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Finanzierungsmodelle Online-Kreditmarktplätze – die digitale Ergänzung zur Hausbank

| Autor / Redakteur: Dominik Steinkühler / Robert Horn

Oft ist es für kleine und mittlere Unternehmen nicht einfach, Kredite zu bekommen. Besonders bei geringen Kreditvolumen zögern Banken häufig – das Nachsehen haben die Unternehmen. In diese Lücke springen Online-Kreditmarktplätze mit dem Versprechen, unkompliziert Geldgeber zu vermitteln.

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(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Ein volles Auftragsbuch, sichere Projekte, aber kein Investitionskredit von der Hausbank – ein recht typischer Fall für mittelgroße Betriebe im Maschinenbau: Koppe Apparatebau mit Firmensitz in Goslar, 50 Mitarbeiter, wollte Anfang 2016 näher an einen Kunden rücken. Die Firma schweißt Spezialbehälter und Rohrleitungen aus Stahl zusammen, in denen Industriebetriebe gefährliche oder wertvolle Flüssigkeiten lagern, mischen und verteilen. Geschäftsführer Frank Koppe brauchte 100.000 Euro, um den neuen Standort aufzubauen. Das ist eine überschaubare Summe, die Auftragsvolumina bei Koppe umfassen in der Regel ein Vielfaches davon.

Kleine Kredite sind kaum rentabel

Doch das Gros der Banken tut sich zunehmend schwer mit der Kreditvergabe. Die Pflichten, die ihnen Regulierungsbehörden und Bankenaufsicht auferlegen, werden immer umfangreicher und verteuern den Kreditprozess. Hinzu kommen hausgemachte Probleme wie zum Beispiel veraltete und ineffiziente IT-Systeme. Das macht für die meisten Banken die Vergabe kleinerer Kredite tendenziell genauso teuer wie großer Kredite – nur die Margen sind am Ende deutlich niedriger.

Eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) aus dem Sommer 2016 zum Finanzierungszugang illustriert die Folgen: Kleine Unternehmen klagen sechsmal häufiger über wachsende Schwierigkeiten beim Kreditzugang als große Unternehmen. Weil es auch für Geschäftsführer Frank Koppe keinen Investitionskredit gab, musste er seine wachsenden Aufträge über den laufenden Kontokorrentkredit zwischenfinanzieren. Und der ist teuer.

Kreditmarktplätze vermitteln Investoren

In diese Lücke stoßen seit einigen Jahren Online-Kreditmarktplätze, die so genannte „Peer-to-Peer-Finanzierungen“ zwischen Kreditnehmern und Investoren vermitteln. Arbeitsweise und Qualität dieser Anbieter unterscheiden sich durchaus – und das nicht nur im Detail. Allen gemein ist jedoch das grundlegende Prinzip: Kreditnehmer stellen ihr Projekt auf der Internetplattform vor. Wenn dieses Projekt genug Investoren findet, wird der Kredit zu bestimmten Bedingungen ausgezahlt.

Dass das gut funktionieren kann zeigt, sich am Beispiel des in Berlin ansässigen Kreditmarktplatzes Lendico. Zwar kann der Anbieter als reiner Marktplatz nicht garantieren, dass ein Kredit zustande kommt. Doch bis heute wurden ausnahmslos alle gewerblichen Projekte, die dort angeboten wurden, vollständig und in sehr kurzer Zeit finanziert.

Selbstverständlich reichen Unternehmen auch hier mit ihren Kreditanträgen Unterlagen wie Bilanz, GuV und betriebswirtschaftliche Auswertungen ein. Es findet eine Bonitätsprüfung statt, ein Kreditscore wird ermittelt und aus diesem errechnet sich das Ausfallrisiko und damit der Zinssatz. Soweit besteht kein Unterschied zur Bank.

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