Suchen

E-Business

Multi-Channel-Publishing mit Hilfe eines Web-Portal-Systems

| Autor/ Redakteur: Thomas Möller / Jürgen Schreier

Im Rahmen seiner E-Business- und Prozessoptimierungs-Strategie hat der 1913 gegründete Landmaschinenhersteller Claas basierend auf dem Content-Management-System Core-Media ein Portalkonzept implementiert, das den zentralen Internetauftritt der Claas-Gruppe ebenso umfasst wie Intranet, Suppliernet und Partner-Portale. Sogar ein Merchandising Shop mit Schnittstelle zum ERP-System wurde eingebunden.

Firmen zum Thema

Im Jahr 1913 gegründet, ist die Claas-Gruppe heute einer der führenden Hersteller von Agrarmaschinen weltweit mit mehr als 8100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 2,35 Mrd. Euro. Bilder: Claas
Im Jahr 1913 gegründet, ist die Claas-Gruppe heute einer der führenden Hersteller von Agrarmaschinen weltweit mit mehr als 8100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 2,35 Mrd. Euro. Bilder: Claas
( Archiv: Vogel Business Media )

Ein Hersteller von Agrarmaschinen wie die Firma Claas hat mit einem Medienunternehmen auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Dennoch kann es bei den Technologien, die beide zur Umsetzung ihrer E-Business-Strategien verwenden, durchaus Gemeinsamkeiten geben.

E-Business-Strategien in vielen Unternehmen anwendbar

Denn heute kommt kein Unternehmen, weder der Mähdrescherfabrikant noch das Verlagshaus, in seinen Kommunikationsprozessen ohne das Web aus. In jedem Unternehmen gibt es Content, der bereitgestellt und distribuiert werden muss, innerhalb des Unternehmens genauso wie an externe Partner, Zulieferer oder Kunden.

Konzepte wie Cross-Media- oder Multi-Channel-Publishing hätte man vor wenigen Jahren wohl nur einem großen Medienhaus mit seinen diversen Online-Portalen und Syndikationspartnern zugetraut. Wie sinnvoll und effektiv eine durchdachte Web-Content-Management-Strategie aber für jedes größere Unternehmen sein kann, zeigt das Beispiel Claas. 1913 gegründet, ist die Claas-Gruppe heute einer der führenden Hersteller von Agrarmaschinen weltweit mit mehr als 8100 Mitarbeitern.

Ein Konzept für alle Claas-Portale

Als wichtigen Bestandteil der E-Business-Strategie hat Claas den IT-Dienstleister Nionex, die Technologietochter der Direct-Group Bertelsmann, mit der Realisierung für ein Portalkonzept auf Basis des Core-Media-CMS beauftragt, das heute Grundlage aller Claas-Portale ist – vom zentralen Internetauftritt der Claas-Gruppe unter www.claas.com über Intranet und Suppliernet bis hin zu den Partner-Portalen von Claas. Sogar der Merchandising Shop mit Maschinenmodellen und Baseball-Caps setzt auf die zentrale Core-Media-Lösung auf und greift auf denselben Content-Pool zu, sodass man zurecht von einem strategischen E-Business-Ansatz sprechen kann.

Schon als der Bereich E-Business bei Claas vor mehr als sechs Jahren aus der Taufe gehoben wurde, war ein Handlungsfeld klar: Es sollte ein strukturiertes Informationsmanagement für interne und externe Nutzer entstehen. Zusammen mit dem Kölner Beratungsunternehmen Conbrio-Works veranstaltete Claas im Jahr 2003 einen Workshop mit allen Fachbereichen, in dem eine Strategie zum Enterprise-Content-Management bei Claas entwickelt und Zielgruppen definiert wurden.

„Dabei ergab sich der Bedarf, unsere Inhalte besser für alle Nutzer zugreifbar zu machen und beispielsweise aus File-Servern und Datenbanken herauszuholen“, erklärt Silke Gabriel, die Leiterin Electronic Business bei Claas. „Was wir unter anderem dafür brauchten, war ein Web-Content-Management-System.“

Web-CMS mit starkem Framework-Charakter

Bei der Auswahl eines geeigneten Web-CMS holte sich Claas professionelle Unterstützung bei der Nionex GmbH. In mehreren Workshops definierte Claas zusammen mit Nionex Anforderungen und K.o.-Kriterien für ein Web-CMS, und aus der Long-List wurde bald eine Short-List. Im Sommer 2004 fiel die Wahl schließlich auf die Core-Media-Softwarelösung als Basis für die strategische Content-Plattform bei Claas.

Core-Media hat einen starken Framework-Charakter und lässt viel Spielraum für eine individuelle Anpassung an den konkreten Bedarf eines Unternehmens. Was ebenfalls für das Web-CMS sprach, war die Tatsache, dass sich mit Core-Media recht schnell die für das Portalkonzept bei Claas unabdingbare Personalisierung umsetzen ließ, ohne weitere, teure Software.

Virtueller Content-Pool als Grundlage für die Weiterentwicklung

Grundlage für die Entwicklung des Portalkonzepts durch Nionex, des sogenannten Basis-Portals, war ein virtueller Content-Pool. Die Inhalte bei Claas sollten dem Bedarf der verschiedenen Adressatengruppen und Portale entsprechend automatisch angepasst, personalisiert und distribuiert werden können. Das heißt: Einmal eingestellt oder erstellt, kann jeder Inhalt bei Claas, falls erforderlich, an verschiedensten relevanten Stellen in der jeweils geeigneten Form und zum gewünschten Zeitpunkt veröffentlicht werden.

Das technische Konzept, das Nionex bei Claas umgesetzt hat, ist das eines Single-Source-Multi-Channel-Publishing. „Denken Sie etwa an eine Pressemeldung“, erläutert Silke Gabriel. „Um 8 Uhr stellen wir sie ins Intranet, um 12 Uhr ist sie automatisch auf claas.com veröffentlicht und dann geht sie auch auf alle anderen gewünschten Portale.“ Mit einem einzigen zentralen Web-CMS verteilt Claas Inhalte in ein halbes Dutzend Portale und Anwendungen, mit einer ausgefeilten Zielgruppenpersonalisierung und Rechtestruktur.

Investitionsrisiko durch Prototypen gesenkt

Um das Investitionsrisiko gering zu halten, begann die Implementierung zunächst mit einem Prototypen. Dann entstanden nach und nach die Portale und claas.com und schließlich, in enger Abstimmung mit den Fachabteilungen, das wegen seiner Rechtestruktur vergleichsweise komplexe Intranet. „Wichtig ist, dass das Web-CMS über alle Portale hinweg im Prinzip dieselben Funktionen bietet, das ist die Aufgabe des Basis-Portals“, erläutert Silke Gabriel. „Eine Funktion darin ist zum Beispiel die Redaktionsoberfläche, mit der die meisten Redakteure arbeiten. Zum Einstellen ihrer Inhalte nutzen sie den einfachen Editor, den Nionex für Claas programmiert hat.“

Während Power-User bei Claas das Standard-Interface von Core-Media benutzen, hat Nionex für die Gelegenheitsredakteure ein etwas „abgespecktes“ System entwickelt, das ein Editing direkt im Kontext erlaubt, auch Inplace-Editing oder Site-Editing genannt. Die Zahl der Redakteure bei Claas, die sehr intensiv mit dem System arbeiten, beträgt rund 300, sie stammen aus allen Fachbereichen.

Strukturierte Erfassungsmasken erlauben das Einpflegen verschiedenster Dokumententypen, ob es sich um einen einfachen Marketingartikel, um Handbücher, Präsentationen, Bilder oder Prospekte handelt. Auch diverse Download-Center für PDF-Dokumente – Prospekte, Datenblätter oder technische Handbücher – gehören zur Portallandschaft von Claas.

Web-CMS erlaubt Zielgruppenpersonalisierung

Die Zielgruppenpersonalisierung ist eine wichtige Eigenschaft des Web-CMS bei Claas, denn natürlich müssen und sollen nicht alle Inhalte in derselben Form für jeden Nutzer in derselben Weise sichtbar und zugänglich sein. Zudem hat jedes der Portale seine eigene Farbwelt und sein eigenes Layout, an das die Darstellung des Contents falls nötig automatisch angepasst wird. Möglich wird das durch die strukturierte und medienneutrale Erfassung des Contents bei der Eingabe.

Auch dass Content nur in einem Portal erscheinen soll, kann vorkommen. „Besonders unser Intranet hat viele geschlossene Communitys, die die Wertschöpfungskette bei Claas bilden“, berichtet Silke Gabriel. „Entsprechend umfangreich ist auch die Personalisierung. Eine detaillierte Berechtigungsstruktur steuert dabei, wer welche Inhalte sehen darf.“ Das Intranet teilt die Informationen für die Claasianer in mitarbeiterrelevante und geschäftsprozessrelevante Inhalte.

Im Sinne eines unternehmensweiten Identity Management hat Nionex die Benutzerverwaltung für das Core-Media-CMS mit dem LDAP im Novell-Netzwerk zusammengeführt. Durch Single-Sign-on muss der Anwender sich nur einmal an seinem Portal anmelden und kann dann in allen angeschlossenen Anwendungen ohne erneutes Log-in arbeiten.

4-Augen-Prinzip für den Workflow

Generell gibt es für die Publikation von Content einen 4-Augen-Workflow, der auf dem integrierten Core-Media-Workflow-Server läuft: Ein Redakteur erstellt den Content, ein so genannter Content Owner hat das Recht, ihn zur Publikation freizugeben. Zur Aktualitätswahrung existiert ein Wiedervorlage-Workflow.

Ein besonderes Workflow-Konzept, das Nionex für Claas realisiert hat, ist der „Content-Flow“. Er unterstützt die Redakteure bei der Wiederverwendung von Inhalten als Variante. Zum einen betrifft dies die Übersetzung von mehrsprachigen Inhalten, zum anderen die Wiederverwendung von Inhalten zwischen den zweistufigen Partner-Portalen im Vertrieb für Claas-Produkte. Der Content-Flow sorgt dafür, dass den ausländischen Importeuren und Vertriebsgesellschaften der Content auf Englisch zur Verfügung gestellt wird, woraufhin er von den nationalen Vertriebsgesellschaften übersetzt und angepasst wird.

Sogar der Claas-Merchandising-Shop ist an das Redaktionssystem angebunden. Nachdem Nionex eine Schnittstelle zum ERP-System programmiert hat, können alle verkaufsrelevanten Shop-Inhalte über Core-Media zugepflegt werden – von Produktbeschreibungen und Preisen bis zu den Produktplatzierungen auf Teaser-Seiten.

Weitere Arbeitsfelder im Rahmen der Enterprise-Content-Management-Strategie wären ein umfassendes Dokumenten- und Wissensmanagement sowie Collaboration-Tools für die Zusammenarbeit virtueller Teams. MM

Thomas Möller ist freier Journalist in Offenbach.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 222605)