Schaeffler Schaeffler wächst – und baut Industrie-Sparte um

Redakteur: Stefanie Michel

Schaeffler konnte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2015 um 12,4 % im Vergleich zum Vorjahr wachsen. Dafür verantwortlich ist aber hauptsächlich die Sparte Automotive, während die Industrie-Sparte kränkelt. Das soll sich durch die geplante Neuausrichtung ändern.

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Klaus Rosenfeld: „Trotz der verhaltenen Entwicklungen im Industriebereich sind wir zuversichtlich, dass wir unsere gesetzten Jahresziele erreichen.“
Klaus Rosenfeld: „Trotz der verhaltenen Entwicklungen im Industriebereich sind wir zuversichtlich, dass wir unsere gesetzten Jahresziele erreichen.“
(Bild: Schaeffler)

Die Schaeffler Gruppe erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz in Höhe von 6,7 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Wachstum von 12,4 % gegenüber dem Vorjahr, ohne Währungsumrechnungseffekte 4,9 %. „Wir haben im ersten Halbjahr 2015 unseren profitablen Wachstumskurs fortgesetzt und sind nun sechs Quartale in Folge gewachsen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Schaeffler AG, Klaus Rosenfeld

Der wesentliche Treiber war erneut das Automotive-Geschäft. Mit einem Umsatzwachstum von 14,1 % im Vergleich zum Vorjahr (währungsbereinigt +6,9 %) übertraf die Schaeffler-Sparte Automotive deutlich das Wachstum der weltweiten Produktionsstückzahlen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (+0,8 %). Die Umsätze im Industriegeschäft konnten um 7,5 % zulegen. Das Wachstum wurde vor allem in der Region Greater China generiert, wo sich vor allem die hohe Nachfrage in der Branche Windkraft positiv auswirkte. Ohne Berücksichtigung von positiven Währungseffekten sank der Umsatz der Sparte Industrie um 0,8 %.

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Wachstumsmärkte Greater China und Amerika

Das höchste Umsatzwachstum erreichte die Schaeffler Gruppe in der Region Greater China mit einer Steigerung von 35,4 % (währungsbereinigt +12,0 %) gegenüber dem Vorjahr, gefolgt von der Region Americas, in der der Umsatz um 25,6 % (währungsbereinigt +11,6 %) zunahm.

Zwar konnte auch das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) in den ersten sechs Monaten 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Mio. auf 818 Mio. Euro ansteigen, doch konnte die EBIT-Marge gemessen am Umsatz mit 12,2 % nicht an den Vorjahreswert von 13,4 % anknüpfen. „Der Margenrückgang im ersten Halbjahr 2015 ist neben Sondereffekten im Zusammenhang mit Rechtsfällen und der geschäftsbedingt rückläufigen Marge in der Sparte Industrie auch auf unsere intensivierten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten und höhere Vertriebskosten zurückzuführen“, erklärte Finanzvorstand Dr. Ulrich Hauck. „Wir werden im zweiten Halbjahr verstärkt darauf achten, die Kostenentwicklung einzugrenzen und auf die weitere Umsatzentwicklung abzustimmen.“

In den ersten sechs Monaten 2015 erwirtschaftete die Schaeffler Gruppe einen Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit in Höhe von 422 Mio. Euro (im Vorjahr: -29 Mio. Euro).

Sparte Industrie soll neu ausgerichtet werden

Aufgrund der schon länger stagnierenden Geschäftsentwicklung der Sparte Industrie hat der Schaeffler-Vorstand beschlossen, ein Programm zur Neuausrichtung zu starten, um die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Dieses Programm namens „CORE“ soll ein verstärktes Umsatzwachstum, bessere Marktversorgung und Servicequalität, stärkere Kundenorientierung sowie Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen realisieren.

Konkret bedeutet das, dass Maßnahmen zur Optimierung des Produktportfolios und zur Verbesserung der Lieferfähigkeit getroffen werden, die die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen und Potenziale für weiteres Wachstum erschließen sollen. Dazu gehört unter anderem der Ausbau des hochvolumigen Standard-Wälzlagergeschäfts, insbesondere in Asien. Erste konkrete Maßnahme wird der globale Produkt-Relaunch der „GenC“-Kugellager sein. Ebenso Teil des Programms sind die Weiterentwicklung kundenspezifischer Produkte und Engineering-Lösungen sowie die aktive Gestaltung von Technologietrends wie etwa die Digitalisierung im Maschinenbau. Um den globalen Marktanforderungen Rechnung zu tragen, sollen zudem der Lokalisierungsanteil in den Hauptwachstumsmärkten schrittweise erhöht sowie die Reaktionsgeschwindigkeit am Markt durch eine optimierte Supply Chain gesteigert werden. Bereits initiierte Projekte wie das neue europäische Distributionszentrum in Kitzingen zur besseren Marktversorgung und Lieferfähigkeit werden konsequent fortgesetzt.

Standort Schweinfurt durch Bündelung von Zentralfunktionen gestärkt

Darüber hinaus soll der Vertrieb in den Regionen gestärkt und das operative Geschäft deutlich kundennäher ausgerichtet werden. Insbesondere in der Region Europa, zu der auch der Nahe und Mittlere Osten, Afrika und Indien gehören, bedeutet dies eine definierte Aufteilung der Verantwortlichkeiten zwischen den Funktionen in der Zentrale in Schweinfurt mit ihren übergeordneten strategischen Themenstellungen und den operativen Vertriebsfunktionen in den Regionen. Um die global tätigen Großkunden besser betreuen zu können, soll neben den regionalen Vertriebseinheiten das globale Key Account Management neu ausgerichtet werden.

Im Zuge dieser organisatorische Neuausrichtung geht auch eine Straffung der Organisations- und Führungsstruktur in den Zentralfunktionen sowie in den zentralen Produkt- und Anwendungsentwicklungseinheiten einher. Als Teil des Programms sollen insbesondere in Deutschland und Europa aus heutiger Sicht bis zu 500 Arbeitsplätze im Industriebereich bis Ende 2017 sozialverträglich abgebaut werden. Ein Teil der betroffenen Beschäftigten soll in anderen Unternehmensbereichen außerhalb der Industriesparte eingesetzt werden. Neben der natürlichen Fluktuation werden Aufhebungsverträge und Altersteilzeit-Maßnahmen angeboten. Betriebsbedingte Kündigungen oder Standortschließungen sind nicht vorgesehen. Der Standort Schweinfurt wird durch die dortige Zusammenführung und Bündelung von Zentralfunktionen für die Sparte Industrie und die Region Europa weiter gestärkt

Trotz der verhaltenen Zahlen in der Industrie-Sparte bestätigt das Unternehmen seine Prognose für das Jahr 2015. „Unser Automotive Geschäft läuft weiterhin sehr gut. Trotz der verhaltenen Entwicklungen im Industriebereich sind wir zuversichtlich, dass wir unsere gesetzten Jahresziele – eine Umsatzsteigerung von 5 bis 7 % auf währungsbereinigter Basis und eine EBIT-Marge von 12 bis 13 % – erreichen“, sagte Rosenfeld.

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