Suchen

Pumpen werden flexibel und serviceorientiert

| Autor: Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Entwicklungen im verfahrenstechnischen Anlagenbau prägen auch die Anforderungen an Pumpen. Gefragt sind Systemlösungen, intelligente Steuer- und Regelungskonzepte, reduzierte Emissionen sowie umweltgerechte und wartungsfreundliche Konstruktionen.

Firmen zum Thema

Bild3: Die kleine Ganzmetallpumpe von Netzsch wurde speziell für geringere Volumenströme in der Prozessindustrie entwickelt.
Bild3: Die kleine Ganzmetallpumpe von Netzsch wurde speziell für geringere Volumenströme in der Prozessindustrie entwickelt.
(Bild: Netzsch)

Automation und Vernetzung bieten auch für die Pumpenbranche die Chance zu Produktivitätssteigerungen. Deshalb entwickeln die Hersteller zunehmend Systemlösungen oder modulare Einheiten, die mehr leisten, als es Prozesspumpe‚ Verdichter oder Regelventil bisher ermöglichten. Der Trend zur dezentralen Intelligenz auf Komponentenebene ist auch in diesem Bereich deutlich erkennbar.

Doch wenn Komponenten je nach Anwendung flexibel miteinander kombiniert werden sollen oder ein Austausch binnen einer Stunde gefordert wird, muss sich die Technik schnell den neuen Anforderungen anpassen und in verschiedenste Systeme einbinden lassen. Für den Hersteller bedeutet das: Er muss seine Technik zur Einbindung in die zentrale Leittechnik kommunikativer machen, wobei die Komponente vor Ort in der Lage sein muss, bestimmte Funktionalitäten in Eigenregie auszuführen. Der Datenaustausch muss dazu – ganz im Sinne der Industrie 4.0 – bidirektional möglich sein. Informationen sollen von der zentralen Leittechnik zur dezentralen Feldkomponente sowie zwischen den Komponenten weitergegeben werden können.

Bildergalerie

Industrie 4.0 wird alltagstauglich

Mit einer intelligenten Pumpenüberwachung für die Verfahrenstechnik veranschaulicht die Colfax Fluid Handling, ein Bereich der Colfax Corporation, wie das ganz praktisch funktioniert. Die Überwachung wurde speziell für Pumpen von Allweiler entwickelt, die in betriebskritischen und umweltsensiblen Anwendungen der Verfahrenstechnik und der Chemie eingesetzt werden. Mit der sogenannten Smart Platform, die auf der Achema vorgestellt wird, lassen sich von der einfachen Zustandsüberwachung bis hin zu komplexen Überwachungstätigkeiten inklusive Operation Monitoring an mehreren Pumpen viele Anforderungen an Sicherheit und geringe Betriebskosten gleichzeitig realisieren. Beispiele sind die Kontrolle von Druck, Temperatur, Leckage und Vibration. Auch eine Erweiterung mit industrieller Standardsensorik ist möglich. Der Betrieb wird kontinuierlich und vollautomatisch überwacht und für spätere Auswertungen protokolliert. Treten ungewöhnliche Betriebsbedingungen auf, werden diese sofort gemeldet und auf einem grafikfähigen Farbdisplay angezeigt. Die Kommunikation mit der Leitwarte erfolgt über Ethernet-Verbindungen. Ein schneller, ortsunabhängiger Remote-Zugriff etwa für das Wartungspersonal ist über Smart-phone-Apps und von jedem PC mit Internetzugang aus möglich. Je nach Konfiguration können aufgrund der Informationen automatisch pumpenindividuelle Reaktionen ausgeführt werden, zum Beispiel ein Wechsel auf eine andere Pumpe.

Auf diese Weise werden Wartung und Instandhaltung planbar, ungeplante Produktionsausfälle sind nahezu ausgeschlossen und die Wartungsintervalle können größer werden. Gunter Connert, Vertriebsleiter Deutschland bei Colfax Fluid Handling, ist von den Vorteilen überzeugt: „Die Smart Platform führt zu niedrigeren Gesamtkosten des Betriebes. Bei sensiblen Betriebsbedingungen, wie etwa bei umweltgefährdenden oder explosiven Medien, steht der Sicherheitsgewinn im Vordergrund.“

Wasser ist als technisches Medium in der Industrie unverzichtbar, ob in Form von Kühlwasser, als Transportmedium, als Lösemittel, als Prozesswasser in den unterschiedlichen Qualitäten, als Brauchwasser, in enthärteter oder vollentsalzter Form bis hin zum Reinstwasser in der Pharmaindustrie. Das industrielle Wassermanagement erfordert jedoch je nach Branche, Anwendung und Standort ganz individuelle Konzepte für die jeweiligen Unternehmen.

Membranpumpen zur Wasseraufbereitung

Für eine effiziente Wasseraufbereitung sind in den letzten Jahren Membranen immer wichtiger geworden – mit guten Gründen: Membrananlagen arbeiten vollautomatisch und kontinuierlich. Hinzu kommt, dass die Materialien kostengünstiger und effektiver wurden, während der erforderliche Druck und damit der Energieeinsatz deutlich gesunken ist. Einige Anbieter von Membrananlagen sind dazu übergegangen, ihre Anlagen zu standardisieren. Diese Plug-and-play-Lösungen erfordern durch den Seriencharakter einen geringeren fertigungstechnischen Aufwand. Sie werden sowohl für die Aufbereitung von Brauchwasser und Trinkwasser als auch zur Behandlung von Abwasserteilströmen im industriellen Bereich angeboten. Die vorgefertigten Anlagen können außerdem mit wenigen Handgriffen angeschlossen werden.

Die KNF Neuberger GmbH kann auf mehr als 60 Jahre Erfahrung in der Membranpumpenfertigung verweisen. Mit der neuen Signalfarbe Grün will das Unternehmen die Sonderstellung unterstreichen, die die Membranpumpen mit einer Förderleistung von bis zu 300 l/min auf Schlüsselpositionen in der Prozessindustrie einnehmen. Die Pumpenköpfe dieser hoch spezialisierten Pumpen wurden konstruktiv und werkstoffseitig optimiert. Damit reagierte das Unternehmen auf härtere Einsatzbedingungen, mit denen sich die Prozessindustrie auseinandersetzen muss. Auch den steigenden Effizienzanforderungen wird der neue Standard gerecht.

Von der Messgaspumpe für die Prozessgasanalytik über die Emissionsüberwachung und die Förderung explosiver Prozessmedien bis hin zur Rückgewinnung wertvoller Gase: Dort, wo Sicherheit wichtig ist und besonders präzise und zuverlässig gearbeitet werden muss, kommen die hoch spezialisierten und langlebigen Pumpen zum Einsatz. Bei der Emissionsmessung gewährleisten sie etwa ein gleichbleibendes Volumen an Messgas, um eine Verfälschung der Messergebnisse auszuschließen. Die Prozessmedien können dabei bis zu 240 °C heiß sein. Höchstleistungen erbringen die Pumpen auch bei Evakuierungs- und Komprimierungsprozessen.

Wartung und Service mit geringem Aufwand

Um Stillstandszeiten so gering wie möglich zu halten, wird eine effiziente Wartung immer wichtiger. Darauf reagiert auch die Firma Netzsch. Auf der Achema wird das Unternehmen die Nemo-Exzenterschneckenpumpen vorstellen, die gemäß dem Prinzip „Full Service in Place“ (FSIP) der Tornado-Drehkolbenpumpe überarbeitet wurden und sich jetzt in einem wartungsfreundlichen Design präsentieren. „Netzsch bietet als erster Exzenterschneckenpumpen-Hersteller den vollen Zugriff auf alle rotierenden Teile der Pumpe und setzt damit auf dem Markt einen Benchmark. Nachdem vor drei Jahren das FSIP-Konzept für Tornados vorgestellt wurde, wird das Thema Wartungsfreundlichkeit nun auch für Nemo-Pumpen umgesetzt“, heißt es aus dem Unternehmen.

Mit „Full Service in Place“ ist es dem Benutzer der Pumpe vor Ort möglich, durch bequemes Öffnen des Pumpenraums alle rotierenden Teile zu demontieren und wieder einfach zu montieren, ohne die Pumpe aus der Rohrleitung nehmen zu müssen. Dieses Konzept wurde nun auch bei der Exzenterschneckenpumpe realisiert: Nach dem Öffnen des neu konstruierten Inspektionsdeckels am Pumpengehäuse lässt sich die Rotor-Stator-Einheit einfach herausheben. Das reduziert laut Unternehmen deutlich die Wartungsdauer und den Montageaufwand.

Ob Industrie 4.0, Ressourceneffizienz oder Wartungsfreundlichkeit – die Pumpenhersteller haben eine breite Palette an Lösungen zu bieten. Auf der Achema können sich die Besucher darüber informieren. MM

* Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde ist Fachredakteurin für Wirtschaft und Technik in 99094 Erfurt, Tel.: (03 61) 78 94 46 95, info@bose-munde.de

(ID:43386916)

Über den Autor

Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde

Fachredakteurin für Wirtschaft und Technik