Konjunktur Ostdeutsche Maschinenbauer erleben bestes Quartal seit 2015

Redakteur: Robert Horn

Nicht nur die traditionell starken Maschinenbauländer erleben derzeit einen Aufschwung – auch aus dem Osten meldet der VDMA jetzt positive Zahlen. Die Geschäftsaussichten sind rosig.

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Der ostdeutsche Maschinenbau ist im zweiten Quartal 2017 gut ausgelastet.
Der ostdeutsche Maschinenbau ist im zweiten Quartal 2017 gut ausgelastet.
(Bild: Bystronic)

Der ostdeutsche Maschinen- und Anlagenbau hat im zweiten Quartal 2017 seinen Aufwärtstrend fortgesetzt, meldet der VDMA Ost. Ein Großteil der Unternehmen erwartet auch weiterhin gute Geschäfte. 88 von 100 Unternehmen schätzten ihre Geschäftslage nach einer Umfrage des Verbands als sehr gut oder gut ein. Drei Monate zuvor waren es noch 78 Betriebe.

Der Aufschwung ist da

„Die Kurve zeigt seit Ende 2016 stetig nach oben. Es scheint, als werde nun endlich der lang ersehnte wirtschaftliche Aufschwung eingeleitet“, sagte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost. So würden die Maschinenbauer selbst wieder mehr in Maschinen, Forschung und Entwicklung investierten. 95 % der Firmen haben zwischen Januar und Juni ihre Pläne wie vorgesehen umgesetzt oder ihre Ausgaben sogar erhöht.

Vor allem bei der Kapazitätsauslastung meldet der Verband einen Anstieg. Zur Jahresmitte konnten die Unternehmen ihre vorhandenen Produktionskapazitäten zu durchschnittlich 91,8 % auslasten – das ist laut VDMA der höchste Wert seit gut fünf Jahren. Auch bei der Auftragslage hielt der positive Trend an. Etwa 84 % der Unternehmen registrierten im Vergleich zum ersten Quartal mehr oder gleich viele Aufträge, ein Plus von 4 %. Das Auftragspolster erhöhte sich auf durchschnittlich 5,1 Produktionsmonate. Damit verkürzten die ostdeutschen Betriebe den Abstand zum gesamtdeutschen Maschinenbau – bundesweit liegt die Auftragsreichweite bei knapp sechs Monaten.

Neue Kunden kommen aus der ganzen Welt

„Aufgrund der anhaltenden politischen Krisen und außenwirtschaftlichen Unsicherheiten war diese gute Entwicklung nicht unbedingt zu erwarten“, so Pätz. Doch die Weltwirtschaft komme immer mehr in Schwung, die Betriebe seien mittlerweile international breiter aufgestellt. „Zu den wichtigsten Exportländern gehören nicht mehr nur China, die USA, Russland und Staaten der Europäischen Union. Die Kunden kommen vermehrt auch aus Indien, Mexiko und südamerikanischen Ländern“, ergänzte der Verbandsgeschäftsführer. Ein wichtiger Punkt sei deshalb, dass Politik und Banken für mittelständische Auslandsprojekte schnelle, unbürokratische Finanzierungen bereithalten.

Der Trend bleibt auch in den kommenden Monaten positiv: Die meisten Unternehmen blicken laut Umfrage optimistisch in die Zukunft. 92 von 100 Firmen rechnen auch im dritten Quartal 2017 mit mindestens gleichbleibenden oder besseren Geschäften. Dies schlägt sich auch in der Personalpolitik nieder, denn bis zum Jahresende plant mehr als die Hälfte der Firmen (57 %), ihre Beschäftigtenzahl aufrechtzuerhalten oder neue Mitarbeiter einstellen (40 %).

Problem: Fachkräftemangel

„Zahlreiche Unternehmen haben jedoch enorme Schwierigkeiten, qualifizierte Facharbeiter, Ingenieure, Führungs- und Nachwuchskräfte zu finden. Das kann den Aufschwung gefährden“, warnte Pätz. Zusätzlich müssen die ostdeutschen Betriebe das verstärkte altersbedingte Ausscheiden von Mitarbeitern kompensieren. Die Wirtschaft allein werde dem Verband zufolge die Fachkräfteproblematik nicht lösen können. „Politik und Kommunen müssen die zentralen Voraussetzungen schaffen. Hierzu gehören eine flächendeckend gute Verkehrsinfrastruktur, zeitgemäße Ausbildungsinhalte von der Grundschule bis zur Berufsschule und Universität sowie ein attraktives Standortumfeld mit ausreichend Einkaufs-, Freizeit- und Kindereinrichtungen“, betonte Pätz.

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