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U. I. Lapp Robustes Kabel widersteht statischer Aufladung

| Autor/ Redakteur: Werner Körner / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Ein Stuttgarter Hersteller hat ein Kabel entwickelt, das nicht nur statischen Aufladungen widersteht, sondern auch abrasivem Bohrschlamm. Ein norwegisches Unternehmen setzt solche Kabel bereits auf seinen Ölbohrplattformen erfolgreich ein.

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Auf Bohranlagen können antistatische Kabel Gefahren von zündfähigen Atmosphären verringern.
Auf Bohranlagen können antistatische Kabel Gefahren von zündfähigen Atmosphären verringern.
(Bild: U. I. Lapp)

An Orten, wo Funken infolge statischer Aufladungen zur Katastrophe führen können, sorgen jetzt neue antistatische Leitungen von Lapp für mehr Sicherheit. Mögliche Einsatzorte sind zum Beispiel Ölbohrplattformen, Raffinerien oder Betriebe, die Holz oder Mehl verarbeiten. Aker Solutions, ein norwegische Unternehmen, setzt sie bereits auf seinen Ölbohrplattformen erfolgreich ein. Das Kabel vermeidet nicht nur statische Aufladungen, sondern widersteht auch Bohrschlamm. Der Stuttgarter Kabelhersteller ist weltweit der erste, der solche antistatischen Kabel anbietet.

Statische Aufladungen sind oft harmlos

Im Alltag sind solche statischen Aufladungen absolut harmlos. Es passiert, wenn man in einem trockenen Raum Hände schüttelt oder eine Türklinke berührt. Wie ein Nadelstich entlädt sich dann ein unsichtbarer Blitz und pikst in die Hand. Dabei können erhebliche Spannungen auftreten. Erst über 2000 V nehmen wir die Ladung überhaupt wahr, beim Laufen über einen Teppichboden in einem beheizten Raum lädt sich die Haut mitunter sogar auf bis zu 30.000 V auf.

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In industriellen Umgebungen, wo explosive Stoffe wie Öl, Gas, aber auch Holz- und Mehlstaub in der Nähe sind, kann so eine Entladung sehr gefährlich werden. Ein Zündfunke kann sogar von Kunststoffen ausgehen. So kann sich ein Kabelmantel durch Reibung aufladen und schlagartig entladen.

Um diesen Effekt zu vermeiden, waren bisher aufwendige Erdungsvorrichtungen notwendig, um die Ladungsansammlungen vom Leitungsmantel abzuleiten. Zum Beispiel durch Erdungsbänder an Maschinen oder durch Kleidung und Schuhe, die Aufladungen schnell ableiten.

Mit der neuen antistatischen Leitung der Stuttgarter Lapp-Gruppe, eines der führenden Anbieter von integrierten Lösungen und Markenprodukten im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie, sind diese Schutzmaßnahmen nicht mehr notwendig. Ein patentgeschütztes Mantelmaterial sorgt für die antistatische Wirkung.

Weniger Widerstand, hohe Ableitfähigkeit

Ein Material wird als ableitfähig bezeichnet, wenn der spezifische Widerstand mehr als 104 und weniger als 109 Ω beträgt. Die zweite wichtige Größe ist der Oberflächenwiderstand. Dieser muss zwischen 104 und 109 Ω liegen, gemessen bei 23 °C und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit, beziehungsweise zwischen 104 und 1011 Ω, gemessen bei 23 °C und 30 % relativer Luftfeuchtigkeit. Das legt die TRGS 727 fest, die sich mit der Vermeidung von Zündgefahren beschäftigt. Daraus folgt: Um zu vermeiden, dass sich die Ladungsträger auf den Kabeln sammeln, mussten die Lapp-Ingenieure eine Rezeptur entwickeln, die die Ableitfähigkeit erhöht beziehungsweise den Oberflächenwiderstand verringert.

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