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Digitaler Kreativwettbewerb

Projekt Hackathon: Machen statt reden

| Autor / Redakteur: Stefan Bley / Robert Horn

Hohe Investitionen sind nicht nötig

Beide Punkte bringen vor allem den Mittelstand ins Hintertreffen. So haben fast alle großen Konzerne – von Siemens über Bosch bis Trumpf – bereits eigene Innovationseinheiten für den digitalen Wandel gegründet, in denen sie Start-ups fördern oder neue Geschäftsideen aus den eigenen Reihen verfolgen. Mittelständische und kleine Unternehmen scheuen in der Regel die Investition. Dennoch sollten auch sie sich an Inkubatoren beteiligen und Kooperationen mit Start-ups und Universitäten eingehen, um an das nötige Know-how zu gelangen. Hohe Investitionen sind dazu oft gar nicht erforderlich.

So bieten unter anderem Industrie- und Handelskammern und die Beteiligung in regionalen Netzwerken sehr gute Plattformen, die ebenfalls zum Ziel führen. Weitere Möglichkeiten, um erste Schritte umzusetzen, sind sogenannte Use Cases. Bei diesen wird ein konkreter Prozessabschnitt definiert, für den eine Innovation entwickelt werden soll. EY bietet dazu Startpakete, die nach zehn Tagen ein konkretes Ergebnis liefern.

Empfehlenswert sind auch weitere Veranstaltungsformate, die den Austausch zwischen Unternehmen über verschiedene Branchen hinweg fördern, Stichwort: Cross-Industry-Innovation. Hier schaut sich ein Unternehmen in einer anderen Branche die Lösung für ein bestimmtes Problem ab. So entdeckte zum Beispiel BMW bereits vor vielen Jahren die von dem kalifornischen Unternehmen Immersion erfundene Touchsense-Technologie für die Entwicklung des Bedienkonzeptes für das Fahrerassistenzsystem iDrive. Zuvor wurde diese Technologie hauptsächlich in Joysticks eingesetzt. Um die Innovationsfähigkeit zu beschleunigen, ist es extrem wichtig, an konkreten Innovationen anzusetzen, aber auch das allein reicht nicht aus. Das Unternehmen muss umdenken, seine Organisationstrukturen verändern und auch die Anreize für die Mitarbeiter anders setzen.

Ein Scheitern muss erlaubt sein

Ingenieure und Entwickler, die neue Ideen verfolgen, müssen damit auch scheitern können und das auch dürfen. Sie selbst und die Unternehmen benötigen eine höhere Fehlertoleranz. Dazu gehört unter anderem, dass ein Scheitern nicht bestraft wird. Die Zielsysteme müssen angepasst werden. Statt individueller Vorgaben, die das „Silodenken“ fördern, kommen Teamziele oder eine direkte Kopplung an den Unternehmenserfolg dem neuen Denken sehr viel näher – denn auch ein gescheitertes Projekt bringt wichtige Erkenntnisse.

Bei Zeppelin Systems ist das schon heute gelebte Kultur. So eröffnete Oliver Thiel den Hackathon mit den Worten: „Natürlich freuen wir uns über spannende neue Anwendungen. Es ist aber auch absolut in Ordnung, wenn heute keine brauchbaren Ergebnisse herauskommen.“ Gekommen ist es ganz anders. Von dem Erfolg überzeugt, lassen der VDMA und EY eine Reihe von Industrie-Hackathons folgen, die sich unterschiedlichen Schwerpunkten widmen – unter anderem auch der Optimierung der Produktionsprozesse im Maschinenbau. Auf diese Weise soll schließlich ein Leitfaden für die VDMA-Mitgliedsunternehmen entstehen.

* Stefan Bley ist Partner bei der Managementberatung von Ernst & Young in 68165 Mannheim und dort zuständig für den Bereich Anlagen und Maschinenbau, Tel. (06 21) 4 20 81 73 42, stefan.bley@de.ey.com

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