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Produkt- und Markenpiraterie

Plagiarius zeichnet besonders dreiste Nachahmungen aus

| Redakteur: Claudia Otto

Mitte Februar hat die Aktion Plagiarius e.V. auf der Frankfurter Messe Ambiente ihren Negativpreis für besonders dreiste Nachahmungen verliehen. Jährlich werden damit Hersteller und Händler ausgezeichnet und im Rahmen einer internationalen Pressekonferenz bekannt gegeben. Ziel der Aktion ist es, die Öffentlichkeit über Ausmaß, Schäden und Gefahren von Plagiaten und Fälschungen aufzuklären.

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Einen Plagiarius erhielt die Nachahmung der elektrischen Zahnriemenachse „DGE“: links im Original von Festo, Esslingen, rechts das Plagiat vertrieben von Render Location Module, Fongyuan City, Taiwan. Festo hat inzwischen ein Verkaufsverbot erwirkt. Bilder: Aktion Plagiarius
Einen Plagiarius erhielt die Nachahmung der elektrischen Zahnriemenachse „DGE“: links im Original von Festo, Esslingen, rechts das Plagiat vertrieben von Render Location Module, Fongyuan City, Taiwan. Festo hat inzwischen ein Verkaufsverbot erwirkt. Bilder: Aktion Plagiarius
( Archiv: Vogel Business Media )

Zahlreiche Nachahmer haben sich, teils vor, teils nach der Verleihung mit dem Original-Hersteller geeinigt und zum Beispiel Restbestände der Plagiate vom Markt genommen, Unterlassungserklärungen unterschrieben und Lieferanten preisgegeben.

Im Rahmen der Preisverleihung hat die Aktion Plagiarius auch eine Personen ausgezeichnet, die sich im Kampf gegen Produkt- und Markenpiraterie durch besonderes Engagement verdient gemacht hat. Die „Ehrennadel für Plagiatsbekämpfung“ erhielt Obergerichtsvollzieher Walter Horz, Amtsgericht Frankfurt. Mit außerordentlich viel Elan und Engagement gehe Horz seit Jahren auf fast jeder Frankfurter Messe erfolgreich gegen Fälscher und Plagiatoren vor.

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Produktfälschungen und Markenpiraterie nehmen immer mehr zu

Bedingt durch die Vielzahl an billigen Plagiaten und Fälschungen, die immer schneller auch westliche Märkte überschwemmen, verzeichnet so mancher Markenhersteller drastische, teils existenzbedrohende Schäden: Von Umsatzrückgängen über die Zerstörung der Glaubwürdigkeit der Marke bis hin zu ungerechtfertigten Produkthaftungsklagen.

Schätzungen offizieller Stellen gehen davon aus, dass Plagiate, Fälschungen und Raubkopien jährlich weltweit einen volkswirtschaftlichen Schaden in Höhe von mehreren 100 Mrd. Euro anrichten. Allein für Deutschland wird der jährliche Schaden mit ungefähr 30 Mrd. Euro beziffert. Hinzu kommt, dass durch Produkt- und Markenpiraterie weltweit mehrere hunderttausend Arbeitsplätze vernichtet werden; besonders betroffen sind die führenden Industrienationen.

Für das rasante Wachstum in den letzten Jahren sind nach Angaben der Aktion Plagiarius unter anderem Globalisierung, modernste Technik und anonyme Vertriebskanäle wie das Internet mitverantwortlich. Auch sogenannte Freizonen entpuppen sich als blühende Umschlagplätze für nachgemachte Waren.

Allein an den EU-Außengrenzen haben Zollbeamte in 2007 mehr als 78 Mio. gefälschte Produkte beschlagnahmt – knapp 60% dieser Nachahmungen hatten ihren Ursprung in China. Hergestellt werden die meist minderwertigen Waren oft unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen – ganz abgesehen von Kinderarbeit. Qualitätskontrollen sowie der Schutz der Fabrikarbeiter vor gefährlichen Maschinen und gesundheitsschädigenden Substanzen sind profitmindernd und somit nicht im Interesse der Drahtzieher.

Gefälscht und plagiiert wird entlang der gesamten Wertschöpfungskette

In der öffentlichen Diskussion wird China häufig als Buhmann hingestellt – dies ist aber eine sehr einseitige Betrachtung. Zu den Fälscherhochburgen zählen unter anderen ein Großteil der südostasiatischen Staaten sowie Osteuropa und Lateinamerika. Auch dort werden aufgrund geringer Lohnkosten massenweise Fälschungen und Plagiate hergestellt.

Betrachtet man die gesamte Wertschöpfungskette, so wird deutlich, dass diverse (Zwischen-) Händler und Hersteller aus aller Welt von Produkt- und Markenpiraterie profitieren, indem sie Plagiate und Fälschungen billig einkaufen oder teils sogar bewusst in Auftrag geben. Und nicht zuletzt: Märkte regeln sich über Angebot und entsprechende Nachfrage.

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