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Produktpiraterie

RFID-basierter Markenschutz beugt der Produktpiraterie wirksam vor

| Autor/ Redakteur: Thomas Völcker /

Fälschungen und Manipulationen bedrohen heute alle namhaften Markenhersteller. Wer sich vor der Produktpiraterie wirksam schützen will, braucht innovative Originalitätsschutzlösungen, die eine manipulations- und fälschungssichere Kennzeichnung der Produkte ermöglichen. RFID spielt dabei eine immer größere Rolle und schafft wertvolle Zusatznutzen.

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Der gezielte Einsatz von Transpondern kann helfen, signifikante Effzienzsteigerungen in Warenströmen und Lagerlogistik zu erzielen. Bild: Schreiner Prosecure
Der gezielte Einsatz von Transpondern kann helfen, signifikante Effzienzsteigerungen in Warenströmen und Lagerlogistik zu erzielen. Bild: Schreiner Prosecure
( Archiv: Vogel Business Media )

Global agierende Fälscherbanden haben heute alle Industriezweige im Visier. Der wirtschaftliche Schaden für die Markenhersteller beläuft sich allein in Deutschland auf rund 30 Mrd. Euro im Jahr. Gut 4,5 Mrd. Euro davon, so schätzt der VDMA, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer, in einer aktuellen Studie, entfallen auf die technische Industrie. Ein signifikanter Umsatz- und Ertragsverlust, der die Innovationskraft der Unternehmen schwächt und hierzulande jährlich bis zu 70 000 Arbeitsplätze gefährdet.

Produktpiraterie trifft gut positionierte Hersteller am meisten

Dabei gilt: Je besser ein Hersteller am Markt positioniert ist, desto stärker läuft er Gefahr, Opfer von Plagiaten, Totalfälschungen oder Gebrauchsmusterverletzungen zu werden. Die wirtschaftlichen Verluste durch den illegalen Nachbau und Vertrieb sind jedoch erst der Anfang einer unkalkulierbaren Risikospirale.

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Werden Originalprodukte im großen Stil gefälscht, ist die Folge nicht selten ein allgemeiner Vertrauensverlust für die Marke. Hinzu kommen massive Haftungsprobleme. Kann die Fälschung nicht gerichtssicher bewiesen werden, haftet der Markeninhaber für alle Schäden aus dem Produkt.

Gefälschte Produkte meist von minderwertiger Qualität

Dabei setzen gerade Fälscher gern minderwertige und gesundheitsschädliche Stoffe ein. Materialschwächen, plötzliche Fehlfunktionen und mangelnde Produktsicherheit sind die Folgen. Hier geht es nicht mehr nur um die Reputation und die wirtschaftliche Existenz des Markenherstellers, sondern um Leib und Leben der Kunden.

Ein ebenso umfassender wie intelligenter Originalitäts- und Fälschungsschutz ist in einer globalisierten Weltwirtschaft deshalb wichtiger denn je. Er schützt den Hersteller und seine Kunden, stärkt das Vertrauen zu den Produkten und steigert so den Wert der Marke. Doch welche Lösungen passen zu welchen Produkten, Vertriebswegen und Unternehmensstrukturen?

Schutz vor Produktfälschungen beginnt mit der Risikoanalyse

Wer Nachahmungen, Plagiate oder Fälschungen erfolgreich bekämpfen will, braucht zunächst eine ganzheitliche Risikoanalyse. Erst sie schafft die Basis für gezielte Maßnahmen über die gesamte Produktions- und Wertschöpfungskette hinweg. Denn moderne Kennzeichnungslösungen können gleich drei Funktionen erfüllen. Sie sorgen für:

  • Schutz vor Produktfälschungen,
  • Rückverfolgbarkeit und
  • Manipulationsschutz.

Welcher Aspekt bei der jeweiligen Lösung im Vordergrund steht, hängt vom Produkt, seinen Vertriebswegen und der Aufgabenstellung des Kunden ab. Dabei sollten grundsätzlich alle Merkmale zu einem maßgeschneiderten Sicherheitssystem kombiniert werden. Nur so lassen sich Produkt und Marke wirksam schützen. Eine Herausforderung, die ein hohes Maß an Professionalität und Erfahrung voraussetzt.

Produktpiraten kopieren Sicherheitsmerkmale mit

Denn Sicherheitsetiketten müssen dauerhaft beständig sein gegen chemische und mechanische Einflüsse. Zugleich sollen sie eine zuverlässige Echtheitsüberprüfung durch Laien und Experten ermöglichen. Deshalb werden zum Schutz vor Fälschungen gerne offene Sicherheitsmerkmale wie Hologramme eingesetzt. Das Problem: Produktpiraten fälschen die optisch attraktiven Erkennungsmerkmale heute gleich mit.

Für einen ausreichenden Kopierschutz sorgt deshalb erst die Kombination unterschiedlicher offener, verborgener und forensischer Merkmale. Das Spektrum der technischen Möglichkeiten ist groß. Es reicht von Kippfarben über lasergravierbare Folien und spezielle Farben, die erst unter UV- oder IR-Licht sichtbar werden, bis hin zu Micro-Taggants oder digitalen Wasserzeichen.

Bei vielen technischen Komponenten muss der Hersteller zudem sicherstellen, dass die Verpackung und damit das Produkt den Anwender unversehrt erreicht. Jede nachträgliche Manipulation an elektronischen Bauteilen oder Systemen soll zuverlässig angezeigt werden.

Void-Siegel sichern Verpackungen und elektronische Waren

Void-Siegel sind dabei das Mittel der Wahl. Mit ihnen lassen sich Verpackungen und auch sensible Hardware wie elektronische Datenspeicher zuverlässig und manipulationssicher versiegeln. In Verbindung mit holographischen Designelementen und anderen Sicherheitsmerkmalen wird jeder Kopierversuch erfolgreich unterbunden. Dank spezieller Sicherheitsfolien und abgestimmter Klebstoffe können heute selbst Angriffe mit Lösemitteln oder starker Wärme erfolgreich abgewehrt werden.

Angesichts globaler Produktions- und Vertriebswege gewinnt die Rückverfolgbarkeit der Produkte über die gesamte Distributionskette immer mehr Bedeutung. Hier kommen innovative Logistiksiegel zum Einsatz, die Fälschungsschutz und logistische Tracingfunktionen intelligent miteinander verbinden (Bild 1). Ein Aufgabengebiet, auf dem sich die Radio-Frequenz-Identifikation (RFID) zunehmend etabliert.

Originalitätsschutz und Sicherheit durch RFID-Einsatz

Die RFID-Technologie ermöglicht eine vollautomatische Echtheits- und Funktionsüberwachung durch berührungslosen Datenaustausch. Dazu werden sogenannte Smart-Label auf das Produkt aufgebracht. Ausgestattet mit individuellen Sicherheitsmerkmalen, verfügen sie zusätzlich über einen passiven Transponder. Um die auf ihm gespeicherten Daten auslesen und neu schreiben zu können, gehören zu jedem RFID-System passende Schreib- und Leseeinheiten, so genannte Reader. Letztere sind über eine physikalische Schnittstelle mit dem EDV-System des Kunden verbunden.

Das Prinzip der RFID-Technik funktioniert ebenso einfach wie wirksam: Mit Hilfe magnetischer Felder oder elektromagnetischer Wellen werden Daten zwischen Reader und Label berührungslos ausgetauscht. Je nach Arbeitsfrequenz kann die Lesereichweite dabei mehrere Meter erreichen. Ein Sichtkontakt zwischen Transponder und Lesegerät ist nicht erforderlich. Die Daten können durch verschiedene Materialien hindurch gelesen und geschrieben werden.

Was so einfach klingt, erfordert im konkreten Einzelfall jedoch das Know-how und die Erfahrung zweier Spezialisten. Denn die Sicherheitsanforderungen eines Labels müssen ebenso wie der Transponder selbst exakt auf die jeweilige Einsatzumgebung abgestimmt werden (Bild 2).

Schreiner Prosecure arbeitet als Spezialist für den Originalitätsschutz deshalb intensiv mit dem Schwesterunternehmen Schreiner Logidata zusammen, dem RFID-Experten der Schreiner Group. Gemeinsam entwickeln die beiden Kompetenzzentren passgenaue Lösungen.

RFID-Transponder-Labels werden beim Ablösen zerstört

So sorgen bei hoher Manipulationsgefahr etwa spezielle Anstanzungen und Klebstoffe dafür, dass die Funktionalität der Transponder-Labels bei jedem Ablöseversuch zerstört wird. Um die Datenträger auch vor rauen Umwelteinflüssen zu schützen, werden RFID-Label mit einer Polyurethanharz-Beschichtung versehen. So halten sie selbst salzigen Lösungen, Wind und Wetter oder Schmierölen jahrelang stand (Bild 3).

Eine weitere Herausforderung ist der Einsatz von Transponder-Labels auf metallischen Untergründen, wie sie in der technischen Industrie an der Tagesordnung sind. Auch diese Schwierigkeit lässt sich durch einen speziellen Materialaufbau der Labels lösen, so dass eine störungsfreie Datenerfassung mit hochfrequenten Transpondern (13,56 MHz) sichergestellt ist.

Tracing macht aus jedem Produkt ein Unikat

Die meisten Transponder verfügen über eine Identifikationsnummer, die weltweit nur einmal existiert. Dadurch lässt sich jedes Objekt eindeutig kennzeichnen. Mehr noch: Die Kombination dieser Unique-ID mit der neuartigen Tracing-Lösung Keysecure von Schreiner Prosecure macht aus jedem Produkt ein geschütztes Unikat. Denn Keysecure generiert für jedes Objekt einen komplexen Sicherheitscode, der im Chip des Smart Labels gespeichert und zusätzlich sichtbar aufgedruckt werden kann.

Mit diesem Code können der Handel und sogar der Anwender selbst anschließend jederzeit per Internet verifizieren, ob es sich bei dem Produkt um ein Original handelt oder nicht. Beim Aufruf der Authentifizierungsseite lassen sich dem Anwender zusätzlich beliebige Informationen vermitteln – ein innovativer Weg für Marketing- und Kundenbindungsmaßnahmen. Keysecure kann in jedes Sicherheitsetikett integriert werden. Schreiner Prosecure implementiert das Komplettsystem und betreibt das Hochsicherheits-Rechenzentrum, in dem die Codes generiert und authentifiziert werden.

Doch das ist erst der Anfang: Ausgestattet mit der RFID-Technik erhöhen die Hochsicherheitslabels nicht nur den Originalitäts- und Markenschutz, sondern optimieren auch die Produktions- und Logistikprozesse selbst. Jedes mit den Labels gekennzeichnete Bauteil wird von stationären oder mobilen RFID-Lesegeräten an wichtigen Schnittstellen identifiziert. Mit Hilfe der auf dem Transponder gespeicherten Daten lassen sich einzelne Produktionsschritte dann effizienter durchführen und steuern. Zudem erhöht das dezentrale Speichern der Produktionsinformationen die Ausfallsicherheit und senkt die Fehlerquote.

RFID-Transponder steuern passiv Produktionsprozesse

Wie das funktioniert? Der Transponder speichert technische Daten und steuert damit passiv die Produktionsprozesse. Erst wenn ein Bauteil mit Hilfe des Chips als Original identifiziert wurde, wird es von den Maschinen zur Weiterverarbeitung akzeptiert. Die Anlage liest dazu die Daten aus und nutzt sie sogar, um die Systemeinstellungen der Anlage vollautomatisch auf das jeweilige Bauteil zu kalibrieren.

Mehr noch: Mit der Transponder-Technik lassen sich wichtige Informationen wie Wartungsintervalle, Reparaturdienste oder Garantieansprüche direkt am Objekt dokumentieren. Moderne Verschlüsselungstechniken verhindern dabei jeden nicht legitimierten Zugriff auf vertrauliche Daten.

In der Summe lässt sich also mit RFID eine Vielzahl an Funktionen erfüllen wie:

  • Logistiksteuerung,
  • Produktionssteuerung,
  • Prozesssteuerung,
  • Dokumentationsnachweis,
  • Garantienachweis,
  • Reparaturnachweis,
  • Wartungsnachweis,
  • Sicherheitszertifikat,
  • Inventarisierungsvereinfachung,
  • Qualitätssicherung.

Daraus resultiert ein Portfolio möglicher Einsatzgebiete in der Industrie, auf denen RFID in Zukunft für noch mehr Wirtschaftlichkeit, Transparenz und Sicherheit sorgen können wird.

Thomas Völcker ist Vertriebs- und Marketingleiter bei Schreiner Prosecure, einem Geschäftsbereich der Schreiner Group GmbH & Co. KG in 85764 Oberschleißheim.

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