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Mittelstand muss mehr gegen digitale Attacken tun

| Redakteur: Jürgen Schreier

Digitale Angriffe auf Unternehmen kosten richtig Geld. Nach Erhebungen des ITK-Verbandes Bitkom verursachen solche Angriffe jährlich Schäden in Höhe von rund 51 Mrd. Euro. Vor allem für mittelständische Unternehmen können die Schäden schnell existenzbedrohend werden. Der Bitkom sieht deshalb Handlungsbedarf.

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Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf: „Viele Unternehmen schützen ihre materiellen und immateriellen Werte nicht ausreichend. Gerade der Mittelstand muss beim Thema Sicherheit nachlegen.“
Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf: „Viele Unternehmen schützen ihre materiellen und immateriellen Werte nicht ausreichend. Gerade der Mittelstand muss beim Thema Sicherheit nachlegen.“
(Bild: Datev)

Gut die Hälfte (51 %) aller Unternehmen in Deutschland ist in den vergangenen zwei Jahren Opfer von digitaler Wirtschaftsspionage, Sabotage oder Datendiebstahl geworden. Das hat eine Studie des Digitalverbands Bitkom ergeben. Für die Studie wurden Geschäftsführer und Sicherheitsverantwortliche von 1074 Unternehmen repräsentativ befragt. Es handelt sich um die bislang umfassendste empirische Untersuchung dieses Themas.

Automobilindustrie ist am stärksten gefährdet

Der am stärksten gefährdete Wirtschaftszweig ist die Automobilindustrie mit 68 % betroffenen Unternehmen. Es folgen die Chemie- und Pharma-Branche mit 66 % sowie Banken und Versicherungen mit 60 %. Nach konservativen Berechnungen des Bitkom beläuft sich der entstandene Schaden für die gesamte deutsche Wirtschaft auf rund 51 Milliarden Euro pro Jahr.

„Digitale Angriffe sind eine reale Gefahr für Unternehmen“, sagte Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf bei Vorstellung der Studie in Berlin. „Viele Unternehmen schützen ihre materiellen und immateriellen Werte nicht ausreichend. Gerade der Mittelstand muss beim Thema Sicherheit nachlegen.“ Laut Umfrage sind mittelständische Unternehmen mit 61 % am stärksten von Spionage- oder Sabotageakten betroffen.

Das am häufigsten auftretende Delikt ist der Diebstahl von IT- und Kommunikationsgeräten: In 28 % der befragten Unternehmen sind in den letzten zwei Jahren zum Beispiel Computer, Smartphones oder Tablets gestohlen worden. Fast ein Fünftel (19 %) registrierten Fälle von Social Engineering. Bei dieser Methode geht es darum, Mitarbeiter zu manipulieren, um an bestimmte Informationen zu gelangen.

17 % der befragten Unternehmen berichten vom Diebstahl sensibler elektronischer Dokumente bzw. Daten und 16 % von Sabotage ihrer IT-Systeme oder Betriebsabläufe. Bei 8 % der Unternehmen ist die elektronische Kommunikation ausgespäht worden. Unter den großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern beträgt dieser Anteil sogar 15 %. In 8 % aller Unternehmen sind Besprechungen oder Telefonate abgehört worden.

Angriffsziel Nr.1: IT-Systeme und Kommunikationsinfrastruktur

Häufigstes Angriffsziel sind die IT-Systeme und die Kommunikationsinfrastruktur der Unternehmen. Ein Drittel (34 %) der attackierten Unternehmen nennen diesen Bereich. „IT-Systeme und Datennetze sind das Einfallstor für digitale Spionage- und Sabotageakte“, sagte Kempf. In 20 % der betroffenen Unternehmen hatten es die Angreifer auf die Bereiche Lager und Logistik abgesehen. Es folgen der Einkauf (18 %), die Produktion (15 %) sowie die Geschäftsleitung (14 %). In 9 % der Unternehmen sind die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen gehackt oder ausspioniert worden. Bei den großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sind die F&E-Bereiche mit 30 % bei fast jedem dritten Unternehmen betroffen.

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