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Führung

Mit Zielen führen statt kontrollieren

| Autor/ Redakteur: Albrecht Müllerschön / Melanie Krauß

Das Führen mit Zielen erlebt eine Renaissance – vor allem, weil die Unternehmen die Entwicklungskomponente dieses Management-Klassikers neu entdecken.

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Häufig nutzten Führungskräfte ihr Wissen um die Ziele als eine Art Geheimwissen, um ihre Position zu legitimieren. Dadurch verkam das Führen mit Zielen zu einem Formalismus.
Häufig nutzten Führungskräfte ihr Wissen um die Ziele als eine Art Geheimwissen, um ihre Position zu legitimieren. Dadurch verkam das Führen mit Zielen zu einem Formalismus.
(Bild: gemeinfrei (Pixabay, 15299) / CC0)

Das Führen mit Zielen ist eigentlich ein alter Hut. Bereits 1954 stellte Peter F. Drucker das sogenannte Management by Objectives (MBO) vor. Häufig verstaubte es jedoch nach der Einführung in der Schublade, vor allem weil in der Praxis oft Postulate übersehen wurden. So zum Beispiel Druckers Annahme: Die mit den Mitarbeitern vereinbarten Ziele müssen aus den Zielsetzungen des Gesamtunternehmens abgeleitet werden, auch damit der Sinnzusammenhang erkennbar bleibt. Drucker war zudem überzeugt: Mit dem MBO können die Mitarbeiter in die Geschäftsprozesse integriert werden. Sind sie in das Formulieren der Ziele involviert, engagieren sie sich stärker für ihr Erreichen – sofern sie die nötigen Handlungs- und Entscheidungsspielräume haben. Wird das Führen mit Zielen jedoch als Kontrollinstrument missbraucht, geht just das Positive verloren, das dieses System auszeichnet. Ein weiteres Postulat von Drucker, das übersehen wird: Das „Führen mit Zielen“ soll auch der Kompetenzentwicklung der Mitarbeiter dienen.

Viele Unternehmen stehen heute vor der Herausforderung, schneller und flexibler auf Marktveränderungen zu reagieren. Dies gelingt ihnen nur mit selbstbewussten und eigenverantwortlich handelnden Mitarbeitern. Wenn die Unternehmen von ihren Mitarbeitern jedoch mehr Eigenverantwortung und -initiative erwarten, müssen sie ihnen auch mehr Entscheidungsbefugnisse übertragen. Hinzu kommt: Die Unternehmen stehen im digitalen Zeitalter vor vielen Herausforderungen, für die sie noch keine Lösungen haben. Also können die Vorgesetzten ihren Mitarbeitern oft auch nicht sagen: „Tut dies und das, dann habt ihr Erfolg.“ Sie können ihnen nur aufzeigen, warum bestimmte Dinge zum Erreichen der Ziele nötig sind. Ansonsten müssen sie weitgehend auf deren Kompetenz vertrauen.

Neubesinnen auf die Funktion des Mbo

Vor diesem Hintergrund entdecken viele Unternehmen das Führen mit Zielen neu. Sie nehmen es zunehmend als ein Koordinierungs- und (Kompetenz-)Entwicklungsinstrument wahr. Außerdem erkennen sie: Das Führen mit Zielen gelingt nur, wenn im Unternehmen eine Vertrauenskultur besteht, in der alle Beteiligten angstfrei miteinander kommunizieren und die Führungskräfte sich auch als Sinnvermittler sowie Unterstützer und Befähiger ihrer Mitarbeiter verstehen. Das setzt voraus, dass die Führungskräfte mehr Zeit in das Gespräch mit ihren Mitarbeitern investieren. Werden die vereinbarten Ziele dann jedoch von den Mitarbeitern getragen und kontrollieren sie deren Erreichen weitgehend selbst, gewinnen die Führungskräfte auch neue Freiräume.

Inwieweit dies gelingt, hängt stark vom Inhalt der Zielvereinbarungsgespräche ab. In der Vergangenheit redeten die Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern oft mehr über Aufgaben und Maßnahmen als Ziele. Das lag auch daran, dass in hierarchisch strukturierten Betrieben die Handlungsspielräume der Mitarbeiter in der Regel umso kleiner werden, je weiter man nach unten kommt. Deshalb ist es auf der operativen Ebene häufig schwierig, mit den Mitarbeitern qualitative Ziele zu vereinbaren.

Unternehmen sollten also durchaus darüber nachdenken: Ist es sinnvoll, das Führen mit Zielen flächendeckend zu praktizieren? Zuweilen empfiehlt es sich, zwar mit allen Mitarbeitern regelmäßig Mitarbeitergespräche zu führen, Zielvereinbarungsgespräche jedoch nur mit den Führungskräften und den Mitarbeitern, die im Arbeitsalltag oft eigenständig handeln und entscheiden müssen.

* Dr. Albrecht Müllerschön ist Inhaber der Müllerschön Manage­mentberatung in 72393 Starzeln, Tel. (0 74 77) 15 11-05, info@muellerschoen-beratung.de

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