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Kunststoffmaschinen Mit Service die China-Konkurrenz in Schach halten

| Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Auch bei Kunststoffmaschinen erhöhen chinesische Anbieter ihren Marktanteil in rasantem Tempo. Anbieter von technisch einfacheren und Standardmaschinen geraten unter Druck. Am Beispiel Taiwans kann man jedoch sehen, wie sich die China-Konkurrenz in Schach halten lässt: mit Service und dem Streben nach mehr Qualität. Dabei müssen die taiwanischen Anbieter jedoch die Preise im Rahmen halten.

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Michael Wang, General Manager der Asian Plastic Machinery Co. Ltd.: „Wenn Sie in China kaufen, haben Sie praktisch keinen Service.“
Michael Wang, General Manager der Asian Plastic Machinery Co. Ltd.: „Wenn Sie in China kaufen, haben Sie praktisch keinen Service.“
( Archiv: Vogel Business Media )

Qualität und Service sieht Michael Wang, General Manager der Asian Plastic Machinery Co. Ltd., als Schlüssel zum Bestehen gegen die chinesische Konkurrenz. Das Unternehmen, das zur Chen-Hsong-Gruppe mit Hauptsitz in Hongkong und Produktionsstätten in der Volksrepublik China gehört, kann sich sowohl gegen die internen als auch gegen die externen Wettbewerber vom Festland behaupten. „Kunden, die nach Taiwan kommen, sind bereit, 20 bis 30% mehr zu bezahlen als für eine Maschine aus China“, verrät Wang.

Dafür erhalten sie dann auch einen höheren technischen Standard, als wenn sie bei der Chen-Hsong-Gruppe in der Volksrepublik kaufen: Das Unternehmen hat seine komplette Forschung und Entwicklung in Taiwan gebündelt; neue Maschinen werden auf der Insel entwickelt.

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Lebensdauer, Stabilität, eine Service-Orientierung auch nach dem Verkauf und Entgegenkommen dem Kunden gegenüber sind die Vorteile beim Kauf von Maschinen aus Taiwan, wie Jackie Lin, Vice General Manager der Chuan Lih Fa Machinery Works, meint. Damit müssten die Unternehmen die dreimal so hohen Lohnkosten im Vergleich zu China wettmachen.

Das Unternehmen fertigt mit 250 Mitarbeitern in Taiwan etwa 500 bis 600 meist große Spritzgießmaschinen mit bis zu 4000 kN Schließkraft. Die gleiche Zahl an Spritzgießmaschinen fertigt Chuan Lih Fa noch einmal in seinem chinesischen Werk.

Höhere Qualität durch Auslands-Zulieferungen

Um die Qualität zu steigern, greift Chuan Lih Fa auch auf ausländische Zulieferer zurück: So sind aus Deutschland Novotechnik und Bosch Rexroth mit im Geschäft. Die Steuerungen kommen aus Japan von Star Denshi. „Wir haben diese Steuerungen gemeinsam entwickelt und programmieren sie selbst“, berichtet Lin. Überhaupt legt das Unternehmen auch Wert auf Forschung und Entwicklung: 20 Mitarbeiter sind allein in dieser Abteilung beschäftigt.

Die Bemühungen um fortgeschrittene Technik bleiben nicht ohne Auswirkungen. Auch wenn Chuan Lih Fa in erster Linie für Emerging Markets fertigt, hat das Unternehmen mit dem japanischen Spritzgießmaschinenhersteller Meiki eine Vereinbarung als ODM (Original Design Manufacturer) abgeschlossen und liefert auch auf den Heimatmarkt des Vertragspartners.

Wie sehr die Produktion in Taiwan im Vergleich zu anderen Standorten interessant sein kann, zeigt das Beispiel von Fu Chun Shin Machinery Manufacture Co. Ltd. Das Unternehmen fertigte Zwei-Platten-Spritzgießmaschinen mit 2500 kN Schließkraft zunächst in Kooperation mit Italtec.

Seit dem Ende der Kooperation läuft diese Spritzgießmaschinen-Fertigung in Lizenz weiter, wie Ted Chuang, Verkaufsleiter von Fu Chun Shin, erläutert. Für deutsche Zulieferer eröffnen sich dabei Möglichkeiten; zum Beispiel liefern Bosch Rexroth und Moog Ventile für die Spritzgießmaschinen.

Kosten für Zulieferungen müssen im Rahmen bleiben

In den meisten Fällen setzt Fu Chun Shin allerdings auf kostengünstige Zulieferungen. „Standardmaschinen, wie wir sie in China produzieren, benötigen chinesische Komponenten, Maschinen aus Taiwan bauen wir mit taiwanischen Komponenten“, erläutert CEO Jason Tsai.

Die Kosten im Griff halten will auch Larry Wei, President der Fong Kee International Machinery Co. Ltd. in Tainan. „Unsere Maschinen liefern 80% der Performance einer deutschen Maschine zu 35% des Preises“, erklärt er. Der Hersteller von Blasform- und Folienextrusionsmaschinen sieht folglich seine Hauptwettbewerber in Deutschland und Japan.

Der niedrigere Preis wird laut Wei durch niedrigere Lohnkosten in Taiwan, aber auch durch eine niedrigere Marge ermöglicht. Am Service will er jedenfalls nicht sparen: „Wir bemühen uns um den bestmöglichen Service in 110 Ländern weltweit.“

Fong Kee sieht Wettbewerber in Deutschland und Japan

Und auch bei den Zulieferungen regiert nicht nur die Sparsamkeit: „Wir importieren 15 bis 20% unserer Komponenten“, sagt Wei. Dabei sind unter anderem Lager von SKF, Hydraulik-Komponenten von Bosch Rexroth oder Motoren von Moog.

Im Vergleich zu anderen Herstellern in Taiwan agiert Fong Kee aber deutlich moderner: Als einziges befragtes Unternehmen hat Fong Kee Lean-Management-Methoden eingeführt. Auch verfügt das Unternehmen über ein ERP-System, was in der Branche in Taiwan nicht selbstverständlich ist. Die Zahl der Zulieferer liegt nur bei 40 bis 50, wohingegen beispielsweise Chuan Lih Fa mit etwa 150 Lieferanten zusammenarbeitet.

Ganz auf Sonderanfertigungen von meist vertikalen Spritzgießmaschinen hat sich die Multiplas Enginery Co. Ltd. spezialisiert. Das Unternehmen kann dank seiner Produktion in Taiwan günstiger fertigen als europäische Wettbewerber, wie David Chang, Vice President Marketing von Multiplas, erläutert: „Wir besetzen damit eine Nische zwischen der japanischen und der deutschen Konkurrenz.“

Immerhin hat sich der Hersteller schon einige namhafte internationale Kunden sichern können, darunter Johnson & Johnson, Gilette, Saint-Gobain oder Schiffer aus Deutschland (Dr.-Best-Zahnbürsten). Doch um eine Fertigung in der Volksrepublik China kommt auch Multiplas nicht herum. „Es wird immer schwieriger, Maschinen nach China zu exportieren – durch die hohen Importzölle ist man ohne lokale Produktion nicht mehr wettbewerbsfähig“, sagt Chang.

„China ist ein großer, aber auch ein riskanter Markt“

Seine Produktion in der Volksrepublik baut Multiplas allerdings nur langsam auf. „China ist ein großer, aber auch ein sehr riskanter Markt“, begründet Chang das vorsichtige Vorgehen. Asian Plastic und Multiplas setzen hingegen vor allem auf lokale Zulieferer und beziehen technisch ausgefeiltere Komponenten aus Japan. „Wir entwickeln derzeit eigene Komponenten wie Servomotor und Steuerung zusammen mit Partnern“, berichtet Chang. Der Grund: Importe aus Japan sind zu teuer, wenn die Kosten niedrig gehalten werden sollen.

Noch stärker hat die Huarong Plastic Machinery Co. Ltd. die Arbeitsteilung mit China vorangetrieben. Das taiwanesische Unternehmen hat in der Volksrepublik eine eigene Gießerei errichtet und fertigt dort Maschinenständer für den lokalen Markt sowie für seine Fertigung auf der Insel, sagt Exportleiter Apo Ho.

Bei Zulieferungen setzt Huarong allerdings eher auf Japan: 10 bis 15% der elektrischen und 90% der hydraulischen Komponenten bezieht der Spritzgießmaschinenhersteller von dort.

Über eine eigene Gießerei verfügt auch die Victor Taichung Machinery Works Co. Ltd. „Wir benötigen sie zur Qualitätssicherung“, sagt Martin Li, Export Senior Manager. Die Gießereiprodukte verwendet das Unternehmen aber nicht nur für die eigenen Maschinen, sondern exportiert sie auch nach Japan. Auch bei den Zulieferern setzt Victor Taichung in erster Linie auf Nippon, aus Deutschland ist nur Bosch Rexroth mit Hydraulik-Komponenten vertreten.

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