Pressenretrofit Retrofit-Projekt macht 400-t-Presse fit für die Zukunft

Autor / Redakteur: Oliver Dörmann / M.A. Frauke Finus

Fit für die nächsten 20 Einsatzjahre: Bei einem umfassenden Retrofit-Projekt beim badischen Werkzeugbauer Fütterer modernisiert Neff Pressen eine 400-t-Presse, reduziert Stillstandzeiten und macht ein Update hinsichtlich aktueller Sicherheitsvorschriften.

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Im vollen Einsatz: Modernisierte 400-t-Presse nach erfolgreichem Retrofitting bei der Kleinserienfertigung.
Im vollen Einsatz: Modernisierte 400-t-Presse nach erfolgreichem Retrofitting bei der Kleinserienfertigung.
(Bild: Neff)

Im badischen Elchesheim-Illingen werden pro Jahr rund 30 Werkzeuge nach individuellen Kundenvorgaben gefertigt. Seit über drei Jahrzehnten hat die Fütterer Werkzeugbau GmbH mit der Konstruktion und Herstellung von hochwertigen Transfer-, Tiefzieh- und Folgeverbundwerkzeuge sowie von Prototypen und Prototypenwerkzeugen Erfolg am Markt. Insgesamt drei hydraulische Pressen kommen bei der Werkzeugfertigung zum Einsatz. Neben einer 150 t Presse mit 50 t Ziehkissen und einer Tischgröße von 900 mm auf 700 mm, eine weitere mit 40 t Stößelkraft. Die größte hydraulische Presse kommt aus dem Hause Neff: eine 400-t-Doppelständer-Ziehpresse mit 160 t Ziehkissen und einer Tischgröße von 1.500 mm x 1.200 mm. An dieser Presse wurden vor Kurzem eine umfangreiche Retrofit-Modernisierungsmaßnahmen vorgenommen, ausgeführt vom Karlsruher Pressenbauer Neff, mit dem das Familienunternehmen Fütterer bereits seit 1990 enge Kontakte pflegt.

Rechnet sich: Modernisierung statt Neuinvestition

Wo in vielen Unternehmen zunächst die Überlegung einer Neuanschaffung im Raum steht, war das für den Werkzeugmacher kein Thema. Mit einer Modernisierung der Bestandspresse wollte man diverse Schwachstellen eliminieren und Stillstandzeiten reduzieren. Wie bei vielen Bestandsanlagen kam es mit der Zeit häufiger zu Stillständen aufgrund von Elektronikproblemen, die Ersatzteilverfügbarkeit war nicht mehr gesichert und das Thema Unfallverhütung musste anhand aktueller Vorschriften überarbeitet werden. Herausforderungen, bei deren Umsetzung man einen versierten Partner benötigt. Die Wahl von Fütterer fiel auf Neff Pressen.

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Die Retrofit-Modernisierungsmaßnahmen beinhalteten im Detail den Austausch der SPS durch neue SPS-Steuerung Siemens S7 inkl. komplett neuem Bedienpanel in Form von Siemens SPS S7-1500 und Siemens TP1200 (12“ Touchpanel) mit vollständiger Pressenvisualisierung, dem kompletten Bedienpult inkl. Tragarmsystem und elektrischer Installationen. Zudem wurden die bestehenden Wegemess-Systeme für die installierten Achsen (Stößel und Ziehkissen) ausgetauscht. Nach der Demontage der alten Lichtschranken vorne und hinten erfolgte die Neuinstallation von modernen Lichtschranken. Diese dienen der Schutzfunktion mit Ausblendfunktion für überlange Werkzeuge. Die umfangreiche Pressen-Modernisierung beinhaltete zudem den Austausch hydraulischer Komponenten, neue Filter und Filterelemente sowie neue Schläuche. Defekte Verschraubungen und Hydraulikrohre sowie sicherheitstechnische „Muss-Komponenten“ in Bezug auf die Hydraulik-Ziehkissen-Funktion wurden gewechselt. Programmierung und Wiederinbetriebnahme erfolgte ebenfalls durch Hydrauliker und Programmierer von Neff.

„Unsere langanhaltende Partnerschaft basiert auf Vertrauen und Können. Neff hat das auch bei diesem Projekt wieder unter Beweis gestellt. Alle Vereinbarungen wurden eingehalten, sowohl in zeitlicher als auch in finanzieller Hinsicht“, fasst sich Christian Fütterer nach erfolgreichem Projektabschluss zusammen. Im Interview verrät er, dass noch ein weiterer Anbieter angefragt wurde. Dessen Angebot entsprach aber weder den Anforderungen noch den Erwartungen der Werkzeugbauer. „Das mag daran gelegen haben, dass es sich nicht um eine eigene Presse des Anbieters handelt“, erklärt Christian Fütterer. Neff wiederum war zwar bei diesem Projekt an der eigenen Anlage tätig, wäre aber aufgrund seiner Expertise auch in der Lage, umfassende Retrofit-Maßnahmen an Fremdfabrikaten vorzunehmen. Dies hat Neff in zahlreichen Referenzprojekten darstellen können.

Einsatz bei der Werkzeugerprobung und Kleinserienfertigung

Nach dem Umbau wird die modernisierte Neff bei Fütterer wieder zuverlässig zur Erprobung von Werkzeugen eingesetzt. Auch Kleinserien als Auftragsfertigung erfolgen nun wieder an der modernisierten Presse. Kundenindividuelle Fertigung, runtergebrochen auf kleinste Stückzahlen je nach Kundenwunsch, ist die Spezialität von Fütterer. Christian Fütterer sieht die Hauptkompetenzen des Unternehmens vor allem in der Methodenplanung und der Konstruktion der Werkzeuge. In den meisten Fällen schlagen die Kunden mit einer ersten Idee für ein Werkstück beim badischen

Werkzeugbauer auf. Und Fütterer bietet das notwendige Know-how, um daraus am Ende das passende Werkzeug zu fertigen. Das entsprechende Leistungsportfolio erstreckt sich von der Produktentwicklung und Machbarkeitsanalyse über Umformsimulation und Optimierungen bis hin zur Erprobung des Werkzeugs. Letzter Leistungspunkt ist die Spezialität der Neff-Presse, die nun einem Retrofit unterzogen wurde.

Mindestens weitere 20 Einsatzjahre prognostiziert

„Wir gehen davon aus, dass wir mit dem guten Stück bestimmt die nächsten 20 Jahre problemlos bestreiten können“, meint Christian Fütterer. „Wir verlassen uns dabei auch auf den Service von Neff, der dafür sorgt, dass alles wie geschmiert verläuft.“ Oliver Dörmann, Geschäftsführer der Walter Neff GmbH, sieht genau darin einen wichtigen Leistungsbaustein für die Zukunft: „Mit intelligenten Servicekonzepten verschaffen wir unseren Kunden die notwendige Flexibilität und Sicherheit. Wir freuen uns, dass wir unseren langjährigen Partner Fütterer Werkzeugbau damit bereits überzeugen konnten.“

Auch wenn dem Fütterer Geschäftsführer eine Antwort auf die Frage nach den Herausforderungen der Zukunft wie ein Blick in die vielzitierte Glaskugel vorkommt, so hat das Unternehmen doch gewisse Entwicklungen bereits vor Augen. Laut Fütterer wird es für die Werkzeugbauer bei den Automobilisten eher wieder mehr zu tun geben als in der nahen Vergangenheit, da diese jetzt mit verschiedenen Antriebskonzepten im Markt sind. Dieser Trend wird sich auch auf die Anzahl der Werkzeuge auswirken. Zwar hat jedes Modell dann weniger Stückzahlen, aber das sei hinsichtlich der Werkzeuge eher egal. „Gedanken machen müssen wir uns bezüglich der Automatisierung bei Losgröße 1. Das wird auf jeden Fall eine der nächsten Herausforderungen sein. Und ein wenig weiter nach vorne gesehen wird das Thema 3D-Druck bestimmt auch eine Rolle bei uns einnehmen“, wagt Christian Fütterer am Ende unseres Interviews doch einen Blick in die Zukunft Werkzeugfertigung bei Fütterer im badischen Elchesheim-Illingen.

Full Service weiterhin gefragt

Hinsichtlich der Kunden zeichnet sich schon länger ein Trend ab. Lange Zeit arbeitete das Unternehmen Fütterer schwerpunktmäßig innerhalb der Automobilzuliefererkette im Bereich der Tier1-Supplier. Der Wandel in der Fertigung schlug auch hier zu Buche. Heute macht die ehemalige Fokusbranche noch etwa 10 Prozent des Umsatzes aus, ein weiterer Kundenkreis wurde über die Jahre im Bereich der Bauindustrie aufgebaut. Fällt die Wahl der Kunden auf den badischen Werkzeugbauer, so ist dies vor allem dem Full-Service-Angebot von der Konstruktion bis zum final erprobten Werkstück geschuldet. Bei den Kunden besonders geschätzt: die zuverlässige kompetente Umsetzung bei den Werkzeugspezialisten.

Mehr Effizienz im Presswerk

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