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Risiken managen

| Redakteur: Güney Dr.S.

Vor der Weitergabe des Risikos an den Versicherer sollte unbedingt eine Analyse der unternehmerischen Gegebenheiten erfolgen. Das Wort Risiko leitet sich vom frühitalienischen...

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Vor der Weitergabe des Risikos an den Versicherer sollte unbedingt eine Analyse der unternehmerischen Gegebenheiten erfolgenDas Wort Risiko leitet sich vom frühitalienischen „risicare“ ab, was „wagen“ bedeutet, und dem gemäß meint Risiko auch eher eine Wahlentscheidung als etwas Schicksalhaftes. Oder: Risiko ist die Gefahr, einen Schaden oder Verlust zu erleiden.Ein Unternehmer weiß, dass er alle Entscheidungen unter den Bedingungen der Unsicherheit über die Zukunft trifft. Und die Informationen, die diesen Entscheidungen zu Grunde liegen, sind zum Teil unrichtig. Der Risikoweitergabe an den Versicherer sollte empfehlenswerterweise die Risikoanalyse des Risikopotenzials eines Unternehmens vorweg gehen. Prämien für betriebliche Versicherungen reduzieren den Gewinn des Unternehmens. Deshalb ist zu klären, welche Gefahren dem Betrieb drohen und welche Versicherungen bereits bestehen. Das Analyseergebnis ist geeignet, Deckungs-Lücken aufzuzeigen. Neben der Möglichkeit einen Makler oder Generalagenten zu Rate zu ziehen, wird in diesem Zusammenhang auch der unabhängige Versicherungsberater erwähnt. Der Versicherungsberater wurde Anfang der neunziger Jahre im Rechtsberatungsgesetz (RBerG) verankert und wird gerichtlich zugelassen. Dass RBerG bildet auch die Grundlage für die Zulassung von Rechtsanwälten, Rentenberatern und anderen. Im Vordergrund steht die objektive, von geschäftlichen Interessen unabhängige, vertrauensvolle Versicherungsberatung seiner Kunden.Bevor es losgeht: Unternehmenswert ermittelnEine Konzeption für betrieblichen Versicherungsschutz lässt sich nicht in wenigen Stunden erstellen. Der Aufnahme der Risiken folgt die Analyse und Bewertung der Schadenshöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit der festgestellten Risiken. Der Kreis schließt sich mit der Entscheidungsumsetzung und Rückkoppelung, also der Überwachung der umgesetzten Maßnahmen. Mit der Risikoanalyse spezieller Risiken, zum Beispiel in Unternehmen der Informationstechnologie, beauftragen Versicherer oftmals spezialisierte Beratungsunternehmen.Aber was ist mit den Chancen? Risiko-Management meint nicht nur den Sicherheitsbedarf des Unternehmens zu befriedigen. Unternehmerisches Risiko bedeutet auch Chancen auf Erfolg. Nur der Blick auf Versicherungsprämien (Kosten) oder den Schadensselbstbehalt genügt nicht. Entscheidend sind die Wechselbeziehungen zwischen Selbstbehalt und Prämiensatz. Immer sollte der Unternehmenswert im Vordergrund stehen.Für umfangreiche Risikotransferlösungen ist der "eva" zu ermitteln. Dabei können sich dann auch andere Lösungen ergeben, wie zum Beispiel die Anwendung von Bankprodukten oder Neugestaltung von Lieferantenverträgen und Ähnliches.„Es geht nicht darum, die Risiken zu eliminieren, denn das Unternehmensrisiko beinhaltet auch die Chance auf Erfolg, sondern diese erfolgreich zu beherrschen.“ Oder wie sagte Otto von Bismarck sinngemäß: „Nur ein Idiot glaubt, aus eigenen Erfahrungen lernen zu müssen. Ich dagegen lerne lieber aus den Erfahrungen anderer.“ Die Möglichkeit negativer, also ungünstiger Zielabweichungen lässt sich als Risiko (Wagnis) bezeichnen. Die systematische Auseinandersetzung mit Risiken, das Risiko-Management, geschieht in folgenden Schritten.- Die Risiko-Identifikation beleuchtet das Unternehmen von allen Seiten. Es geht um die Bestandsaufnahme aller Risiken.- Die Risiko-Bewertung meint die Bewertung der Risiken hinsichtlich der Risiko-(Schadens-)Höhe und der Eintrittswahrscheinlichkeit.- Die Risiko-Bewältigung meint geeignete Maßnahmen, die die Risikosituation günstig beeinflussen:Zur Risiko-Vermeidung gehört beispielweise das Verlassen verlust-reicher Märkte. Oder die Aufgabe von Produkten wegen unklarer Rechtslage, Nichtbelieferung zahlungssäumiger Kunden, die Einführung eines starken Forderungsmanagements oder der Handel von Forderungen am Kapitalmarkt (asset backed securities). Ein Beispiel für die Risiko-Minderung sind Serienschäden, die zu häufigen Reklamationen führen. Kaskoschäden des Fuhrparks beispielsweise und die Bildung von geeigneten Rückstellungen können selbst getragen werden. Das Risiko kann auch auf die Vertragsvereinbarungen übertragen werden. Risikomanagementsysteme sind bemüht, Risiken soweit wie möglich berechenbar zu machen. Unterschieden werden Hardfacts und Softfacts.Im Rahmen der auf die Wirtschaft zukommenden Basel II-Rating-Verfahren misst eine Bank die Bonität eines Kunden mit so genannten harten und weichen Faktoren. Auch die Managementqualität des Bankkunden wird beurteilt. Ein Beispiel für ein Risiko-Management-System (zum Beispiel Rating-Verfahren) ist das Balanced-Scorecard-Verfahren. Qualitative Risiken werden hier mit Hilfe einer Punktbewertung quantitativ messbar gemacht. Der Markt bietet verschiedene Softwareanwendungen an. Dazu gehört außer der Strategie auch eine ständige Pflege der qualitativen und quantitativen Kennzahlen sowie die Überwachung der Verantwortlichkeiten und der Lösungsumsetzung. Unternehmer müssen ihre Augen überall haben, damit sie den Wirren einer sich globalisierenden Welt die für sie wichtigen Informationen entnehmen können und rechtzeitig Untiefen im Weltmeer der Märkte umschiffen.Literatur[1] Johanntoberens, M.: Industrie-Haftpflichtversicherung und Risiko-Management. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag 2002.[2] Kröger, F. J.: Risikomanagement in mittelständischen Unternehmen. Norderstedt: BoD GmbH 2001.[3] Bitz, H.: Risikomanagement nach KonTraG,. Stuttgart: Schaeffer Poeschel Verlag 2000.[4] Peltzer, M.: Deutsche Corporate Governance. München: Beck juristischer Verlag 2003.[5] Gleißner, W. und K. Füser: Leitfaden Rating. München: Vahlen 2002.[6] Ziegenbein, K.: Controlling. Ludwigshafen: Kiehl 1995.[7] Müller-Reichart, M.: Dynamische Verfeinerung linearer Hypothesen. Versicherungswirtschaft, 5/2003.[8] Gleißner, W.: Mehr Wert durch optimierte Risikobewältigung. Zeitschrift für Versicherungswesen, Nr. 6/15. März 2001.[9] Dulgolecki, A.: Wenn nichts geschieht, droht der Kollaps, Versicherungswirtschaft, 1/2003.[10] Vogel, J.: IT-Versicherungen: Skizzen eines Risikos, Versicherungswirtschaft, Heft 10/2001.