Composites Europe 2018 Mit Leichtigkeit zur Vorzeigemesse

Redakteur: Peter Königsreuther

Nun liegt uns der Abschlussbericht der Composites Europe vor. Wer die Publikumsrenner auf der Messe waren, wie es mit der Branche weiter geht, und wie die Endzahlen aussehen, verrät der folgende Bericht des Veranstalters Reed Exhibitions.

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Die Composites Europe 2018 ist vorbei - die erste ihrer Art in einem geraden Jahr. Die Compositebranche folgt nach Aussage der Insider mit einem 2-%-Wachstum dem allgemein guten Geschäftsklima in der Industrie. CFK und GFK in der Aufwärtsspirale, quasi...im Folgenden gibt es noch weitere Impressionen der Composites Europe 2018 in Stuttgart...
Die Composites Europe 2018 ist vorbei - die erste ihrer Art in einem geraden Jahr. Die Compositebranche folgt nach Aussage der Insider mit einem 2-%-Wachstum dem allgemein guten Geschäftsklima in der Industrie. CFK und GFK in der Aufwärtsspirale, quasi...im Folgenden gibt es noch weitere Impressionen der Composites Europe 2018 in Stuttgart...
(Bild: Reed Exhibitions Deutschland)

Glas- und carbonfaserverstärkte Kunststoffe sind gefragt, wenn leichte und zukunftsweisende Lösungen gefordert sind. Dabei ist der Trend zum Leichtbau derzeit einer der stärksten treibenden Kräfte in der Compositeindustrie. Ebenso intensiv spürt man die Impulse, die von der Compositebranche selbst ausgehen: Denn mit großen technologischen Fortschritten in der Fertigungs- und Verarbeitungskette gelingt es der Branche, Produktionsprozesse zunehmend zu automatisieren und zu verkürzen, sagen die Experten.

Die Creme de la Creme der Autobranche war dabei

Beide Entwicklungen seien prägend für den Verlauf der diesjährigen Composites Europe gewesen, die mit 365 Ausstellern aus 30 Nationen zum 13. Mal stattfand. Insgesamt zählte der Veranstalter Reed Exhibitions 8148 Besucher aus 71 Ländern (2017 waren es 63). Die Composites Europe, die erstmals in einem geraden Jahr in Stuttgart stattfand, knüpfte damit, wie es weiter heißt, an das Ergebnis des Vorjahres an (8342). Sie konnte damit ihre Bedeutung als internationaler Branchentreff verteidigen. Das drücke sich auch in dem auf 46 % leicht gestiegenen Anteil der internationalen Fachbesucher (Vorjahr: 42 %). Bemerkenswert lese sich auch die Liste der Unternehmen, die dabei waren. Nahezu die gesamte Automobilindustrie - von Audi, BMW, Bugatti, Daimler über Ford, Honda und Mitsubishi bis zu Opel, Porsche, Toyota, und Volkswagen - war vertreten.

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Ein ähnliches Bild in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Gut jeder vierte Besucher repräsentierte laut Reed Exhibitions ein Unternehmen, das als OEM oder als Zulieferer am Markt agiert. „Ein Qualitätsbeweis, der unterstreicht, dass die Entscheidung, jährlich in Stuttgart stattzufinden, marktgerecht war", äußerte sich Hans-Joachim Erbel, CEO Reed Exhibitions zur damaligen Entscheidung, den Standort Düsseldorf zu verlassen. Denn bis dato fand die Messe in geraden Jahren in der Rheinmetropole ihre Heimat.

Das Compositewachstum setzt sich fort

Aktuell wachse der Markt für Glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) im Vergleich zum Vorjahr um 2 %, was eine absolute Menge von 1,141 Mio. Tonnen GFK repräsentiere. Das ist das Ergebnis des jährlichen Marktberichtes der AVK - Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe, der zu Beginn der Composites Europe in Stuttgart vorgestellt wurde, heißt es. Auch die Compositeidustrie folge damit den gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen.

„Die Aussichten für die gesamte Compositeindustrie sind gut, die Potenziale enorm", betont Dr. Elmar Witten, Geschäftsführer der AVK. Der Automotivebereich, der momentan immer noch wichtigste Abnehmermarkt für faserverstärkte Kunststoffe in Europa, befinde sich derzeit außerdem im Umbruch. Außer den gestiegenen Anforderungen an Abgas- und Emissionswerte trügen neue Antriebskonzepte wie sie die E-Mobilität fordern, zur Umstrukturierung der Branche bei und eröffneten weitere Perspektiven.

Leichtbau-Potenzial bleibt eine Domäne von GFK und CFK

Das Thema Leichtbau spielt dabei eine zentrale Rolle, wie Werner Lohscheider vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie anlässlich der Eröffnung des "Lightweight Technologies Forum" (LTF) betonte: „Für uns ist Leichtbau eine Schlüsseltechnologie, die wir nutzen, um den Industriestandort Deutschland zu modernisieren und zu stärken - und zwar nachhaltig. Denn das ist eine breite und starke Basis für Wertschöpfung und Arbeitsplätze sowie die Märkte von heute und morgen.“

Besonders im Multimaterialleichtbau spielen Faserverbundwerkstoffe ihre Stärken aus, so Lohscheider. Denn immer seltener sind die Anforderungen des modernen Leichtbaus mit einem einzelnen Werkstoff lösbar, immer häufiger geht es stattdessen um hybriden Leichtbau, registriert der Insider. Ein Ansatz, der dem Lightweight Technologies Forum zugrunde liegt, heißt deshalb, dass mit dem materialübergreifenden Forum ein Format geschaffen wurde, das die Compositeindustrie und die Anwenderbranchen zum integrativen und hybriden Leichtbau zusammenbringt, merkt Olaf Freier, Event-Director der Composites Europe an. Das Forum feierte 2016 seine Premiere und hat sich seitdem sehr erfolgreich entwickelt, so Freier. Insgesamt 26 Unternehmen zeigten in diesem Jahr ihr Know-how vom Füllstoff über Haftvermittler und Pressanlagen sowie das Laminieren unterschiedlicher Materialien bis hin zu hybriden Halbzeugen. Ein besonderes Highlight sei dabei die Machbarkeitsstudie eines Autositzes gewesen, der durch angewendete Lichtbauexpertise nur 8 kg auf die Waage bringt.

Die Compositefertigungskette wird zum Hot-Spot

Dass es der Branche immer besser gelingt, mit technologischen Fortschritten in der Fertigungs- und Verarbeitungskette, die Produktionsprozesse zu automatisieren und zu verkürzen, zeigte die neue Ausstellungsfläche "Process live". Hier präsentierten Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau aufeinander abgestimmte Verarbeitungs- und Fertigungsprozesse. Beispielhaft dafür war die Livedemonstration des Schneidspezialisten Gunnar (Schweiz), des Composite-Automatisierungsexperten Airborne (Niederlande) und des Greifsystemanbieter Schmalz (Deutschland), die gemeinsam die gesamte Fertigungs- und Verarbeitungskette vom Rollenmaterial bis zum fertigen Lagenaufbau eines Faserverbundbauteils prozesssicher in einer kombinierten Produktionszelle darstellten. Die ineinandergreifenden Hardwarekomponenten werden dabei softwareseitig komplett miteinander verbunden. „Die Kollaboration unter den Verarbeitern wird immer enger. Diese Kooperationen innerhalb der Prozesskette forcieren das Wachstum der Compositeindustrie – das wollen wir mit dem neuen Format Process live deutlich machen", erklärt der Event-Director.

Schaum-Know-how ergänzt Composite-Show in Stuttgart

Die Foam Expo Europe, Fachmesse und Konferenz für die Lieferkette der technischen Schaumstoffherstellung, und die Composites Europe, Europäische Fachmesse und Forum für Verbundwerkstoffe, Technologie und Anwendungen, finden ab 2019 parallel in Stuttgart statt, wie außerdem verkündet wurde. Das haben die beiden Veranstalter - Smarter Shows und Reed Exhibitions - Anfang November 2018 bekannt gegeben.

Zusammen vereinten beide Messen die Technologien und Anwendungen der Verbundwerkstoffe mit der gesamten Lieferkette der Schaumstoffherstellung. Vor allem für die gemeinsamen Anwendungsindustrien wie Automotive, Luftfahrt, den Bausektor und die Sport- und Freizeitindustrie biete der gemeinsame Messetermin am Standort Stuttgart viel versprechende Synergien. Die Besucher treffen, wie es dazu heißt, auf ein vielfältiges Angebot an Leichtbaumaterialien und Verarbeitungsprozessen.

Ab 2019 wird erstmals zeitgleich zur Composites Europe Foam Expo Europe stattfinden. Die Foam Expo Europe, die in diesem Jahr ihre Premiere feierte, präsentiert die gesamte Schaumstofflieferkette und ist Marktplatz für Hersteller und Käufer von technischen Schaumstoffen, Schaumstoffprodukten und Dienstleistungen. Im Mittelpunkt der Messe stehen Form-, Hart- und Weichschaumlösungen, einschließlich Rohstoffe, Chemikalien wie auch Ausrüstung und Maschinen.

Messedoppel und optimierter Compositekongress

Zusammen sollen beide Messen die Technologien und Anwendungen der Verbundwerkstoffe mit der gesamten Lieferkette der Schaumstoffherstellung verknüpfen, sagen die Veranstalter. Denn nicht zuletzt basierten viele Werkstoffe aus beiden Welten auf dem vielfältig nutzbaren Polymer Polyurethan (PUR). Vor allem für die Schnittmenge der Anwendungsindustrien beider Messen, wie Automotive, Luftfahrt, den Bausektor und die Sport- und Freizeitindustrie, bietet der gemeinsame Termin am Standort Stuttgart ideale Bedingungen, so Reed Exhibitions.

Der ICC (International Composites Congress), bisher traditionell der Auftakt der Composites Europe, werde künftig gemeinsam von Reed Exhibitions und der Wirtschaftsvereinigung Composites Germany veranstaltet. Im Zuge dessen soll es ein integratives Gesamtkonzept geben, durch das Messe und Kongress näher zusammenrücken. Die kommende Composites Europe findet vom 10. bis 12. September 2019 in Stuttgart statt

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