VDMA Russland und Ägypten halten Großanlagenbau auf Kurs

Redakteur: Stéphane Itasse

Dank großer Aufträge aus dem Ausland hat sich der deutsche Anlagenbau 2015 stabilisiert. Die Bestellungen bei den Mitgliedsfirmen der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) lagen mit 19,5 Mrd. Euro in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (2014: 19,6 Mrd. Euro), wie der VDMA am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilt.

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Niedrige Rohstoffpreise, eine schwache Weltkonjunktur, regionale Konflikte und Wettbewerber aus Asien machen den deutschen Großanlagenbauern zu schaffen.
Niedrige Rohstoffpreise, eine schwache Weltkonjunktur, regionale Konflikte und Wettbewerber aus Asien machen den deutschen Großanlagenbauern zu schaffen.
(Bild: Linde Group)

„Angesichts des sehr volatilen Umfelds, das von niedrigen Rohstoffpreisen, einer schwachen Weltkonjunktur, starkem Wettbewerbsdruck und einer Vielzahl regionaler Konflikte geprägt ist, werten wir es als Zeichen besonderer Robustheit, dass der Großanlagenbau sich in Summe stabil behaupten konnte“, sagte Jürgen Nowicki, Sprecher der AGAB und der Geschäftsleitung der Linde AG Engineering Division, anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen Lageberichts.

Einzelne Großaufträge bringen keinen allgemeinen Aufschwung für den Großanlagenbau

Die Auslands-Auftragseingänge stiegen 2015 um 6 % auf 16,9 Mrd. Euro (2014: 15,9 Mrd. Euro). Dieser Zuwachs basiert im Wesentlichen auf Großaufträgen aus Ägypten für Kraftwerke und aus Russland für Chemieanlagen. Von einem allgemeinen Aufschwung könne im Exportgeschäft insofern keine Rede sein. Vielmehr hat sich der Abwärtstrend im Chinageschäft verfestigt und auch aus anderen asiatischen Schwellenländern wie etwa Südkorea und Malaysia gingen 2015 weniger Bestellungen ein als im Vorjahr. Schwach war die Nachfrage ferner in den meisten Ländern Europas.

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Steigende Buchungen meldeten die AGAB-Großanlagenbauer 2015 hingegen aus Brasilien, Indien, der Türkei und dem Mittleren Osten. Die Aufträge aus den USA haben sich dank anziehender Bestellungen für Gaskraftwerke auf hohem Niveau stabilisiert. Insgesamt nahm die Auslandsnachfrage nach Kraftwerken um 18 % zu. Mit 7,8 Mrd. Euro erreichte das Ordervolumen in diesem wichtigen Segment den höchsten Wert seit 2009.

Großanlagenbauer fordern Reform der Hermes-Deckungen

In diesem Zusammenhang fordert der Großanlagenbau eine Ausweitung der Hermes-Deckungen. Die Unternehmen konkurrierten mit Anbietern aus der OECD und zunehmend mit solchen aus Nicht-OECD-Staaten. Die Folgen der Internationalisierung in den Wertschöpfungsketten, die Änderungen in vielen nationalen förderpolitischen Ansätzen sowie die Zurückhaltung von Banken in der Vergabe von Krediten für Großprojekte zeigen laut Arbeitsgemeinschaft: Die Möglichkeit, attraktive Finanzierungen anzubieten, ist immer mehr zu einem Erfolgsfaktor im Projektgeschäft des Anlagenbaus geworden.

In vielen Ländern ist die staatliche Exportkreditversicherung im Hinblick auf die internationale Beschaffung von Leistungsbausteinen flexibler als hierzulande, was laut AGAB zu Wettbewerbsnachteilen für deutsche Unternehmen führt. Die radikalen Umbrüche verlangen nach einer Prüfung und daraus folgendem Wandel des staatlichen Instrumentariums. Besonders wichtig sind dabei die internationale Beschaffung und die Einbindung der Lieferumfänge ausländischer Tochtergesellschaften im Projektland selbst. „Die dritte Stufe des so genannten Drei-Stufen-Modells muss Auslandsanteile für Großprojekte nicht nur bis 49 %, sondern auch im Regelfall bis zu 75 % ermöglichen“, fordert Nowicki.

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