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Automobilindustrie

Netzwerkforschung ist keine Sandkastenspielerei

| Redakteur: Frank Jablonski

Arndt Kirchhoff (rechts) erklärt Chefredakteur Frank Jablonski an einem Ausstellungsstück das Produktportfolio: „Wir fertigen praktisch alles, was man sieht, wenn ein Fahrzeug abbrennt.“
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Arndt Kirchhoff (rechts) erklärt Chefredakteur Frank Jablonski an einem Ausstellungsstück das Produktportfolio: „Wir fertigen praktisch alles, was man sieht, wenn ein Fahrzeug abbrennt.“ (Bild: MM MaschinenMarkt)

Mehr als 75 % eines Fahrzeugs und somit ein großer Teil der Innovation im Auto stammen aus der Zulieferindustrie. MM MaschinenMarkt wollte von einem der wichtigen Player am Markt erfahren, wie solche Innovationen entstehen, welche Rolle die Zulieferkette spielt und welches die Toptrends sind. Rede und Antwort stand Arndt Kirchhoff, Sprecher der Zulieferer im Verband der Automobilindustrie (VDA) und Chef der Kirchhoff Holding im westfälischen Iserlohn.

Herr Kirchhoff, Sie gelten als Visionär in der Branche – warum fertigt Ihr Unternehmen dann noch klassische Autoteile? Angesichts der Verkehrsprobleme, nicht nur in den Megacitys, muss es da nicht gänzlich neue Mobilitätskonzepte geben?

Das ist die zentrale Frage für unser Unternehmen, die wir uns mehrmals im Jahr stellen. In Workshops versuchen wir, 20, 30 Jahre nach vorne zu denken, unsere Produktpalette, unser Kundenspektrum et cetera an den großen Trends zu spiegeln.

Welche sind das?

Urbanisierung, Elektromobilität, die Vernetzung der Verkehrsteilnehmer. Wenn Sie das richtig kombinieren, kommen Sie zur Art und Weise, wie der Verkehr morgen aussieht. Seit der Mensch über Fortbewegung nachdenkt, ist individuelle Mobilität ein wichtiges Thema, das wird sich auch nicht ändern. Daher: Eine Struktur und ein Fahrwerk wird man auch in Zukunft benötigen. Da sind wir also sicher.

Und in Ihrer Funktion als Sprecher der Zulieferer im VDA: Welche Techniktrends beobachten Sie hier?

Da ist zum einen wieder die Elektromobilität – ein Feld, auf dem es auch Disruptionen gibt. Weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren. Der zweite Trend ist das Thema der Vernetzung – jeglicher Art der Vernetzung des Fahrzeugs bis hin zum automatisierten Fahren. Wir haben beispielsweise mit einer Gruppe von Zulieferern den Street Scooter entwickelt. Das E-Auto der Post haben wir selber gebaut, nicht weil wir Autohersteller werden wollten, obwohl das die ersten Kunden vermutet hatten. Wir wollten verstehen, welche Freiheitsgrade wir mit unserer Karosserie und dem Fahrwerk haben, wenn plötzlich das Auto keinen Verbrennungsmotor, keine Abgasanlage, keinen Tank mehr hat. Dann können Sie völlig anders designen, den Boden mit Leiterrahmen aufbauen; so etwas wie einen Tunnel braucht es dann nicht mehr.

Wie lautet Ihre Prognose beim Thema Werkstoffe?

Hier geht es eigentlich um die Fragen: Welche Stoffe lassen sich recyceln, sind unbegrenzt vorhanden und, das ist sehr entscheidend, sind auch kostengünstig? Mobilität muss auch bezahlbar sein. Wir erreichen unser Ziel nur dann, wenn wir Mobilität günstiger machen als heute. Holz wird es nicht wieder geben, Kunststoffe, solange sie nicht aus nachwachsenden Rohstoffen stammen, sind problematisch. Und bei diesen müssen wir uns fragen: Was können sie und was kosten sie? Da sind wir noch einige Quantensprünge vom günstigsten Werkstoff Stahl entfernt. Bereits heute liegt bei 1,5 Mrd. Tonnen Stahl weltweit die Recyclingquote bei 70 %. Und da ist noch Luft nach oben, denn in vielen Ländern der Welt existiert keine Kreislaufwirtschaft, wie wir sie haben. Die Leichtbauwerkstoffe wie etwa Aluminium oder Magnesium haben eine gewisse Berechtigung. Auch hier gibt es Innovationen, an denen wir uns zusammen mit unseren Vormateriallieferanten beteiligen. Wir versuchen, das günstigste Material, das ist immer Stahl, genauso gut zu machen wie das teurere aber leichtere Material Aluminium oder Magnesium. Wir schaffen es immer wieder, Lösungen in Stahl zu finden, die genau so leicht wie Aluminium sind, nur billiger. Wir schaffen es auch, dass wir Lösungen mit Stahl finden, die genauso leicht sind wie Kunststoff, nur billiger.

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