Beschichtungen

Richtige Beschichtung erweitert die Einsatzmöglichkeiten

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Kunststoff bringt Antihaft-Eigenschaften

Sollen die Schichten obendrein Antihaft-Eigenschaften mitbringen, kommen Kunststoffe ins Spiel. PTFE (Polytetrafluorethylen) ist seit langer Zeit unter dem Namen Teflon bewährt. Auch für den Korrosionsschutz gegenüber Chemikalien sind Fluorkunststoffe verwendbar. Der Hersteller Hüni + Co. aus Friedrichshafen hat dazu ein Beschichtungsverfahren unter der Bezeichnung Proco–E-CTFE auf den Markt gebracht. Es basiert auf dem Fluorcopolymer E-CTFE (Ethylen-Chlortrifluorethylen). Auch das Beschichtungsverfahren Proco–PFA 7000 gehört in diese Gruppe, es beruht auf dem fluorierten Kunststoff PFA (Perfluor­alkoxy).

Die mechanische Beanspruchung einer Kunststoffbeschichtung resultiert meist aus dem abrasiven Produkt, welches über die Beschichtung fließt, rieselt oder auch rutscht. Aber auch kurze Reinigungsintervalle, zum Beispiel vom Produktwechsel einer Fertigungsanlage bedingt, können die Beschichtung mechanisch beanspruchen.

Für eine längere Standzeit bei mechanischer Beanspruchung bietet Hüni jetzt das Verfahren Proco-PFA 7152. Es bettet Keramikpigmente in den Kunststoff PFA ein. Diese Partikel sind deutlich härter als die Kunststoffmatrix und erwirken damit eine geringere Abnutzung, speziell bei Schlupf.

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Geht es um komplexe Geometrien, verweist Hüni auf sein Verfahren Proco-PFA 9000. Es basiert ebenfalls auf dem fluorierten Kunststoff PFA (Perfluoralkoxy), doch ist die maximal zulässige Betriebstemperatur bei den meisten Medien deutlich höher. Mit circa 400 bis 1000 µm Schichtdicke und einer D-Shorehärte von etwa 60 ist laut Hersteller eine relative Schlagfestigkeit gegeben, wie sie im Betriebsalltag benötigt wird. Das Beschichtungsverfahren zeichnet sich dadurch aus, dass es auch für komplexe Werkstücke genutzt werden kann, ohne Einbußen in der Oberflächenstruktur oder Porenfreiheit.

Auch die AHC-Gruppe expandiert in Richtung Kunststoffbeschichtungen. Deren Muttergesellschaft, die niederländische Aalberts Industries, hat zu Jahresanfang die Impreglon Surface Engineering in Kaufbeuren übernommen. Das Unternehmen bietet ein seriensicheres Beschichtungsverfahren namens Safecoat an: Mittels Fluorpolymeren können Anhaftungen an Bauteilen verhindert werden. Die Beschichtungen sind bis etwa 280 °C temperaturbeständig und verfügen über eine FDA-Zulassung, wie AHC Oberflächentechnik in Kerpen mitteilt. Damit sind sie auch in der Lebensmittelindustrie einsetzbar. Safecoat wird zudem in Lkw- und Busmotoren eingesetzt. Eine vollautomatische Anlage appliziert einen Schutzlack im Innenbereich des Druckguss-Motorbauteils. Dieser sorgt für mehr Funktionsschutz bei schwefelhaltigen Abgasen und für eine Reduzierung von Verkokungen in der Motoren- und Abgastechnik.

Individuelle Beschichtungsmöglichkeiten

Wie groß die Möglichkeiten bei solchen Kunststoffbeschichtungen sind, verdeutlicht Henk Schreuder, Geschäftsführer des niederländischen Unternehmens Coatinc Anox, auf Anfrage von MM MaschinenMarkt: „Wir haben Nituff, eine PTFE-Imprägnierung von anodischen Schichten, auf den Markt gebracht. Doch dieser Schritt ist nur einer in der gesamten Prozesskette. Wenn wir zum Beispiel chemisch polieren, verbessern wir die Antihafteigenschaften und die Reinigungsfähigkeit. Wenn wir mechanisch strahlen und eine sehr matte Oberfläche schaffen, verbessern wir die Fingerabdruckeigenschaften.“

Denn das Anodisieren ist nach seinen Worten kein Ein-Schritt-Prozess: Es beginnt bei der Auswahl des Aluminiums und geht weiter über die Bearbeitung, die mechanische Vorbehandlung, das Aufspannen, die Maskierung, die chemische Vorbehandlung, die Art des Anodisierprozesses, die Farbgebung bis hin zum letzten Schritt, der Versiegelung. Für jeden Schritt gibt es verschiedene Optionen und Einstellungen, die alle das Endergebnis beeinflussen. „Da jeder Schritt sorgfältig auf die Bedürfnisse des Endanwenders abgestimmt ist, gibt es Millionen von Behandlungen“, sagt Schreuder. Das gelte auch für andere Beschichtungsverfahren. „Andere Beschichter haben einen stabilen, zertifizierten Prozess, den der Kunde wählen kann. Coatinc Anox passt seinen Prozess kontinuierlich den Bedürfnissen des Kunden an. Jeder hat seine eigenen Anforderungen – das Anodisieren von Küchengeräten ist völlig verschieden von dem für Gebäudeelemente“, berichtet der Geschäftsführer. MM

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 Stéphane Itasse

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MM MaschinenMarkt