Standort Polen Polen will eine schwarze Energiezukunft

Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Bei der Stromversorgung setzt Polen aktuell zu 90 % auf Kohle und daran dürfte sich so schnell nichts ändern – weitere große Kraftwerksblöcke sind im Bau. Doch auch die bestehenden Anlagen müssen modernisiert werden, um Umweltanforderungen zu erfüllen.

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Rauchende Schlote dürften auf absehbare Zeit das Wahrzeichen der polnischen Stromerzeugung bleiben – Regierung und Unternehmen setzen auf Kohle.
Rauchende Schlote dürften auf absehbare Zeit das Wahrzeichen der polnischen Stromerzeugung bleiben – Regierung und Unternehmen setzen auf Kohle.
(Bild: Energa)

Die politische Linie des Energieministers Krzysztof Tchórzewski lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Die Kohle ist der Garant für die Sicherheit der polnischen Energieversorgung“, sagte er im Juli bei der Eröffnung einer Energiekonferenz in Warschau. Die Wirtschaft solle zwar im Hinblick auf weniger CO2-Emissionen umgebaut werden, doch gelte es, die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten und heimische Ressourcen zu nutzen. Mit anderen Worten: Die Kohle steht nicht nur für knapp 90 % der polnischen Stromerzeugung, das soll für Warschau auch so bleiben. Im Kampf gegen Treibhausgase und Schadstoffe setzt der Minister auf die Beseitigung von Energieverlusten durch Effizienztechniken, die Modernisierung des Strom- und Fernwärmenetzes und Energiemanagementsysteme. Bei den erneuerbaren Energien sieht er Potenzial für Wasserkraft und Biomasse, während Wind- und Sonnenenergie nicht planbar seien.

Polens Energiesektor benötigt hohe Investitionen

Dabei steht die Energiewirtschaft des Landes vor gewaltigen Herausforderungen. So kommen von der EU verschärfte Umweltanforderungen an die Kohlekraftwerke – die Betreiber müssen bestehende Anlagen dafür nachrüsten. Der stellvertretende Energieminister Andrzej Piotrowski verwies darüber hinaus noch auf neue Kraftwerke, auch für erneuerbare Energien, und die Netzinfrastruktur, sowohl zur Übertragung als auch zur Verteilung, sowie auf die Wärmenetze. Der größte polnische Stromversorger, PGE, rechnet für die Jahre von 2016 bis 2020 mit einem Investitionsaufwand von 34 Mrd. Zloty (7,9 Mrd. Euro). Dazu gehören die Leuchtturmprojekte in Opole und Turów, das Unternehmen untersucht aber auch weitere Projekte für die konventionelle Stromerzeugung. Das Vorhaben in Opole ist derzeit das größte im polnischen Energiesektor überhaupt: Dort baut PGE zwei Steinkohle-Kraftwerksblöcke mit einer Erzeugungskapazität von je 900 MW. Diese sollen insgesamt 11,6 Mrd. Zloty (knapp 2,7 Mrd. Euro) kosten und im dritten Quartal 2018 beziehungsweise im ersten Quartal 2019 fertig sein. In Turów entsteht bis zum zweiten Quartal 2020 ein Braunkohlekraftwerk mit fast 50 0MW Leistung.

Für die Zeit nach 2020 soll ein neuer Investitionsplan vorgelegt werden, der von den noch auszuwählenden strategischen Optionen – moderne Kohlekraftwerke, Offshorewindenergie oder ein Atomkraftwerk – abhängt.

Eine Leistung von gar 1000 MW soll ein neues Kohlekraftwerk in Ostroleka haben, für dessen Bau die Unternehmen Energa und Enea nach Auskunft des Energieministeriums im September eine Absichtserklärung unterzeichnet haben.

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