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Metall- und Elektro-Industrie Risikofaktoren belasten Aussichten bayerischer Unternehmen

| Redakteur: Melanie Krauß

Die Konjunktur in der bayerischen Metall- und Elektro-Industrie zeigt sich aktuell in sehr guter Verfassung. Die Erwartungen für die Zukunft werden jedoch getrübt durch Protektionismus, Fachkräftemangel und Materialknappheit.

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Bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt (rechts).
Bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt (rechts).
(Bild: bayme vbm vbw)

Sowohl im Inland als auch im Ausland beurteilen die Firmen die Geschäftslage laut bayme vbm so gut wie noch nie seit Beginn der Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen im Jahr 2000. Das Inlandsgeschäft bewerten sie per Saldo mit +75 Prozentpunkten, das Auslandsgeschäft per Saldo mit +76 Prozentpunkten. Die Erwartungen haben sich hingegen eingetrübt und liegen per Saldo im negativen Bereich: für das Inlandsgeschäft bei -2 Prozentpunkten und für den Export bei -9 Prozentpunkten.

„Zahlreiche Risikofaktoren belasten die Aussichten unserer Unternehmen: Protektionismus, Fachkräftemangel und Materialknappheit werden zu echten Wachstumsbremsen“, erläuterte bayme vbm Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt.

Zwischen den Branchen ergibt sich ein differenziertes Bild: Während der Großteil der Elektronik- und IT-Unternehmen mit Optimismus auf die kommenden Monate blickt, zeigen sich insbesondere die Automobil- und Zulieferbetriebe skeptisch.

Wachstum findet im Ausland statt

Dazu passt, dass die inländischen Produktionspläne der Unternehmen an Dynamik einbüßen. Der entsprechende Saldo hat sich im Vergleich zum letzten Winter auf +16 Prozentpunkte mehr als halbiert. Gleiches gilt für die Investitionspläne, deren Saldo sich auf +15 Prozentpunkte halbierte. „Wir erwarten für 2018 im Inland lediglich einen Produktionsanstieg von einem Prozent und eine geringe Investitionsdynamik. Im Ausland sieht das anders aus: Der Saldo der Investitionspläne beträgt dort +40 Prozentpunkte. Das Wachstum findet dort statt“, so Brossardt.

Die bayerische M+E Industrie beschäftigt aktuell über 860.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so viele wie noch nie. In den ersten fünf Monaten wurden 9.000 Arbeitsplätze neu geschaffen. Bis zum Jahresende 2018 erwarten wir einen Zuwachs von insgesamt 20.000 Stellen. Und die Unternehmen wollen weiter Arbeitsplätze aufbauen. Rund jedes zweite plant im zweiten Halbjahr zusätzliche Fachkräfte einzustellen.

Gleichzeitig warnen die M+E Arbeitgeber vor dem wachsenden Arbeitskräftemangel. Bereits drei Viertel der Betriebe werden durch Fachkräfteengpässe in ihrer Produktions- und Geschäftstätigkeit beeinträchtigt, jeder vierte sogar erheblich. Gesucht werden vor allem Ingenieure, Informatiker und IT-Facharbeiter. „Der Fachkräftemangel bremst unser Wachstum“, erklärte Brossardt und fügte hinzu: „Jedes zweite Unternehmen hat bereits Produktionsverzögerungen. Rund 30 % unserer Unternehmen müssen Aufträge ablehnen. Das sind besorgniserregende Ergebnisse.“

Laut bayme vbm ist der Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Unternehmen wichtig für die Zukunft des Freistaats. Das internationale Umfeld bereitet aber Sorgen. So sehen 90 % der Unternehmen im Protektionismus die größte Beeinträchtigung für ihre Geschäftstätigkeit. „Ein Handelskrieg durch Zölle und weitere Beschränkungen wäre Gift für unsere Industrie. Wir bekennen uns daher klar zum Freihandel. Dieser bringt Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand – und zwar für alle“, betonte Brossardt.

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