesem Zusammenhang sei das Edge-Computing, also die dezentrale Datenverarbeitung nahe am Prozess, wichtig. Als Vorteile sieht der Schneider-Electric-Manager eine schnellere Reaktion, denn nur die Menschen auf dem Shopfloor hätten die Möglichkeit, lokal sofort zu reagieren. „Außerdem haben es unsere Kunden mit Echtzeitdaten zu tun und sie müssen sofort handeln: Die lokale Steuerung muss also immer möglich sein. Gerade wenn sie die Fernsteuerfunktion verlieren, benötigen sie diesen lokalen Kontakt“, fährt Tricoire fort.

Digitale Services ergänzen das Angebot

Darüber hinaus biete Schneider digitale Services an, zum Beispiel Analysefunktionen für die Anwendungen, denn die Daten, die man sammle, ließen sich leicht zum Planen oder zur Simulation nutzen. Deshalb habe Schneider über die vergangenen 15 Jahre in Simulationssoftware investiert. Tricoire ergänzt: „Kommunikationsfähige Komponenten, verteilte Steuerungen und Software machen ungefähr 45 % unseres Umsatzes aus, das sind etwa 12 Mrd. Euro.“

Tricoire weiß, was die Anwender wollen: „Wenn unsere Kunden kommen, dann wollen sie unterschiedliche Maschinen angepasst haben. Wir bei Schneider haben den Anspruch, dass diese mit unserer Steuerung arbeiten. Dabei nehmen wir die Softwareintegration selbst oder mit Partnern vor. Wir haben weltweit 20.000 Integratoren, die auf Schneider-Ecostruxure-Plattformen arbeiten.“

Schneider möchte den Anwendern laut Tricoire einen Vollservice anbieten, deshalb biete man auch Software und Dienstleistungen an, die als Apps, Analytics und Services auf Ebene 3 von Ecostruxure beheimatet sind.

Selbstverständlich sei man auch darauf stolz, ein Produkthersteller zu sein, denn das Internet der Dinge fange mit den Dingen an. „Wenn Sie als Käufer zum Beispiel einen Motorantrieb benötigen, dann wollen Sie das beste System. Sie kommen nicht wegen des Internets. Sie werden zu uns kommen, weil Sie das beste Produkt wollen, und darin zählen wir weltweit zu den führenden Anbietern. Wir haben eine führende Stellung am Markt für Steuerungen“, sagt der Chef von Schneider Electric selbstbewusst.

Angesprochen auf die starken Umsatzschwankungen der vergangenen Jahre – 2013: 23,6 Mrd. Euro, 2015: 26,6 Mrd. Euro und 2017: 24,7 Mrd. Euro – hat Tricoire eine einfache Erklärung: „Wir sind auf unserem Gebiet das globalste Unternehmen. Wir machen 80 % unseres Umsatzes außerhalb der EU, aber wir rechnen in Euro ab, deshalb sind wir natürlich stark von den Schwankungen des Euro-Wechselkurses abhängig.“

Würde man in Dollar abrechnen, sähe das anders aus. Schneider Electric sei hier stärker betroffen als andere Unternehmen, weil der größte Umsatzanteil außerhalb der EU generiert werde. Die umsatzstärkste Region sei Asien, die zweite Nordamerika, die dritte ist Westeuropa und die restlichen 20 % werden in Lateinamerika, Afrika, im Nahen Osten und in Russland generiert. Tricoire begründet diese Internationalität: „Wir müssen unseren Kunden und Maschinenproduzenten folgen, und das in alle Länder.“

Außerdem habe man ein Start-up für 1 Mrd. Euro verkauft, weil es nicht in den Fokus der Schneider-Unternehmensstrategie gepasst habe. Zur selben Zeit kam es zu einer sogenannten „umgekehrten Übernahme“: Schneider hat seine Software an Aveva übertragen und im Gegenzug 60 % des Industrie-Softwareunternehmens übernommen. Und dieses Unternehmen ist für Schneider sehr wichtig. „Ich bin sehr stolz auf dieses Unternehmen“, sagt Tricoire, denn die ersten Umsatzzahlen seien äußerst erfreulich. „Zusammen mit Aveva sind wir einige der wenigen Firmen, die genauso wie Siemens den kompletten integrierten Fertigungszyklus, angefangen vom Design bis zur Rechnung, durchgängig digital abbilden können. Sie können damit beispielsweise 3D-Modelle direkt in die Fertigung und von dort aus zur Wartung in die Instandhaltung weitergeben. Der Anwender benötigt nur ein dreidimensionales Modell. Und Sie können die Daten aus der Fertigung zurückgeben an die Entwicklungsabteilung und diese kann damit weitere Verbesserungen für die nächste Version erstellen, weil Sie die Fertigungsdaten genau digital erfassen können.“

Der Profit stimmt laut Tricoire: „Sie müssen alle Aktivitäten auf lange Sicht sehen. Dann werden Sie feststellen, dass sich Schneider in den vergangenen 12 bis 14 Jahren in der Größe verdreifacht hat. Falls Sie da auf unsere Hauptmitbewerber blicken, ist das dort ganz anders.“ Die Vision war, das Unternehmen fit für das 21. Jahrhundert zu machen und vom Spezialistentum der Energieverteilung und Automatisierung zum holistischen Ansatz zu kommen. Das Ergebnis sei Ecostruxure. Denn man brauche beides, um die besten Maschinen zu bauen.

„Wir sind auch deshalb sehr schnell gewachsen, weil wir uns extrem fokussiert haben“, erklärt Tricoire. „Wir haben enorm in die Zukunft, viel in Entwicklung und Konstruktion, vor allem in Software investiert. Außerdem haben wir das Internet in den Shopfloor schon 1997 eingeführt, vor fast 20 Jahren!“ Die damalige Lösung nannte sich „Transparent-Factory“.

„Dabei hat man uns damals gesagt: Das funktioniert nicht, ist zu langsam, zu teuer, es ist nicht professionell genug. Doch in den vergangenen 20 Jahren haben wir fast alles auf Basis von Ethernet weiterentwickelt. Und vor 10 Jahren haben wir die erste Version von Ecostruxure auf den Markt gebracht. Viele Unternehmen haben erst in den vergangenen drei Jahren mit dem Internet der Dinge begonnen, wir haben vor 20 Jahren damit angefangen“, wiederholt Tricoire.

IT und Telekommunikation als Vorreiter

Tricoire hat eine einfache Erklärung dafür, warum Schneider schon damals das Ethernet als Datennetz gewählt hat: „Die IT in der Telekommunikation hat verstärkt auf TCP/IP und UDP/IP sowie die verschiedenen offenen Internetprotokolle gesetzt, die auch auf dem Ethernet ablaufen. Während die Industrie noch mit proprietären Systemen gearbeitet hat, mit nur kleinen Investitionssummen und damit nur 3 % der weltweiten Investitionen in Verbindungen erzielte, hat der Rest mit Ethernet gearbeitet. Das heißt, der Fortschritt in Ethernet war viel schneller da als in der traditionellen Automatisierung.“

So hat sich in den ersten zehn Jahren von 1997 bis 2007 das Ethernet wirklich zu einem wettbewerbsfähigen Produkt im Feld der Echtzeitautomatisierung weiterentwickelt. Das brachte mehr Transparenz in die Fabrik.

Laut Tricoire hat sich das eigentlich kontinuierlich entwickelt: „Von 2007 bis 2012 haben wir massive Anpassungen vorgenommen und die Technik für die Industrieautomation weiterentwickelt. In den vergangenen fünf Jahren haben wir unsere Kapazitäten in die Cloud-Entwicklungen und entsprechende Software gesteckt, um die Daten der Maschinen, Anlagen und Fabriken zu speichern. So haben wir in den vergangen fünf, sechs Jahren eine gute Datensammlung bekommen mit zunehmender künstlicher Intelligenz und dafür benötigt man entsprechende Softwarelösungen.“

Schneider habe von Beginn an das Ethernet genutzt, genauso wie Rockwell, Omron und Bosch, und man habe auch innerhalb der ODVA (Open Devicenet Vendors Association) mitgearbeitet. „Unsere Produkte sind so offen, sie arbeiten sogar mit Profinet. Die Philosophie von Schneider ist, einen multifunktionalen Standard zu haben, der es ermöglicht, mit allen Produkten zusammenzuarbeiten. Denn wir wollen, dass unsere Kunden gerne unsere Produkte nutzen, weil sie mit allen Systemen zusammenarbeiten können“, bekräftigt der Chef von Schneider Electric.

Er begründet das: „Wenn unsere Kunden sich in Japan eine Maschine kaufen, wird diese möglicherweise mit einer Mitsubishi gesteuert, wenn sie eine Maschine in Amerika kaufen, hat diese beispielsweise eine Rockwell-Steuerung. Die Kunden möchten natürlich alle Daten sammeln, dazu benötigen sie offene Systeme und eine integrierte Plattform. Wir respektieren die Wünsche unserer Kunden und bieten deshalb einen offenen Standard, damit unsere Kunden die freie Wahl haben.“

Ein weiteres Beispiel ist Somic, ein Verpackungsmaschinenhersteller – unter anderem für Espresso­kapseln –, „dort haben wir eine Augmented-Lösung für den Operator installiert“, ergänzt Dr. Barbara Frei, Zone President DACH bei Schneider Electric. „Damit können Sie sehr schnell sehen, was innerhalb der Maschine geschieht. Sie können einfach ein I-Pad oder Tablet nehmen und sich die Anlagenzustände ansehen.“ Tricoire ergänzt: „Der Controller sitzt im Schaltschrank. Allerdings wird konsequent mit dezentralen Antrieben gearbeitet und das spart bei 70 Achsen richtig Platz ein.“

Frei erläutert weiter: „Das ist viel leichter, als man glaubt: Sie nehmen einfach ein Tablet und sehen, dass diese Komponente arbeitet und jene ein Problem hat und für den Anlagenstopp verantwortlich ist. Oft denken die Leute, sie benötigen dazu Datenbrillen, unsere Lösung ist einfach und läuft über ein I-Pad oder Tablet.“ Tricoire sagt dazu, dass man die ersten Augmented-Reality-Tests mit Datenbrillen schon vor 15 Jahren durchgeführt hat, den Anwendern jedoch häufig schwindlig wurde. Die neuen Mixed-Reality-Systeme seien da wesentlich besser.

Das Essenzielle im Fall Somic seien jedoch nicht diese Features, sondern die außergewöhnlich hohe Kompaktheit des Systems. Doch der hauptsächliche Vorteil der Digitalisierung sei, dass der Bediener an der Maschine sofort über den genauen Zustand der Maschine informiert werde.

Die Schneider-Electric-Präsidentin der Region DACH ergänzt: „Der Vorteil der Augmeted-Reality-Lösung bei Somic ist, dass es viel einfacher ist, die Arbeiter an der Maschine anzulernen. Auch die Inbetriebnahme einer Maschine in China ist damit wesentlich einfacher. Mit solchen Lösungen wollen wir es unseren Kunden ermöglichen, den Service und die Wartung an der Maschine leichter durchzuführen.“

Software auch als Pay-per-use-Option

Schneider bietet die Softwarelösungen auch als Pay-per-Use-Option an, denn man wisse ja über die Vernetzung genau, wie viele Produkte produziert werden. „Sie bezahlen nach Anzahl der produzierten Produkte“, sagt der Unternehmensleiter. Das Ganze befinde sich allerdings noch in der Aufbauphase. „Benutzt wird das schon in der Reifenindustrie, dort zahlt man per zurückgelegtem Kilometer“, weiß Tricoire und fährt fort: „Ich denke, bei den Maschinenherstellern wird es in der Zukunft ähnlich sein.“

Ein Vorteil sei auch, dass man bei Bedarf einfach mehr und mehr digitale Serviceleistungen dazukaufen könne. „Sie müssen die Daten oder die Software nicht direkt an der Maschine haben. Aber Sie können digitale Module an die Cloud anschließen und diese bringen Ihnen die Predictive-Maintenance-Elemente, die die Maschine betreffen“, erzählt Tricoire.

Als Beispiel nennt der Schneider-Electric-Manager die Software Machine Advisor. Diese befinde sich nicht auf der Maschine. Die Daten würden jedoch dort extrahiert und gäben dem Anwender zahlreiche Hinweise, die Effizienz seiner Maschine zu verbessern. Sie ermögliche dem Anlagenbetreiber die komplette Remote-Kontrolle über die Maschine.

Dass Schneider von seiner Ecostruxure-Plattform überzeugt ist, zeigt sich auch daran, dass diese in allen Schneider-Fabriken verwendet wird. „Jedes Jahr prüfen wir damit die Wirtschaftlichkeit der Fabriken und alle drei Jahre senken wir deren Energieverbrauch um 10 %. Wir machen das schon jahrelang und finden Dank der Digitalisierung immer wieder Effizienzquellen“, erläutert Tricoire.

Schneider gehört auch der Organisation EP100 (Energy Productivity 100) an und hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen Energieverbrauch bis 2030 um 50 % zu senken. Doch das ist laut Tricoire nicht alles: „Der zweite Ansatzpunkt ist die Aktion Renewable 100, das heißt, wir wollen bis 2030 den Energieverbrauch zu 100 % durch erneuerbare Energie decken. Schon bis 2020, wollen wir hierbei 80 % erreicht haben.“

Im Einklang mit den Zielen der UN

Das Engagement von Schneider Electric, Nachhaltigkeit in allen Bereichen des Unternehmens umzusetzen, kommt voran. Das belegen die Quartalszahlen aus dem Schneider Sustainability Impact 2018-2020 eindrucksvoll (siehe Grafik).

Bei seiner Selbstverpflichtung, die Unternehmens­politik konsequent auf Nachhaltigkeitsziele auszurichten, orientiert sich der globale Spezialist für Automatisierung und Energiemanagement an den 17 UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung. Diese sind ein universeller Aufruf zur Ergreifung von Maßnahmen, um Armut zu beenden, den Planeten zu schützen und sicherzustellen, dass bis zum Jahr 2030 alle Menschen in Frieden und Wohlstand leben.

Habe man alles digital verknüpft, ist so etwas laut Tricoire einfach zu lösen: „Wir kennen digital den Verbrauch, den wir lokal benötigen, und können dementsprechend die Energieströme lenken. Wir haben daraus auch ein Geschäft gemacht und bieten eine solche digitale Plattform auch unseren Kunden an. Diese soll es ihnen ermöglichen, zunehmend grüner und preiswerter zu werden und den Energieverbrauch zu senken.“ Diese Nachhaltigkeits-Dienstleistungen beruhen unter anderem auf der Softwareplattform Resource Advisor von Schneider Electric.

Die einzelnen Fabriken dienen als Testlabor

„Ein wirklicher Vorteil für uns ist, dass wir ein großes Industrieunternehmen sind, das viele Maschinen im Einsatz hat. Wir sind somit selbst das größte Testlabor. Weltweit haben wir über 200 Fabriken. Dort testen wir unsere Produkte und unsere Software. Das Schneider-Production-System, das alle unsere Fabriken verwenden, sorgt für Lean Manufacturing“, ist der Chef von Schneider überzeugt.

China übt Druck auf die anderen Länder aus

„Unser Hauptmarkt sind die USA, dann folgt China und der drittgrößte Markt für Schneider ist Indien“, sagt der Konzernchef. Über die Zukunft macht er sich für sein Unternehmen keine Sorgen: „China war bisher dafür bekannt, Produkte günstig herzustellen, doch durch die neuen Initiativen wie Automatisierung, Digitalisierung und Hochgeschwindigkeitsinternet wird man dort in wenigen Jahren so weit sein, Produkte in höchster Qualität herzustellen. Dies übt einen enormen Druck auf die Unternehmen in den anderen Ländern aus.“

Probleme, Mitarbeiter zu rekrutieren, hat Schneider nicht, denn das Unternehmen ist ein attraktiver Arbeitgeber. Und auch die hohe Zahl an Mitarbeitern, die 30 Jahre und mehr beim Unternehmen sind, zeige dies, so der Unternehmensboss.

Schneider biete ein Förderprogramm für die Mitarbeiter und auch eine Mission, mit der sich diese auch wohlfühlen: die Digitalisierung und Effizienz weltweit zu jedem Menschen auf der ganzen Erde zu bringen, um die Problematik der abnehmenden Ressourcen zu minimieren. Und zudem tue das Schneider mit der höchstmöglichen Nachhaltigkeit. Dies sehe man auch daran, dass Schneider immer unter den Spitzenplätzen rangiere, wenn es um Corporate Social Responsibility gehe.

Tricoire unterstreicht das: „Ich bin Mitglied im weltweiten Board des Global Compact der United Nations.“ Dies ist die weltweit größte und wichtigste Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung. Die Einhaltung solchen Handelns sei sogar Teil der Gehaltsbestandteile der Führungsriege von Schneider.

Für neue Mitarbeiter sei es auch wichtig, in einem vielfältigen Umfeld arbeiten zu können, und dass Schneider global aufgestellt ist, davon ist der Schneider-Manager überzeugt: „Nur 10 % unserer Mitarbeiter sind in Frankreich. Wir haben mehr Menschen in den USA, in China und Indien. Das machen nicht viele Unternehmen, wir schon. Wir haben eine flache Hierarchie und bieten wirklich vielen Personen eine Chance, egal wo sie herkommen. Und wir befähigen sie, Entscheidungen zu treffen. Ich verspreche den Menschen, die zu uns kommen, wirklich große Themen anzupacken und nachhaltig zu bewegen. Wenn Sie bei Schneider beruflich durchstarten möchten, dann können Sie das in 100 Ländern dieser Erde tun – ich zum Beispiel lebte im Laufe meiner Karriere bei Schneider in sechs Staaten.“

Der Chef des grünen Unternehmens fährt natürlich auch aus Umweltgesichtspunkten einen Elektrowagen. „Meine Stromrechnung für das Fahrzeug ist fünf-mal niedriger im Vergleich zu der meines vorhergehenden, gasbetriebenen Autos“, freut sich Tricoire. MM

* Weitere Informationen: Schneider Electric GmbH, 40880 Ratingen

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt