Phoenix Contact Nicht nur die Hersteller von Maschinen sind betroffen

Autor / Redakteur: Frank Erbs und Karin Stein / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

EU-Richtlinien und die nationalen Gesetze beschreiben die Anforderungen an die Maschinensicherheit über deren gesamten Lebenszyklus. Doch nicht nur Hersteller, auch Systemintegratoren und Betreiber müssen für sie relevante Bestimmungen einhalten.

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(Bild: Phoenix Contact)

Maschinenhersteller sind direkt von den Richtlinien betroffen, da sie die neuen Maschinen entwickeln und fertigen. Unter die zu beachtenden Vorschriften fällt insbesondere die Maschinenrichtlinie. Darüber hinaus sind unter Umständen andere Vorgaben zu berücksichtigen, beispielsweise die EMV- und die Niederspannungs-Richtlinie. Dies ist erforderlich, weil aktuelle Maschinengenerationen oftmals geregelte Antriebe umfassen, die hauptsächlich für EMV-Beeinflussungen verantwortlich sind. Selbst Komponenten wie Schaltnetzteile und elektronische Steuergeräte produzieren elektrische respektive elektromagnetische Effekte. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, im Detail auf die Anforderungen der jeweiligen Richtlinie einzugehen. Für Systemintegratoren kommt den Rahmenbedingungen der Niederspannungsrichtlinie eine besondere Bedeutung zu (Bild 1). Typischerweise arbeiten sie eng mit den entsprechenden Maschinenherstellern zusammen, können aber auch die Betreiber unterstützen, wenn diese Änderungen an ihren Maschinen vornehmen möchten (Bild 2).

Beachtung zahlreicher Richtlinien

Die kurze Übersicht zeigt, dass die drei genannten Richtlinien aufgrund der elektrischen Ausrüstung der Maschine und der in ihnen verbauten Komponenten zu den grundlegenden Kenntnissen des Maschinenbauers gehören sollten. In vielen industriellen Bereichen sind zudem die Druckgeräte- sowie die Atex-Richtlinie zu beachten (Bild 3). Auch wenn nicht immer jede Richtlinie für einen kompletten Konformitätsbewertungsprozess herangezogen werden muss, hat der Verantwortliche in jedem Fall die für die Maschine relevanten grundlegenden Anforderungen zu berücksichtigen und einzuhalten. Dazu zählen Anforderungen hinsichtlich der verwendeten Steuerungs- und Befehlseinrichtungen in Verbindung mit Abschaltfunktionen. Darüber hinaus spielen Ansprüche an zahlreiche Schutzmaßnahmen im Umfeld der Mechanik sowie Instandhaltungsthemen eine wichtige Rolle. Die zu den Richtlinien harmonisierten Normen enthalten Empfehlungen, wie der Maschinenhersteller die verschiedenen Anforderungen umsetzen kann.

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Nach dem Verkauf der Maschine sind die Pflichten des Maschinenherstellers erfüllt, indem er die Maschine richtlinienkonform in Verkehr gebracht hat. Ist dies nicht der Fall, kann der Käufer Rechtsansprüche verlangen. Als richtlinienkonform in Verkehr gebracht gilt die Maschine, sofern sie unter Berücksichtigung der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen entwickelt, gebaut und in Betrieb genommen wurde. Ferner muss für sie ein Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt worden sein. Nachdem diese Rahmenbedingungen gegeben sind, kann eine CE-Kennzeichnung erfolgen und die Maschine zusammen mit einer Betriebsanleitung in Verkehr gebracht werden.

Zyklische Gefährdungsbeurteilung

Der Betreiber, der diese Maschine gekauft hat, ist seinerseits an keine Richtlinie gebunden, denn es gelten für ihn ausschließlich nationale Vorschriften. In Deutschland sind hier insbesondere die Betriebssicherheitsverordnung, die sich aus dem Arbeitsschutzgesetz ableitet, und das Produktsicherheitsgesetz zu nennen. Die Betriebssicherheitsverordnung regelt die Aspekte zum sicheren Betrieb von Arbeitsmitteln, unter die auch Maschinen fallen. Das Produktsicherheitsgesetz kommt immer dann zum Tragen, wenn es um den Verkauf und den Erwerb von Gebrauchtmaschinen geht.

Zu den wesentlichen Anforderungen der Betriebssicherheitsverordnung gehört die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung. Diese muss vor der Bereitstellung des jeweiligen Arbeitsmittels abgeschlossen worden sein. Wurden im Rahmen dieser Tätigkeit Sicherheitslücken bei der Benutzung des Arbeitsmittels festgestellt, sind entsprechende Gegenmaßnahmen zu planen, umzusetzen und auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Der Betreiber hat eine solche Gefährdungsbeurteilung zyklisch zu wiederholen. Dabei sind neben den Betriebserfahrungen und Rückmeldungen des Betriebspersonals ebenfalls Themen wie Unfallgeschehen und Marktbeobachtung gleichartiger Maschinen in die Betrachtungen einzubeziehen. Aus der Betriebssicherheitsverordnung, die in ihrer überarbeiteten Fassung seit dem 1. Juni 2015 gültig ist, lässt sich kein Bestandsschutz ableiten. Daher müssen alle Maßnahmen, die der Betreiber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung trifft, dem Stand der Technik entsprechen.

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So wird der Betreiber zum Hersteller

Ein weiterer Aspekt, der vielen Maschinenbetreibern unbekannt oder nicht direkt bewusst ist, ergibt sich aus dem Rollenwechsel in die Herstellerverantwortung (Bild 4). Denn kaufen die Betreiber Maschinen, die bisher noch nicht in der EU in Verkehr gebracht worden sind, werden sie laut Maschinenrichtlinie zum Hersteller. Diese Tatsache führt unter Umständen zu weitreichenden Konsequenzen und vor allem Kosten, weil die Betreiber jetzt die beschriebenen Anforderungen hinsichtlich der Konformitätsbewertung durchführen müssen. Da sie die Maschinen nicht selbst konstruiert haben, können sie die notwendigen Maßnahmen meist nicht in eigener Regie realisieren.

Die weitaus häufigeren Fälle, in denen der Betreiber zum Hersteller wird, resultieren aus den Aspekten „Gesamtheit von Maschinen“ und „wesentliche Veränderung“. Eine „wesentliche Veränderung“ wird über den Blueguide – einen Leitfaden für die Umsetzung der Produktvorschriften in der EU – geregelt, lässt sich aber auch über das Produktsicherheitsgesetz erklären. Darin heißt es: „Ein Produkt, an dem erhebliche Veränderungen oder Überarbeitungen vorgenommen wurden, um die ursprüngliche Leistung, Verwendung oder Bauart zu verändern, kann als neues Produkt angesehen werden.

Beratung bereits in der Planungsphase

Die Person, die die Veränderungen vornimmt, wird dann zum Hersteller mit den entsprechenden Verpflichtungen“. Zwecks Bewertung, ob es sich um eine wesentliche Veränderung handelt, ist eine Analyse auf Basis bestehender Gefährdungen und Risiken auszuführen. Darüber hinaus sind neue Gefährdungen in die Betrachtungen aufzunehmen. Dazu zählen beispielsweise höhere Beanspruchungen der Werkstücke und Konstruktionselemente, die sich möglicherweise aus der Leistungssteigerung (Erhöhung der produzierten Stückzahl) ergeben (Bild 5).

Handelt es sich um eine „Gesamtheit von Maschinen“, wird der Betreiber im Sinne der Maschinenrichtlinie ebenfalls zum Hersteller. Ein solches Szenario tritt ein, wenn aus einzelnen oder unvollständigen Maschinen eine als Gesamtheit zusammenwirkende neue Maschine entsteht. Die jeweilige Situation muss nun analysiert und bewertet werden, wobei produktions- und sicherheitstechnischen Zusammenhängen eine besondere Bedeutung zukommt.

Damit die Maschinenbetreiber sich ihres Verantwortungsbereichs bewusst sind, berät sie Phoenix Contact bereits, während sie die Verkettung von oder Veränderungen an Maschinen planen. Durch technische Lösungen können der Rollenwechsel und der sich dadurch ergebende erneut durchzuführende Konformitätsprozess möglicherweise vermieden werden. Ist schon eine Verkettung vorgenommen worden, prüfen die Spezialisten, ob diese im Sinne der Maschinenrichtlinie als Gesamtheit von Maschinen zu betrachten ist. Anschließend werden die sich daraus eventuell ergebenden Maßnahmen aufgezeigt. MM

* Dipl.-Ing. (FH) Frank Erbs ist Mitarbeiter im Competence Center Safety bei der Phoenix Contact Electronics GmbH in 31812 Bad Pyrmont. Karin Stein ist dort Mitarbeiterin in der Abteilung Marketing Communication

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