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Neue Einkaufsstrategen im Mittelstand

| Autor / Redakteur: Daniel Nill / Melanie Krauß

Durch die Digitalisierung wird der Einkäufer immer mehr zum Strategen und Zukunftsforscher.
Durch die Digitalisierung wird der Einkäufer immer mehr zum Strategen und Zukunftsforscher. (Bild: ©StockRocket - stock.adobe.com)

Die Digitalisierung wandelt den Beruf des klassischen Einkäufers zu dem eines trendaffinen Strategen. Neben der Transformation von Beschaffungsprozessen spielen dabei auch das jeweilige Mindset und die Unternehmenskultur eine große Rolle.

Der Mittelstand steht vor der Herausforderung, die Digitalisierung und die damit einhergehenden Innovationen intern in veränderte Strukturen zu implementieren. Es geht nicht allein um Innovations- oder Produktionsprozesse, sondern darum, Jobprofile zu überdenken. Besonders interessant ist, wie sich Beschaffungsprozesse und damit einhergehend das Berufsbild des Einkäufers verändern. Beschaffung findet heute nahezu in allen Bereichen des produzierenden Gewerbes zumindest teilautomatisiert statt. Einkaufsplattformen in Form von digitalen Marktplätzen sind keine Seltenheit mehr. Aus dem klassischen Beruf des Einkäufers muss deshalb der eines Einkaufsstrategen werden.

Der Einkaufsstratege: Jobprofil der digitalisierten Beschaffung

Die Digitalisierung beschleunigt technische Entwicklungszyklen, was Produktportfolios von produzierenden und verarbeitenden Unternehmen immer schneller verändert. Auf diese dynamisierten Prozesse muss der Einkäufer der Zukunft vorbereitet sein. Der Anspruch steigt in zweierlei Form: Einerseits hat der Einkäufer die Aufgabe die aktuelle Beschaffung effizient und verlässlich zu gestalten, andererseits aber auch auf zukünftige Innovationen vorbereitet zu sein.

Die thematische Auseinandersetzung mit aktuellen Markttrends ist für den Einkäufer unerlässlich geworden. Zusätzlich erweitern sich die Wirkungsbereiche des Einkäufers. Neben der Lust auf Innovation und Veränderung wird es Teil seiner Aufgaben, den Einkaufsprozess effizienter zu gestalten. Er wird Teil des Teams, das die Balance hält zwischen zu umfangreichem, in wartendem Lagerbestand gebundenen Kapital sowie gesicherten Produktionsprozessen, für die alle benötigten Teile möglichst punktgenau zur Verfügung stehen müssen.

Im Maschinenbau ergeben sich noch speziellere Anforderungen für den Einkäufer. Unternehmen verfügen über ein standardisiertes Produktportfolio, welches aber durch entsprechende Kundenanforderungen individualisiert werden kann. Diese Individualisierung bringt auf der Beschaffungsseite Herausforderungen mit sich, da zum einen Standardteile beschafft werden müssen und zum anderen individuelle Teile benötigt werden. Eine digitale Einkaufsplattform hilft bei der Gewährleistung der drei unerlässlichen Kriterien Qualität, Preis und Lieferzeit. Der Bestand der Standardteile wird konstant gehalten, während die längeren Lieferzeiten bei Spezialanfertigungen automatisch in der Beschaffung berücksichtigt werden.

Der Einkäufer als Zukunftsforscher

Die neuen Strukturen der Beschaffung befähigen den Einkäufer, einen Blick über den Tellerrand des eigenen Bereichs zu werfen und seinen Einfluss auf die Gesamtorganisation zu betrachten. Künftig sucht er stets nach effizienten Lösungen und sieht die technischen Möglichkeiten als Vehikel zur Effizienzsteigerung, nicht als Selbstzweck. Er agiert proaktiv und erbringt dank der Innovationen, Neuerungen und Technik in der Beschaffung einen Mehrwert für die Gesamtorganisation. Diese Neupositionierung erweitert den Zuständigkeitsbereich von der Mikro- auf die Makroebene: Es geht nicht mehr nur um die zeit- und preisgenaue Beschaffung von Produktionsmitteln sondern um langfristige strategische Aufgaben wie Lieferantenauswahl und die Sicherstellung der Supply-Chain.

Kriterien erfolgreicher Transformation zum Einkaufsstrategen

Die Transformation der reinen Beschaffungsprozesse ist nur die halbe Miete. Wirklich effizient kann die Digitalisierung nur für Unternehmen sein, die es schaffen, ihre Mitarbeiter bei angestoßenen Prozessen mitzunehmen, zu motivieren und zu Trendscouts für das eigene Ressort auszubilden. Auf der neuen Position des Einkaufsstrategen sind drei wichtige Eigenschaften unabdingbar:

  • Neugier,
  • Offenheit
  • und Chancen-Orientierung.

Dabei spielt weniger ein technisches Know-how oder Umsetzungskompetenz eine Rolle. Vielmehr rückt ein generelles Mindset zur Herangehensweise an und Nutzung von Chancen ins Blickfeld. Unternehmen werden von ihren Mitarbeitern im Einkauf oder in anderen Fachabteilungen sinnvollerweise nicht verlangen, sofort die technischen Grundlagen von Blockchain, Künstlicher Intelligenz (KI) und Co. zu beherrschen. Wichtiger ist, dass neue Beschaffungsmöglichkeiten, wie Automatisierung durch die Nutzung von KI, nicht vornehmlich darauf ausgerichtet sind, Arbeitsplätze zu rationalisieren. Durch Technik übernommene Arbeitsfelder geben den Mitarbeitern im besten Fall gedankliche Freiräume und neu gewonnene Ressourcen, um die aktuelle Einkaufsorganisation zu optimieren und zukunftsfähig zu halten.

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    Digitalisierung als Chance begreifen

    Die veränderte Rolle des Einkäufers ist nur ein Beispiel der Transformationsprozesse innerhalb des Mittelstands, die durch die Digitalisierung ausgelöst werden. Die Gedanken zum neuen Einkaufsstrategen können als Blaupause auf viele anderen Abteilungen übertragen werden. Der Außendienst übernimmt Beratungskompetenzen, indem er Kunden zeigt, wie sie Produkte einsetzen, um effizienter zu werden, und optimale Prozesse etablieren zu können. Geschäftsführer müssen ihren Führungsstil und die Unternehmenskultur auf die Chancen aus Technik und dynamisierten Prozessen anpassen und werden gleichzeitig zum Markenbotschafter über alle Kanäle.

    Diese Transformation wird gefördert, indem ein chancenorientiertes und positives Unternehmensklima fernab von Mottos wie “Innovate or die” geschaffen wird. Es gilt, zurecht oder zu Unrecht bestehende Ängste der Mitarbeiter in Handlung und Innovationsgeist zu transformieren.

    Kaum offene Fehlerkultur im Maschinenbau

    Organisationsklima

    Kaum offene Fehlerkultur im Maschinenbau

    16.11.18 - Während Führungskräfte und Mitarbeiter im Maschinenbau die Bedeutung einer guten Fehlerkultur sehr wohl erkennen, wird in den Betrieben kaum etwas dafür getan. Insbesondere die Mitarbeiter zeichnen in einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung EY ein kritisches Bild. lesen

    * Daniel Nill ist CEO der Turbine Kreuzberg GmbH in 10999 Berlin, Tel. (0 30) 28 47 26 40-0, hello@turbinekreuzberg.com, www.turbinekreuzberg.com/de

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