Lohnproblem Schiffbaukrise! Meyer-Werft überdenkt Produktionsstruktur

Autor / Redakteur: dpa / Peter Königsreuther

Die Geschäftsführung der Meyer-Werft erkennt im kriselnden deutschen Schiffbau auch schmaler werdende Perspektiven für einfachere Jobs, wie dpa erfahren hat. Das steckt dahinter.

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Die Meyer-Werft ist bekannt für ihre Kreuzfahrtschiffe. Doch wie dpa jetzt erfahren hat, erhöht die momentane Schiffbaukrise den Druck, mit Blick auf einfachere Jobs in diesem Metier. Deutschland scheint auch kein wirtschaftlicher Standort mehr zu sein.
Die Meyer-Werft ist bekannt für ihre Kreuzfahrtschiffe. Doch wie dpa jetzt erfahren hat, erhöht die momentane Schiffbaukrise den Druck, mit Blick auf einfachere Jobs in diesem Metier. Deutschland scheint auch kein wirtschaftlicher Standort mehr zu sein.
(Bild: Meyer-Werft)

Im Schiffbau werden einfachere Arbeiten bald kritisch, meint die Meyer-Werft. Denn beim derzeitigen Lohnniveau steige der internationale Wettbewerbsdruck so an, dass man ständig überlegen müsse, was man mit deutschen Löhnen noch verantworten könne und was nicht. Das jedenfalls äußerte Seniorchef Bernard Meyer der „Welt am Sonntag“, wie dpa erfahren hat. Die Folge: Bestimmte handwerkliche Aufträge werden verstärkt nach außen gegeben. Das betreffe einfache Arbeiten, wie sie für einen Schlosser oder Elektriker typisch seien. Anders sei das bei hoch qualifizierten Technikern, denn bei jenen bauen die Meyer-Werft auch Stellen auf. Das betrifft etwa den Konstruktionsbereich, heißt es genauer. Heute beschäftigt die Werft rund 1000 Ingenieure, doch das könnten in ein oder zwei Jahren 1200 sein.

Harter Seegang zwischen globalen Schiffbauern

Die heimischen Anbieter sind außerdem bereits seit längerem in einem harten Wettstreit mit Schiffbauern aus Fernost und mit staatlich kontrollierten Unternehmen aus anderen europäischen Ländern, merkt noch Meyer an. Und im Kreuzfahrtgeschäft, das für die Papenburger besonders wichtig ist, greift nun auch China an. Das erste große Kreuzfahrtschiff werde dort wohl 2025 fertiggestellt, schätzt der Seniorchef. Mancher deutsche Politiker werde noch sein Blaues Wunder erleben. Man müsse sich entscheiden, ob wir in Europa einen eigenen Schiffbau haben wollen, oder gleich die Segel streichen.

Angesichts mangelnder Aufträge erklärte Meyer die Auslagerung von Tätigkeiten an externe Unternehmen mit den Personalkosten: „Die Löhne, die wir den Beschäftigten für einfache Arbeiten zahlen, sind teilweise zu hoch. Insgesamt liegen sie rund 30 Prozent über dem Niveau anderer Länder in Europa.“

Kreuzfahrtflaute und Containermarktverlust

Zuletzt grub die Corona-Krise vielen Werften das Wasser unterm Kiel ab. Der Container-Handel aber boomt! Doch in diesem Segment genießen die deutschen Werften längst nicht mehr die früheren Marktanteile. Die sonst so zugkräftige Kreuzfahrtsparte rutschte 2020 bekanntlich stark ab – das nahezu auf null gefallene Tourismusgeschäft im ersten Pandemiejahr schlug sich nicht zuletzt indirekt auch bei Meyer nieder, heißt es dazu. „Wir gehen noch immer durch die größte existenzielle Krise, die ich je im Schiffbau erlebt habe", betonte Meyer im Gespräch mit der Zeitung. Das Arbeitsvolumen in seinem Unternehmen sei seit dem vergangenen Jahr um 40 Prozent gesunken. Und schon 2020 hätten Kreuzfahrt-Reedereien 20 Milliarden US-Dollar an Geld „verbrannt“, wozu in diesem Jahr noch einmal 10 Milliarden hinzukämen. Auf Neubestellungen könne man nicht vor 2023 für die Ablieferungsjahre 2026 und später hoffen.

Corona-Ende hieße volle Kraft voraus

Der Schiffbauer streicht allein in der Hauptsparte aufgrund der Corona-Folgen 450 von gut 3900 Arbeitsplätzen, berichtet dpa. Die Werftführung hatte zunächst geplant, mindestens 660 Stellen abzubauen. Nach einer internen Befragung der Belegschaft, die angeblich am Betriebsrat vorbeigegangen sei, hatte die IG Metall die Werftentscheider heftig kritisiert – auch Gewerkschafter aus anderen Unternehmen wie VW schalteten sich in den Streit ein, heißt es. Sollte die Pandemie unter Kontrolle kommen, schätzt Meyer die mittelfristigen Aussichten wieder besser ein: „Wenn wir Corona einmal bewältigt haben, wird die Nachfrage nach einer Kreuzfahrt groß sein.“

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