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Fachkräfte

Mitarbeiterqualifizierung in Polen lohnt sich

| Autor / Redakteur: Hans-Georg Scheibe / Stéphane Itasse

Qualifizierte Mitarbeiter, niedrige Lohkosten: Polen ist als Zielland für neue Standorte beim deutschen Mittelstand beliebt.
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Qualifizierte Mitarbeiter, niedrige Lohkosten: Polen ist als Zielland für neue Standorte beim deutschen Mittelstand beliebt. (Bild: © FilipWarulik - Fotolia.com)

Beim deutschen Mittelstand gilt Polen seit einigen Jahren als eines der beliebtesten osteuropäischen Zielländer für neue Standorte. Ausschlaggebend sind laut einer Umfrage die hohe Qualifizierung der polnischen Fachkräfte und die niedrigen Lohnkosten, welche im Schnitt 30 bis 50 % unter den deutschen liegen.

Vergleicht man die ursprünglichen Beweggründe für ein Engagement im Land mit Erfahrungen, die Unternehmen vor Ort gesammelt haben, bestätigen sich diese Vorannahmen: So bewerten die Befragten im Rahmen einer Studie der Unternehmensberatung ROI Management Consulting AG und des Magazins „Markt und Mittelstand“ das Angebot an Fach- und Führungskräften im Land überwiegend positiv. Insbesondere bei Fachkräften aus der Verwaltung sowie bei kaufmännischen und juristischen Fachkräften kann Polen dabei gegenüber den anderen Ländern der Umfrage punkten.

Mitarbeiter in Polen haben hohe Hilfsbereitschaft, Arbeitsmoral und Lernfähigkeit

Zudem loben die Mittelständler Hilfsbereitschaft, Arbeitsmoral und Lernfähigkeit ihrer polnischen Mitarbeiter. Kritik üben sie hingegen an der Zusammenarbeit mit den Behörden und öffentlichen Einrichtungen. So machten Unternehmen bei der Gründung ihres Standorts vermehrt schlechte Erfahrungen in Bezug auf Bearbeitungszeiten und die Unterstützung der polnischen Behörden.

Eine wesentliche Herausforderung beim Aufbau eines eigenen Produktionsstandorts in Polen bilden zunächst die bürokratischen Hürden im Zielland. Insbesondere das Steuersystem sowie die Behörden können Neugründungen verzögern. Daher sollten Unternehmen im Vorfeld genaue Informationen über die gesetzlichen Vorschriften einholen und Zeit für die staatlichen Genehmigungsverfahren einplanen. Zudem lohnt es sich, Rat bei Wirtschaftsförderungsgesellschaften oder spezialisierten Beratungsunternehmen zu suchen. Außerdem können sie Unternehmen dabei unterstützen, zusätzliche Investitionserleichterungen wie Vorzugskonditionen in Sonderwirtschaftszonen oder EU-Fördermittel besser auszunutzen.

Investitionen für Weiterbildung der Mitarbeiter in Polen einkalkulieren

Darüber hinaus sollten Unternehmer, die sich in Polen niederlassen, weitere Investitionen für Qualifizierungsmaßnahmen einkalkulieren. Zwar sind die Mittelständler mit dem Angebot an Fach- und Führungskräften insgesamt zufrieden, allerdings liegt das Qualifikationsniveau oft unter dem in Deutschland. Dies spiegelt sich auch in den Umfrageergebnissen wider: So geben zwei Drittel der befragten Unternehmen an, gezielt in die Qualifikation ihrer Mitarbeiter vor Ort investieren zu müssen, um die Ansprüche der Kunden zu erfüllen. Besonders in den Bereichen Bedienung von Maschinen und Anlagen, Projektmanagementkompetenz sowie Problemlösung haben osteuropäische Fach- und Führungskräfte demnach Nachholbedarf.

Für die Qualifizierung von Facharbeitern im Fertigungsumfeld sind Trainingsprogramme mit Praxisbezug empfehlenswert. Dazu eignen sich beispielsweise Austauschprogramme mit den deutschen Standorten oder auch sogenannte Lernfabriken: In ihnen trainieren die Mitarbeiter Aufgaben aus der Praxis und simulieren neue Arbeitsmethoden, etwa zur Integration von Industrial-IoT-(Internet-of-Things-)Anwendungen. Bei den angestrebten Qualifizierungen sollten Unternehmen zudem die Möglichkeit staatlicher Subventionen prüfen. Lediglich 30 % der befragten Mittelständler haben bislang finanzielle Unterstützung bei öffentlichen Stellen im Zielland beantragt. Dabei lohnt sich der Versuch: So konnten drei Viertel der Förderungsempfänger zwischen 10 und 30 % der gesamten Investitionssumme für Mitarbeiterqualifizierungen durch die Subvention abdecken.

Gerade für Mittelständler mit einem oder mehreren Standorten in Osteuropa bieten weiterführende Qualifizierungsprogramme die Chance, ihre Niederlassungen von reinen Fertigungs- zu eigenständigen Entwicklungsstandorten auszubauen – insbesondere, da im Zuge steigender Lohnkosten reine Fertigungsstandorte zunehmend an Attraktivität verlieren.

* Hans-Georg Scheibe ist Vorstand der ROI Management Consulting AG in 80797 München

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