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Open-Source-Software für die Industrie

| Autor/ Redakteur: Carsten Emde / Alexander Strutzke

Open-Source-Software bietet auch in der Industrie im Vergleich zu kommerziellen Produkten einige Vorzüge. Bei der Verwendung von Open-Source-Software müssen jedoch bestimmte Rechte und Pflichten beachtet werden. Die OSADL stellt sich als Partner zur Verfügung.

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Besucher imformieren sich auf einer Fachmesse am Stand des Open Source Automation Development Lab (OSADL eG) über die Vorzüge von Open-Source in der Industrie. Bild: OSADL eG
Besucher imformieren sich auf einer Fachmesse am Stand des Open Source Automation Development Lab (OSADL eG) über die Vorzüge von Open-Source in der Industrie. Bild: OSADL eG
( Archiv: Vogel Business Media )

Open-Source-Software ist häufig unter der verbreiteten General Public License (GPL) veröffentlicht. Diese Lizenz enthält die Spielregeln, die für Open-Source-Software gelten. Zusammengefasst sind das vier Rechte und eine Verpflichtung.

Die vier Rechte beinhalten die Freiheit,

1. das Programm für jeden beliebigen Zweck zu verwenden,

2. die Funktionsweise des Programms zu analysieren und an den eigenen Bedarf anzupassen,

3. das Programm zu kopieren und

4. das Programm zu verbessern und die Verbesserungen zu publizieren, sodass die Allgemeinheit davon profitiert.

Die Verpflichtung besteht darin, jeder anderen Person, der man das Programm weitergibt, wiederum die genannten vier Freiheiten zu ermöglichen und auf die Verpflichtung zur Offenlegung bei Weitergabe hinzuweisen. Zwei der vier genannten Freiheiten (2 und 4) erfordern die Weitergabe sämtlicher Programmquellen. Das hat sich bewährt. Viele große Software-Projekte wie der Firefox-Browser, die Bürosuite Open-Office und der Linuxkernel wären ohne die Open-Source-Lizenz nicht denkbar.

Gemeinsam entwickeln und profitieren

Die Pflicht zur Offenlegung der Programmquellen bei Weitergabe von Open-Source-Software bedeutet, dass jeder andere und damit auch jeder Mitbewerber von der Software-Entwicklung eines Unternehmens profitieren kann. Wenn nun der Mitbewerber keinen vergleichbaren Beitrag leistet, sondern die Software einfach nur verwendet, kann dies zu einer Wettbewerbsverzerrung führen.

In der Open-Source-Philosophie wird zwar davon ausgegangen, dass nach relativ kurzer Zeit der Mitbewerber Veränderungs- und Verbesserungsbedarf an der Software hat, sodass er dann selbst zum aktiven Entwickler wird. Allerdings macht die Vorstellung, dass ein Unternehmen eigene entwickelte Software seinen Mitbewerbern verfügbar machen muss, das Open-Source-Lizenzmodell zunächst erstmal wenig attraktiv für die Verwendung in der Industrie.

Die Lösung dieses Dilemmas ist einfach: Alle an einer bestimmten Software interessierten Unternehmen schließen sich zusammen und finanzieren gemeinsam die Entwicklung von Software, die von der Mehrheit der beteiligten Firmen benötigt wird. Für die Entwicklung des Linuxkernels gibt es bereits einen solchen Zusammenschluss, nämlich die in den USA beheimatete Linux Foundation.

Für die speziellen Anforderungen der Entwicklung von Open-Source-Software in der Automatisierungsindustrie wurde Ende 2005 das Open Source Automation Development Lab (OSADL) gegründet und im August 2006 als Genossenschaft eingetragen. Die zur Zeit 16 Mitglieder stammen aus den Branchen

  • Maschinenbau (ABB Corporate Research, Homag, Roche Medizintechnik, Trumpf),
  • Automatisierungs-Hardware (Eltec, Festo, Kontron, Phoenix Contact, Phytec, Wago),
  • Automatisierungs-Software (3S, ISG, KW-Software),
  • Open-Source-Dienstleiter (Denx, Linutronix, Pengutronix).

Aktuelle Projekte, die von den Jahresbeiträgen der Mitglieder finanziert werden, umfassen unter anderem Echtzeit-Linux, Linux-Zertifizierung, Universelles I/O-Framework, sowie Linux-Treiber für den Mainline-Kernel.

Genossenschaft und Open-Source ähneln sich

Der besondere innovative Ansatz besteht im Falle des OSADL nicht nur in den entwickelten Software-Produkten, sondern in der Einrichtung und Ausgestaltung der Gesellschaftsform. Basierend auf den Organen einer eingetragenen Genossenschaft hat das OSADL Mechanismen entwickelt, die es den Mitglieds-Unternehmen gestatten, gemeinsam Komponenten zu entwickeln und Mitarbeiter darüber sprechen zu lassen, ohne dabei wichtige Alleinstellungsmerkmale der eigenen Produkte aufgeben zu müssen.

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