Beteiligungskapital Private-Equity-Firmen suchen ihre Chancen im Mittelstand

Redakteur: Peter Steinmüller

Mit dem Ausbleiben der „Big Deals“ konzentriert sich die Private-Equity-Branche auf kleinere Unternehmen. Dabei ist sie zunehmend bereit, auf Mehrheitsbeteiligungen zu verzichten. Dies ergibt eine Befragung deutscher Private Equity-Gesellschaften durch das Nürnberger Beratungs- und Prüfungsunternehmen Rödl & Partner.

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Das aktuell schwierige Umfeld für Exits – etwa über einen Börsengang – zwingt die Beteiligungsgesellschaften zu langfristigeren Engagements. Dies kommt dem Mittelstand entgegen. Bild: Deutsche Börse
Das aktuell schwierige Umfeld für Exits – etwa über einen Börsengang – zwingt die Beteiligungsgesellschaften zu langfristigeren Engagements. Dies kommt dem Mittelstand entgegen. Bild: Deutsche Börse
( Archiv: Vogel Business Media )

„Beteiligungskapital wird im Mittelstand langsam zur Normalität“, erklärt Wolfgang Kraus, Geschäftsführender Partner von Rödl & Partner. „Der beginnende wirtschaftliche Aufschwung wird in wachsendem Maße durch die Private Equity-Firmen mitfinanziert werden. Die mittelständischen Unternehmen sind bereit, Finanzinvestoren aufzunehmen, weil sie wachsen wollen. Dabei verlieren die Kapitalgeber ihren Schrecken, weil sie den Machtanspruch zunehmend aufgeben, ihre Beteiligungen mehrheitlich zu kontrollieren.“

Die Stimmung in der Branche ist nach der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit verhalten optimistisch. 66% der befragten Beteiligungsfirmen erwarten, dass sich der Private-Equity-Markt besser, 6% davon sogar weitaus besser entwickeln wird als im Vorjahr. Für Hoffnung sorgen insbesondere die ersten erfolgreichen Börsengänge. Das schwierige steuerliche Umfeld der Private Equity-Branche wird aber nach wie vor als wichtigste Bremse für eine positive Entwicklung kritisiert.

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Längerfristige Beteiligungen nehmen zu

„Das schwierige Umfeld für Exits zwingt die Beteiligungsgesellschaften zu langfristigeren Engagements. Dies kommt dem Mittelstand entgegen. Aber alle Investitionen sind Beteiligungen auf Zeit“, betont Björn Stübiger, Partner von Rödl & Partner, der die Studie durchgeführt hat. „Die Schlüsselfrage ist, ob die Rückkehr zu stabilen Rahmendaten mit deutlich unternehmerischem Wertsteigerungspotenzial gelingt. Daneben ist auch die Politik gefordert, die Rahmenbedingungen - insbesondere für Venture Capital Investments - zu verbessern und international zu harmonisieren“, so der Corporate Finance-Experte.

Viele Investitionen scheitern an überzogenen Preisvorstellungen der Unternehmen

Während die Private-Equity-Häuser ihre Investitionsstrategie an das Marktumfeld angepasst haben, scheitern viele Investitionen nach wie vor an überzogenen Preisvorstellungen der Unternehmen. Angesichts der Zurückhaltung der Banken, Akquisitionen über Kredite zu finanzieren, bedeutet ein überhöhter Kaufpreis in der Regel das Scheitern der Beteiligung.

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