Kunststoff-Cluster Recycling von Hartkunststoffen optimierbar – doch der Ölpreis diktiert mit

Redakteur: Peter Königsreuther

Wertvolle Rohstoffe wieder wirtschaftlich wieder zu verwerten ist ein wirksamer Hebel, um die Ziele der Nachhaltigkeit zu erreichen. Das gilt auch für Kunststoffe. Vier Unternehmen des sogenannten KC Kunststoff-Cluster aus Österreichen, sind nun dem Optimium bei der Rezyklierung von Post-Consumer-Abfällen näher gekommen.

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Hartkunststoffe besser rezyklieren: an der Nutzbarmachung des Polystyrol-Anteils wird bei Innplast weiter gearbeitet. Hans Grubmüller, Geschäftsführer von Innplast, bei der Besichtigung des PS-Granulats an der Extrusionsanlage.
Hartkunststoffe besser rezyklieren: an der Nutzbarmachung des Polystyrol-Anteils wird bei Innplast weiter gearbeitet. Hans Grubmüller, Geschäftsführer von Innplast, bei der Besichtigung des PS-Granulats an der Extrusionsanlage.
(Bild: Innplast)

Das Rezyklieren von Kunststoff-Prozessabfällen (Post-Industrie-Ströme) ist mittlerweile Standard. Bei der Verwertung von Post-Consumer-Abfällen (etwa aus den Altstoff-Sammelzentren) sei das Optimum aber noch nicht erreicht. Das Know-how und die Technologie zur stofflichen Wiederverwertung sind zwar vorhanden, aber der Ölpreis ist mitbestimmend, in welchem Maße sie eingesetzt werden, wie der Kunststoff-Cluster erklärt.

War die Mühe etwa umsonst?

Dazu gehören großvolumige Teile aus „harten“ Kunststoffen, das heißt keine Folien oder kleinvolumige Verpackungen, wie Joghurtbecher oder PET-Flaschen, heißt es. Beispiele dafür sind Großbehälter für Flüssigwaschmittel, Wäschekörbe, Gartenmöbel, Kleiderbügel etc.. Rund 65 % dieser Fraktion besteht dabei aus Polyolefinen. Noch werde dieser Anteil aufgrund der suboptimalen Verwertungsmöglichkeiten nicht flächendeckend in den Sammelzentren gelagert. Trotzdem betragen die anfallenden Mengen allein in Oberösterreich bereits 1200 t pro Jahr.

Die in den Sammelzentren anfallende Hartkunststoff-Fraktion wird nach Aussage der Experten oft nur thermisch verwertet, sprich verbrannt. Denn derzeit gebe es für diese Fraktion von Sachgütern aus Kunststoffen nach dem Ende der Lebensdauer in Österreich kaum Wiederverwertungsmöglichkeiten. Das könnte dazu führen, dass die in manchen Sammelzentren mühevoll eingeführte gesonderte Sammlung dieser Fraktion in den Abfallzentren wieder eingestellt wird.

Der Inhalt des Projektes:

Der Hartkunststoff wurde geschreddert und die Polyolefine (rund 65 % dieser Fraktion) per Sink-Schwimm-Verfahren abgetrennt und gewaschen. Mittels verschiedener Anlagenkonzepte und Filtertechnologien, wurde auf Recycling-Versuchsanlagen daraus Regranulat hergestellt. Aus dem rezyklierten Material wurden unterschiedliche Bauteile gespritzt. Diese Bauteile wurden in ihren Eigenschaften mit Bauteilen, hergestellt aus Neuware, verglichen. Das Material wurde während des Prozesses immer wieder mechanisch, thermisch und rheologisch charakterisiert und bei Bedarf durch Zugaben modifiziert. Die daran beteiligten Projektpartner waren:

  • Die Transfercenter für Kunststofftechnik GmbH (www.tckt.at) ist Ansprechpartnerin für anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung in allen Bereichen der Kunststofftechnik und zudem akkreditiertes Prüflabor;
  • Die Innplast Kunststoffe GmbH (www.innplast.com) ist Full-Service-Partner der Industrie für Recycling und Recompounding und verfolgt als solcher den strategischen Ansatz, zunehmend auch Post-Consumer-Rezyklate wieder in der Industrie zum Einsatz zu bringen;
  • Die Erema Engineering Recycling Maschinen und Anlagen Ges.m.b.H. (www.erema.at) ist Weltmarktführer bei der Entwicklung und Produktion von Kunststoffrecycling-Anlagen und -Komponenten und hat besonderes Know-how und Erfahrungen im Bereich der Post-Consumer-Aufbereitung;
  • Das Spritzgießunternehmen Katzengruber Kunststofftechnik GmbH (www.katzengruber.at) bietet von der Festlegung der Rohstoffe über innovative Bauteil- und Werkzeugentwicklung bis zur fertigen Entwicklung von Systemlösungen alles an und hat zudem Erfahrung in der Verarbeitung von Regranulaten.

Expertise und Technologie entscheiden über Erfolg

Um diese brachliegenden Rohstoff-Ressourcen zu nutzen, haben diese vier Partnerunternehmen des Kunststoff-Clusters gemeinsam in einem Cluster-Kooperationsprojekt an einer Möglichkeit gearbeitet, wie diese Hartkunststoff-Fraktion stofflich sinnvoll aufgearbeitet und verwertet werden kann. Das Ergebnis des im Frühjahr 2016 abgeschlossenen Projekts liegt nun vor. Die gesamte Prozesskette von der Reinigung, Aufbereitung und Rezeptierung bis zur Herstellung neuer, hochwertiger Produkte im Spritzgießverfahren, wurde dabei technologisch dargestellt und optimiert. Letztendlich zeigte sich, dass das so hergestellte Regranulat nur geringfügigst schlechtere mechanische Eigenschaften als Neumaterial aufweist und als Ersatz für Neuware bestens geeignet ist, wie das Team betont. Mit diesem Wissen und der optimierten Prozesstechnologie könne die bis dato ungenutzte Fraktion also stofflich sinnvoll wiederverwertet werden.

Niedriger Ölpreis grätscht dazwischen

Klar habe sich aber auch gezeigt, dass die Wirtschaftlichkeit an den Preis der Neuware gekoppelt ist. Der aktuell niedrige Ölpreis macht folglich die stoffliche Verwertung dieser Fraktion – trotz nun vorhandenem Wissen und optimaler Technologie de facto fast unrentabel. Der Projektpartner Innplast arbeitet deshalb jetzt, wie es heißt, an der Nutzbarmachung des Polystyrol-Anteils dieser Fraktion weiter (Bild). Wenn die Anstrenung zum Erfolg führen sollte, dass parallel zu den Polyolefinen auch dieser Anteil verwertet werden kann, wäre auch in Zeiten eines niedrigen Ölpreises die Wirtschaftlichkeit gesichert. MM

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