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Brexit

Nach dem Brexit-Votum

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Diese beiden Branchen Könnten den Austritt Großbritanniens spüren

Stärker betroffen ist beispielsweise Uni-Carriers: „Wir sind mit einer eigenen Niederlassung sowie über ein dichtes Händlernetz in Großbritannien vertreten. Natürlich bekommen auch wir die Auswirkungen des Brexits zu spüren, wie etwa den Verlust des Pfunds im Vergleich zum Euro und zum Yen. Die steigenden Preise für Importgüter in Verbindung mit der Unsicherheit der Verbraucher können sich auf das Kaufverhalten und damit auf unsere Auftragslage auswirken,“ sagt Tobias Laxa, Group Marketing Manager des Logistik-Unternehmens. Doch auch er blickt optimistisch in die Zukunft und ist zuversichtlich, dass diesen neuen Herausforderungen mit intelligenten Geschäftsstrategien erfolgreich begegnet werden kann.

Eine andere Branche hingegen ist direkt und stark betroffen vom Brexit: Für die deutsche Automobilindustrie ist Großbritannien der weltweit größte Abnehmer. Laut dem Verband der deutschen Automobilindustrie VDA wurden im vergangenen Jahr 810.000 Pkw nach Großbritannien exportiert. Mit 100 Standorten sind deutsche Automobilunternehmen, darunter sehr viele Zulieferer, in Großbritannien vertreten. „Nach einem EU-Austritt sollte niemand Interesse daran haben, mit Zollschranken zwischen Großbritannien und dem Festland den internationalen Warenverkehr zu verteuern“, sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann. Zudem produzierten die deutschen Automobilhersteller 2015 in Großbritannien rund 216.000 Pkw (+11 %), im bisherigen Jahresverlauf gibt es ein Plus von 9 %. „Wir sollten alles daransetzen, dass diese Erfolgsstory fortgeschrieben werden kann. Nun ist Brüssel gefordert“, sagt Wissmann.

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Wie die Zukunft Europas nach dem Brexit aussehen könnte

Nach dem Votum für den Brexit wurden bereits Stimmen laut, die forderten, dass sich die verbliebenen Länder innerhalb der Europäischen Union nun darauf konzentrieren müssten, intensiver zusammenzuarbeiten und deutliche Signale der Einigkeit zu senden, damit andere Länder den Briten nicht folgen. Klar ist, dass der Brexit politische Folgen haben wird; die auch den Maschinenbau in Europa betreffen können. Aus Sicht der USA könnte Großbritannien seine Bedeutung als wichtiger Verhandlungspartner nach dem Austritt aus der EU verlieren. Diesen Platz könnte Deutschland einnehmen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau bringt in diesem Zusammenhang ein weiteres Thema auf die Agenda. Handlungsbedarf bestehe jetzt umso mehr in Bezug auf TTIP: „Der Abschluss des Freihandelsabkommens mit den USA wäre ein wichtiges Signal an Unternehmen und Investoren, dass Europa sich für den künftigen Wettbewerb auf dem Weltmarkt wappnet. Die Europäische Union muss beweisen, dass sie trotz der politischen Krise nach dem Brexit-Votum handlungsfähig ist“, sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann.

Im Zuge der 14. Verhandlungsrunde zum Freihandelsabkommen hat die Europäische Kommission einen konkreten Vorschlag für ein gesondertes Vertragskapitel für den Maschinenbau eingebracht. Für die europäischen Maschinenbauer würde der Abbau von Zöllen und technischen Handelshemmnissen die Chancen auf dem amerikanischen Markt deutlich erhöhen. „Gerade für mittelständische Maschinenbauer ist das Potenzial von TTIP enorm. Rund 5 bis 20 % könnten europäische Unternehmen an Kosten sparen, wenn auf beiden Seiten des Atlantiks gleiche Standards anerkannt werden würden,“ so Brodtmann. „Gerade nach dem britischen Referendum muss es darum gehen, die EU zu stärken und für neue Wachstumsimpulse zu sorgen“, wird er unterstützt vom Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) Ulrich Grillo: „Kein Kompetenzgerangel und keine jahrelangen Hängepartien in nationalen Parlamenten, sondern entschlossener Einsatz für eine gemeinsame Handelspolitik – das ist es, was die Wirtschaft in Deutschland und Europa jetzt braucht.“

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