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Elektromobilität

Mobile Brennstoffzelle soll Batteriefahrzeuge ergänzen

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Besteht für Messebesucher auch die Möglichkeit, Brennstoffzellen-Fahrzeuge selbst zu „erfahren?“

Renz: Auf dem Freigelände direkt vor Halle 27 lädt die SFC Smart Fuel Cell AG, Brunnthal, auf dem „Ride-&-drive“-Gelände zu Probefahrten von brennstoffzellenbetriebenen Elektrofahrzeugen und Scootern ein. Als „mobile Steckdose“ an Bord lädt die Brennstoffzelle die Bordbatterie automatisch auf. Langwierige Ladezeiten entfallen, das Betanken mit Methanol durch einen Wechsel von Tankpatronen dauert nur wenige Sekunden. Von diesen Brennstoffzellen wurden bereits über 17000 an Endverbraucher und Industriekunden verkauft.

Für die Nutzung der Techniken ist eine flächendeckende Infrastruktur unabdingbar. Welche Lösungsvorschläge finden die Messebesucher hierzu?

Renz: Ohne eine ausreichende Anzahl von Brennstoffzellen-Fahrzeugen wird es nur wenige Wasserstoff-Tankstellen geben, ohne Wasserstoff-Tankstellen aber auch kaum Brennstoffzellenfahrzeuge. Um diese Problematik aufzulösen, bieten sich Insellösungen von Wasserstoff-Tankstellen an.

Kommunalfahrzeuge oder Paketdienste benötigen beispielsweise nur eine Tankstelle vor Ort. Am Abend kehren diese Fahrzeuge an ihre Basis zurück. Ein flächendeckendes Tankstellennetz für Überlandfahrten ist somit nicht notwendig. Mehrere solche Insellösungen können zukünftig immer weiter zu einem engmaschigeren Netz ausgebaut werden.

Wie lange wird es aus Ihrer Sicht dauern, bis die Elektromobilität von jedermann im Alltag ganz selbstverständlich genutzt werden kann?

Renz: Das hängt von vielen Faktoren ab, die schwer abzuschätzen sind: Entwicklung des Ölpreises, politische Unterstützung beziehungsweise Subventionen, Entwicklungen beziehungsweise Zusammenarbeiten der Automobilindustrie, Fortschritte in der Batterietechnologie, Lademöglichkeiten und Weiteres. Wie bereits bei Solarzellen erfolgt, werden chinesische Elektrofahrzeuge zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Dieser Druck aus China kann die Entwicklung von Elektroautos der etablierten Konzerne durchaus beschleunigen.

Ganz entscheidend scheint mir auch die Akzeptanz beim Verbraucher zu sein sowie dessen Gewohnheiten. Ich denke, ein Fahrzeug für die tägliche Fahrt zur Arbeit und gelegentlich für lange Fahrten, beispielsweise in den Urlaub, wird es langfristig wohl nicht mehr geben. Es gibt bereits sehr interessante Car-Sharing-Konzepte, die Fixierung auf „mein“ Auto wird nachlassen. Vermutlich ist dies nur über den Kostenfaktor und eine ökologische Einsicht zu steuern.

Wie haben sich Ausstellerzahlen und Ausstellerklientel des Gemeinschaftsstandes für Wasserstoff und Brennstoffzellen im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt?

Renz: Trotz Wirtschaftskrise können wir die Anzahl von etwa 150 Ausstellern aus über 20 Ländern seit drei Jahren halten. Erstmals zeigen wir in unserer „Demonstration Area“ zahlreiche Anwendungen von Brennstoffzellen, die jetzt schon genutzt werden können. Das spricht für die Branche und dass es zukünftig weiter aufwärts gehen wird. Ich denke, die Themen Klimaschutz und Klimawandel werden in der Bevölkerung immer bewusster wahrgenommen. Es ist zu wünschen, dass dies in der Politik auch so sein wird.

Wie sehen Sie die Marktentwicklung für Brennstoffzellen? In welchen Bereichen wird sich der Bedarf zukünftig weiter entwickeln?

Renz: Stationäre Brennstoffzellen in Haushalten und Gebäuden werden sich vermutlich vor den mobilen Brennstoffzellen durchsetzen. Die vorhandene Infrastruktur, beispielsweise vom Erdgasnetz, kann bereits genutzt werden, das Volumen und das Gewicht hat im Vergleich zu mobilen Brennstoffzellen zudem eine untergeordnete Bedeutung. Die mobile Brennstoffzelle kann in der Zukunft Batteriefahrzeuge sehr gut ergänzen.

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