Netzneutralität Privilegierung von Daten im Internet ist nicht mit Netzneutralität vereinbar

Das EU-Parlament hat ein umstrittenes Gesetzespaket zur Netzneutralität beschlossen. Kritiker fürchten nun ein Zwei-Klassen-Internet. Wir befragten dazu Jens Ihlenfeld, Geschäftsführer Sys Eleven GmbH und Gründer der IT-Newsplattform Golem.de.

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Jens Ihlenfeld, Geschäftsführer Sys Eleven GmbH und Gründer der IT-Newsplattform Golem.de
Jens Ihlenfeld, Geschäftsführer Sys Eleven GmbH und Gründer der IT-Newsplattform Golem.de
(Bild: Sys Eleven)

Warum sind Sie gegen eine Privilegierung von Daten im Internet?

Die Netzneutralität ist einer der Grundpfeiler des Internets und fördert Freiheit, Vielfalt, Gleichheit und Innovation. Die Privilegierung von Spezialdiensten ist damit nicht vereinbar, denn sie untergräbt die Gleichbehandlung aller Daten. Die Beschneidung der neutralen Infrastruktur ist der Anfang vom Ende des offenen Internets.

Was bedeutet das in der Praxis?

Was das in der Praxis bedeutet, kann man schon heute beim mobilen Internet beobachten: Anbieter, die ISP – also Internet Service Provider – an ihren Einnahmen beteiligen, werden ohne Anrechnung auf das monatliche Datenvolumen durchgeleitet, bestimmte Nutzungsarten wurden untersagt – zum Beispiel Instant-Messaging oder VPN –, um veraltete Geschäftsmodelle aufrecht zu erhalten. ISPs lassen sich die Nutzung der letzten Meile von ihren Endkunden bezahlen und sollten diesen daher auch die versprochene Leistung, nämlich einen vollständigen und neutralen Zugang zum Internet bereitstellen.

Gäbe es denn eine Alternative?

Statt die Netzneutralität einzuschränken, sollte die freie Zusammenschaltung von Netzen in Form von Peering von allen Beteiligten vorangetrieben werden, denn aktives Peering führt zu einer drastischen Entlastung großer Teile der Internetinfrastruktur, verkürzt die Wege, erhöht die Geschwindigkeit und macht das Internet insgesamt robuster gegen Ausfälle.

. MM

* Weitere Informationen: Sys Eleven GmbH, Berlin

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