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Instandhaltungs-Software

Mit Mitarbeitern oder ganz automatisiert

| Autor: Simone Käfer

Eine neue Pizzaverpackungsmaschine von Nestlé Wagner hatte unmittelbar nach der Inbetriebnahme mehrere Stillstände. Mit einem Ansatz zur Verbesserung Anlageneffizienz fallen diese weg und das System konnte sogar noch verbessert werden.
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Eine neue Pizzaverpackungsmaschine von Nestlé Wagner hatte unmittelbar nach der Inbetriebnahme mehrere Stillstände. Mit einem Ansatz zur Verbesserung Anlageneffizienz fallen diese weg und das System konnte sogar noch verbessert werden. (Bild: SKF)

Zeitraubende und fehler anfällige manuelle Methoden in der Instandhaltung lösen nicht immer jedes Problem. SKF bietet einen Dienstleistungsservice, der die Erfahrung der Mitarbeiter unterstützt, während H&H Systems Software und Fluke auf reine Automatisierung setzen.

Fast 700 Pizzen stellt Wagner pro Minute im saarländischen Nonnweiler her. Das Werk liefert etwa ein Drittel von den in Deutschland jährlich 5,4 kg pro Haushalt verzehrten runden Tiefkühlprodukten. 1973 stellte hier Ernst Wagner die erste Tiefkühlpizza her, mit vollkommen selbst entwickelten Steinöfen. Für eine Massenproduktion waren diese schlichtweg ungeeignet. Daher stehen in Nonnweiler heute Produktionslinien von mehr als 100 m Länge, welche die Teigverarbeitung, das Backen und Belegen sowie das Frosten und Verpacken automatisiert erledigen.

Um den Verpackungsvorgang zu beschleunigen, hatte die Nestlé Wagner GmbH im Jahr 2012 eine neue Maschine installiert. Das System arbeitete durchaus flott, aber unmittelbar nach seiner Inbetriebnahme noch nicht mit voller Leistung: Unvorhergesehene Stillstände verlangten nach einer Verbesserung des Instandhaltungskonzepts. Daher beschloss Martin Kranich, bei Nestlé Deutschland zuständig für die Instandhaltung, an einem Pilotprojekt von SKF teilzunehmen. Die Dienstleistung versprach ein geringeres Ausfallrisiko und eine Effizienzsteigerung von bestehenden Anlagen.

Um die Maschine – wie von Kranich gewünscht – gleichsam präventiv im optimalen Betriebszustand halten zu können, führte SKF zunächst eine Kritikalitätsanalyse durch. „Im Prinzip handelt es sich dabei um eine detaillierte Risikobewertung pro Anlagen-Komponente“, erklärt der Instandhaltungsstrategie-Berater von SKF, Benjamin Pfannes. „Anders ausgedrückt: Wir durchleuchten jede Art von Anlage so, dass ihre ganz spezifischen Risiko-Potenziale zu Tage treten. Die identifizierten Gefahrenstellen werden anschließend je nach Folgenschwere eines möglichen Fehlers bewertet. Daraus lassen sich dann konkrete Gegenmaßnahmen für jede einzelne potenzielle Störquelle ableiten.“

Kundenspezifische Anpassungen

Der Prozess ist zwar standardisiert, wird aber immer an die jeweiligen Kundenbedürfnisse angepasst. So wurden in Nonnweiler unter anderem spezifische Besonderheiten in Sachen Bau und Anlagenteile berücksichtigt und diese hinsichtlich ihrer eventuellen Ausfallwahrscheinlichkeit bewertet. „Die Kritikalitätsanalyse zeigte, wo ein Ausfallpotenzial besteht und welche Bereiche eher unkritisch sind“, so Martin Kranich von Nestlé. Dazu hatten die SKF Experten eine Unmenge an Möglichkeiten für Ausfälle in Betracht gezogen, angefangen von einer Mangelschmierung über optimierbare Materialien und Lagerdimensionen oder auch Ausrichtungsfehler beziehungsweise Schiefstellungen bis hin zu elektrischen Verbindungen und eventuellen Kurzschlüssen.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse sowie der Risikobeurteilung wurden vor Ort und gemeinsam mit der Belegschaft entsprechende Maßnahmen erarbeitet und definiert. „Für den Erfolg einer neuen Instandhaltungsstrategie ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv einbringen“, betont Michael Nöth vom Beratungsteam bei SKF. „Schließlich verfügen die Kolleginnen und Kollegen über eine unschätzbare Erfahrung, mit der sie die praktische Umsetzung ihrer überarbeiteten Instandhaltungstätigkeiten noch maßgeblich verbessern können.“

Insgesamt 33 Projekttage investierten beide Unternehmen, um den idealen Mix aus unterschiedlichen Instandhaltungsmaßnahmen für die größtmögliche Zuverlässigkeit zusammenzustellen. Gemeinsam integrierten sie den neuen Instandhaltungsplan sogar in das SAP-System. Dort ist nun hinterlegt, was täglich, wöchentlich oder in festgelegten Zeitintervallen zu tun ist. Letztlich landeten etwa 120 Tätigkeiten auf einer To-do-Liste, welche die Nestlé-Wagner-Mitarbeiter inzwischen in ihre tägliche Arbeit eingebaut haben.

Wireless Instandhaltung per Cloud

Wer weniger mit Mitarbeitern, dafür aber noch digitaler seine Anlagen überwachen will, kann sich an Fluke wenden. Connect Assets ist ein Cloud-basiertes System aus Software und Wireless-Messgeräten, das Instandhaltungsmanagern eine umfassende Übersicht über alle wichtigen Komponenten einer Anlage gibt – einschließlich Sollwerten, Historie, Verlaufsdaten und aktuellen Messergebnissen, aktuellem Status und vorhergehenden Inspektionsdaten. Dazu erfasst es Messdaten von mehr als 30 Wireless-Messgeräten aus der Connect-Serie über WLAN.

Ergänzendes zum Thema
 
Instandhaltung mit Mitarbeitern
Ungeplante Stillstände einer neuen Maschine bewegten Nestlé Wagner, sich als Leuchtturmprojekt bei SKF zu bewerben. Martin Kranich, bei Nestlé Deutschland zuständig für die Instandhaltung, über das Projekt:

Das Systems kann mehrere Arten von Messdaten für die Prognose nebeneinander in einem visuellen Format analysieren. Da jede Messart einen anderen Aspekt des Anlagenzustandes anzeigt, ergeben sie, so in Korrelation gesetzt, ein kompletteres Bild. Dadurch werden Probleme klarer.

Inspektionsrunden dokumentieren

Verschiedene Systeme erschweren das Instandhalten, wie der Ski-Hersteller Atomic feststellen musste. Denn die fehlende Kommunikation zwischen der Instandhaltungs-Software und dem Ersatzteilmanagement stand einer Steigerung der Anlagenverfügbarkeit, Reduktion der Instandhaltungs- und Lagerhaltungskosten, Automatisierung des C-Teile Managements, Definition von Mindestlagerständen und Automatisierung der Beschaffung sowie einer verbesserten Störungsabwicklung im Weg. Um diese Ziele umzusetzen, implementierte H&H Systems Software das System Ispro-NG.

Die Software plant zum Beispiel zyklisch wiederkehrende Instandhaltungsaufgaben nach frei definierbaren Intervallen oder erfasst Störmeldungen, die sie auf Wunsch via Messagingsystem, E-Mail oder SMS an frei definierbare Personen oder Gruppen weitergibt. Außerdem bietet sie verschiedene Instandhaltungsjournale zu Auswertungszwecken oder zur direkten Erfassung bereits erledigter Instandhaltungsaktivitäten. Die aufwändigen täglichen Inspektionsrunden werden bei Atomic nun automatisch durch die NFC-Lösung dokumentiert und etwaige Störungen über die Meldeportale abgesetzt. Die Software verwaltet die Ersatzteile und hinterlegt sie in der Instandhaltungsplanung. MM

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