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Interview Lothar Horn

Präzisionswerkzeugbranche hält Kurs

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Firmen zum Thema

Fiebert man nach einer Mailänder EMO wieder besonders der deutschen Variante entgegen oder macht für Sie der Messestandort keinen Unterschied?

Die EMO in Mailand ist eine gute Messe. Die EMO in Hannover ist jedoch die Weltleitmesse unserer Branche und setzt dadurch deutliche Unterschiede – auf Seiten der Besucher wie auch auf Seiten der Aussteller. Auch die Mitglieder des VDMA-Fachverbands Präzisionswerkzeuge sind auf der EMO Hannover deutlich stärker und größer vertreten.

Spiegelt das aktuelle EMO-Motto Connecting systems for intelligent production die Zukunft des Werkzeugbaus?

Für den Werkzeugbau, aber auch für die Spannmittelhersteller, ist das Motto eine große Chance, zukunftsfähig zu bleiben und weiterhin die technologische Weltmarkführerschaft zu behalten. Es ist ein Baustein, wenn auch ein großer, mit dem wir unsere Zukunft gestalten können und müssen.

Welche Rolle spielt dieses Motto für Horn?

Wir als Hersteller von Zerspanungswerkzeugen sind beim Produkt selbst etwas eingeschränkter als die Bereiche Werkzeugbau und Spanntechnik. Wir bewegen uns bei diesem Thema eher im Bereich der Werkzeugdatenaufbereitung und -weiterverarbeitung.

Wird Ihr Produktportfolio dem Messemotto gerecht oder sehen Sie als Werkzeughersteller der Digitalisierung gelassener entgegen, als es sich vielleicht Werkzeugmaschinenhersteller erlauben dürften?

Die Digitalisierung ist aktuell die größte Herausforderung für die absehbare Zukunft. Trotzdem sehen wir das Thema eher gelassen, vor allem, da wir schon viel in diesem Bereich getan und für kommende Themen die Weichen gestellt haben – auch in Zusammenarbeit mit Maschinenherstellern.

Durch den unterschiedlichen Grad der Vernetzung entsteht in der Branche eine gewisse Diskrepanz. Erkennen Sie darin Handlungsbedarf oder stehen Sie dem entspannt gegenüber?

Da gibt es diejenigen, die engagiert das Thema angehen, diejenigen die etwas in gewissem Rahmen machen und diejenigen, die noch etwas zaghafter sind und abwarten, wie sich alles entwickelt. Ich denke, dass wir in Bereichen, in denen es sinnvoll ist, über Standardisierungen zum Beispiel von Datenformaten reden müssen. Solche Standards gewähren eine einheitliche Basis und können manche Hürden und Bedenken beseitigen. Zwei Punkte sollte man bei aller Digitalisierungs- und Vernetzungseuphorie nicht vergessen – man benötigt immer noch ein gutes Produkt das dann gegebenenfalls durch die neuen Möglichkeiten unterstützt/verbessert werden kann. Des Weiteren darf das Thema Datensicherheit/Schutz des eigenen Know-hows nicht unterschätzt werden.

Wie erleben Sie das Phänomen der intelligenten Produktion in der Werkzeugbranche? Wird das Thema stark diskutiert oder stehen eher klassische Aspekte wie Beschichtung und Geometrie weiter im Vordergrund?

Wie immer ist die Welt nicht schwarz oder weiß. Natürlich spielen Vernetzung und Digitalisierung eine große Rolle bei den Unternehmen. Schließlich sind die Herausforderungen an die Gestaltung von Prozessen und die Weiterentwicklung der Mitarbeiter riesig. Neue Cloud-Lösungen optimieren den Produktionsprozess, indem sie die Daten von Werkzeugen analysieren und intelligent verknüpfen. Die eindeutige Kennzeichnung von Werkzeugkomponenten ermöglicht ihre Nachverfolgung. Aber auch bei den technischen Themen an der Schneide müssen wir immer vorne dranbleiben und den Kunden immer neue und bessere Lösungen für neue Werkstoffe und neue Herausforderungen bieten. Mit anderen Worten: Wir werden das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Welche neuen Ansätze sind in der Werkzeugbranche – losgelöst von der Vernetzung – derzeit zu beobachten?

Um nur mal ein paar Schlagworte zu nennen: generativ hergestellte neuartige Werkzeuggeometrien, Werkzeuge und Spannzeuge für die Bearbeitung neuer Werkstoffe wie Verbund- und Leichtbauwerkstoffe sowie Kleinstbauteile, Kühlen an der Wirkstelle ...

Auf welche Highlights, Entwicklungen etcetera auf der EMO sind Sie als Präzisionswerkzeughersteller besonders gespannt?

Ich denke, dass im Bereich der Zerspanungswerkzeuge die Themen Kühlung sowie Beschichtung interessant werden. Außerdem bin ich bei den Spannzeugen sowie im Werkzeugbau gespannt auf die weitere Entwicklung in den Bereichen Vernetzung und Digitalisierung.

Was stellen Sie aus und was wird Ihr persönliches Highlight auf dem Horn-Stand?

Wir konzentrieren uns trotz des EMO-Mottos auf unsere Produkte. Unsere Highlights auf der EMO sind zum einen unser neues Werkzeug zum Wälzschälen sowie zum anderen die neuen direktgepressten Schneidplatten für unser Tangentialfrässystem 409 und unser Wendeschneidplattenfrässystem DA62. Natürlich zeigen wir noch zahlreiche weitere neue Produkte, aber auch unser Kernsortiment.

Losgelöst vom generellen Messemotto, wie würden Sie Ihr persönliches Motto für die Messe definieren?

Mein persönliches Messemotto ist: Weiterhin Technologiesprünge und neue Technologien vorzustellen, aber auch erleben zu dürfen.

Hat die diesjährige EMO Hannover Ihrer Meinung nach das Potenzial, eine denkwürdige ihrer Art zu werden?

Absolut – und zwar im positiven Sinn. Neue Technologien verändern spürbar den Markt. Erste Schritte sind ja schon gemacht, aber es geht natürlich weiter – und wie die Zukunft aussieht, kann man zum Teil schon auf der EMO Hannover 2017 sehen. Uns erwartet eine Weltleitmesse, die dieses Titels würdig ist und die mit großer Wahrscheinlichkeit die erfolgreichste EMO aller Zeiten wird.

Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren, was haben Sie sich noch ganz persönlich vorgenommen?

Ich habe mir persönlich vorgenommen, mir auch einmal die Zeit zu nehmen, um selbst die EMO Hannover 2017 auch außerhalb unseres Messestandes zu erleben und zu erfahren.

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