Insolvenzen Pleitewelle in China bedroht deutsche Exporte

Redakteur: Stéphane Itasse

Die Kreditversicherung Euler Hermes erwartet laut eigener Mitteilung vom Dienstag für 2015 einen Anstieg der Insolvenzen in China um 5 %. Gründe dafür sind die sinkende Liquidität von Unternehmen durch das schärfere Vorgehen gegen Schattenbanken, Überkapazitäten im Immobilienmarkt und die wachsende Disziplin bei den Ausgaben der Lokalregierungen. Davon seien auch deutsche Exporteure betroffen.

Firmen zum Thema

Für deutsche Exporteure brummt das China-Geschäft – doch drohen Zahlungsausfälle.
Für deutsche Exporteure brummt das China-Geschäft – doch drohen Zahlungsausfälle.
(Bild: Wikimedia)

Der Grund: Chinas Bedeutung für die deutsche Exportwirtschaft sei immens. Mit der Abhängigkeit vom chinesischen Markt stiegen aber auch die Risiken.

Gerichtliche Insolvenzverfahren in China sehr selten

Aufgrund der hohen Kosten und der enormen Komplexität seien gerichtliche Insolvenzverfahren in China – anders als beispielsweise in Europa – jedoch relativ selten, insgesamt rechneten die Ökonomen des Kreditversicherers mit rund 2800 Fällen im laufenden Jahr.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Laut Mitteilung ist eine wachsende Anzahl von Unternehmen auf alternative Finanzierungsmöglichkeiten angewiesen, da sie keinen Zugang zu Bankkrediten haben. Verbreitet seien daher extrem lange Zahlungsziele sowie das Ausreizen dieser Ziele bis hin zum Zahlungsverzug. Zahlungsausfälle hätten sich in 2014 nach Schätzungen von Euler Hermes im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (+104 %). Besonders stark betroffen seien die Lebensmittel- (+450 %) und die Chemiebranche (+206 %), Rohstoffe (+150 %) sowie Computer und Telekommunikationsgüter (+129 %).

China schneidet beim Eintreiben von Außenständen sehr schlecht ab

„Chinesische Abnehmer wenden sich für mehr Kredite zunehmend an lokale Exporteure“, sagt Anil Berry, Asia Pacific Commercial Director bei Euler Hermes. „Sie bestehen bei den Konditionen darauf, für laufende Rechnung zu bezahlen - während sie früher problemlos Bankbürgschaften oder sogar Vorauszahlungen akzeptiert haben.“ Das Eintreiben von Schulden sei zudem in China sehr komplex. Bei 44 von der Kreditversicherung untersuchten Ländern, landete China auf dem viertletzten Platz. Nur Saudi-Arabien, die Vereinigte Arabische Emirate und Russland hätten bei der Inkasso-Schwierigkeit noch schlechter abgeschnitten.

Detaillierte Studie zur chinesischen Wirtschaft, Insolvenzen und Herausforderungen (Englisch)

Studie zu chinesischen Exporten (Englisch)

Ausführliche, globale Euler-Hermes-Insolvenzstudie (Englisch)

Ausführliche englische Inkasso-Studie

(ID:43200682)