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Digitale Transformation

Namur-Hauptsitzung 2017: Spannung(en) garantiert

| Autor / Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Wolfgang Ernhofer

Eine weitere Möglichkeit ist die Analyse dieser Daten in Dashboards, die mit Hilfe von Business-Intelligence-Werkzeugen erzeugt werden. Bei BASF habe sich das unter dem Schlagwort „Maintenance Intelligence“ binnen kurzer Zeit als erfolgreiches Instrument erwiesen. Ein solches Dashboard im Asset-Management-Prozess visualisiert in erster Linie Daten in Form von Grafiken und Tabellen. Grundsätzlich können Dashboards explizit auf die verschiedenen Apparate eingehen und Rückmeldungen liefern, wie sich die Maschinen im Feld verhalten. Bei Vernetzung über Standortgrenzen lassen sich so beispielsweise auch Extruder-Straßen mit ähnlicher Technologie an verschiedenen Standorten vergleichen. Darüber können Maßnahmenpläne für besonders ausfallgefährdete kritische Anlagenteile bzw. Apparate erstellt werden, z.B. verschärfte Inspektionsumfänge und verkürzte Intervalle, Modernisierung und Schaffung von Redundanzen durch Klein-Investitionsmaßnahmen, Sicherstellung der Ersatzteilbevorratung beim Lieferanten und Absprache eines optimierten Reparaturprozesses mit der zuständigen Fachwerkstatt. Auch hier gelte, ohne die Einbeziehung der Mitarbeiter laufe gar nichts. Brüggemann betont: „Wenn wir ausschließlich auf Daten, also Black-Box-Systeme gesetzt haben, hatte das keinen Erfolg, aber die Kombination aus menschlichem Know-how und Daten war immer positiv.“

Positiv macht sich die Digitalisierung auch in der mobilen Instandhaltung bemerkbar. Insbesondere bei Großabstellungen und Betriebsrundgängen haben sich Tabletts als Werkzeuge längst bewährt und stoßen vor allem bei den Mitarbeitern auf Begeisterung, wie Brüggemann hervorhebt. Dennoch gibt es noch Defizite bei den Bedienerterminals in Form von zu kleinen Icons, die nicht gut mit dreckigen Fingern oder Handschuhen bedienbar sind, oder auch schwierige bzw. fehlende WLAN-Ausleuchtungen.

Weitere Beispiele, bei denen die Digitalisierung einen echten Nutzen mit sich bringt, sieht Brüggemann im Bereitstellen von Geoinformationen oder bei Video-Tutorials von Auszubildenden, um das Fachwissen ausscheidender Pensionäre zu konservieren. Brüggemanns Tipp zum Abschluss: Ausprobieren und ggf. Scheitern sei besser als nichts zu tun! „Lieber mehrgleisig fahren und einen schnellen Piloten aufsetzen, als bis zum letzten Detail Vordenken.“ IT-Sicherheit dürfe nie als Totschlag-Argument angewendet werden, warnt Brüggemann. „Wir müssen uns maßvoll aber stetig verändern, schließlich müssen wir unsere Anlagen im heute und jetzt fahren“, lautete sein Fazit des ersten Vormittags.

Der Nachmittag stand wie immer im Zeichen der Workshops aus den diversen Arbeitskreisen sowie des Sponsors. Dabei wurden aktuelle Themen wie beispielsweise IT-Risiko-Assessement für SIS nach IEC 61511 und NA 163, NAMUR Open Architecture, Zukunft der Feldgerätebedienung, NAMUR-Schnittstellen und die Umsetzung des Mess- und Eichgesetzes NA 101 neo und vieles andere mehr diskutiert. Die Workshops boten eine gute Wissensgrundlage für den zweiten Tag der Hauptsitzung, an dem es um Prozessführung und Online-Analysenmesstechnik ging. PROCESS berichtet im Nachgang auch zu ausgewählten Workshop-Themen.

Tag 2: Diskussionen und unterschiedliche Architekturen

Traditionell startet Tag 2 der Namur-Hauptsitzung mit der Verleihung der Namur-Awards. Diesmal gab es drei Preisträger. Dr.-Ing. Dirk Kuschnerus, Krohne, befasste sich in seiner Doktorarbeit mit der Modellierung und Verifikation sicherheitskritischer konfigurierbarer Systeme in der Prozessmesstechnik vor dem Hintergrund der Auswirkungen von Industrie 4.0. Preisträger Sebastian Gau, BASF, präsentierte ein neues Lösungsverfahren für geschaltete System mithilfe prädiktiver Regelungen, indem das diskrete Schaltsignal durch eine kontinuierliche Größe ersetzt wurde, und Preisträger Chris Paul Iatrou von der TU Dresden beschäftigte sich mit dem Entwurf und Implementation eines OPC-UA Hardware Stacks, der echtzeitfähig ist und die Möglichkeit bietet, intelligente Feldgeräte oder sehr kleine Sensoren einfach anzubinden.

Reibungslosere Prozesse notwendig

Diese Themen wiesen bereits den Weg auf das bestimmende Thema des Vormittags – die Prozessführung im Zeichen der Digitalisierung. „Aus der Geschäftsleitung kommt immer wieder die Frage, warum eine Digitalisierung nötig ist. Die Antwort sind unsere Kunden“, leitet Dr. Kai Dadhe, Evonik Technology & Infrastructure, in den Themenblock ein. Um Kunden noch besser bedienen zu können, benötige man reibungslosere, funktionierende Prozesse. „Wir sprechen viel über Predicitive Maintenance, aber Störungen durch den Prozess oder auch durch die Logistik sind viel gravierender. Ich schätze den Anteil von Verlusten durch Assets lediglich auf 20 Prozent“, so Dadhe. Die Rückkopplung von Ereignissen auf den Prozess muss daher seiner Ansicht nach stärker beachtet werden. Und hier kommen gehobene Methoden der Prozessführung wie Advanced Process Control (APC) und Real Time Optimization (RTO) ins Spiel, die schon länger in der chemischen Industrie sowohl für kontinuierliche als auch für Batchprozesse eingesetzt werden.

Sie haben vordringlich zum Ziel, Schwankungen zu minimieren und die Prozesse optimal im Sinne von Ausbeute, Produktqualität, Durchsatz und Energieeffizienz zu betreiben. Aber eben nicht in ausreichendem Maße, wie Dadhe meint. „Jetzt geht es darum, mehr als nur die Regelungen zu betrachten und den Regelungs-Kreis etwas größer zu ziehen.“ Zusätzlich zu den oben genannten Aspekten gelte es, die Flexibilisierung der gesamten Supply Chain zu unterstützen und damit Lieferfähigkeit zu garantieren.

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