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Energieführungen

Schrittmacher mit hoher Lei(s)tungsdichte

| Autor/ Redakteur: Sabine Vogel / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Wer heute Energieführungen und ganze Systeme verkauft, muss wissen, wohin die Trends gehen. Was so simpel klingt, ist wegen knapperer Ressourcen ein Kraftakt, der außer technischem Know-how viel Fingerspitzengefühl und Weitsicht erfordert. Kosten senken, Leistung steigern, die Lebensdauer erhöhen und dabei den immer differenzierteren Anforderungen der Kunden gerecht werden, lautet das Credo.

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„Auch auf langen Verfahrwegen mit extrem hohen Füllgewichten sind Energieketten aus Vollkunststoff heute die bevorzugte Lösung.“ Harald Nehring, Prokurist Energiekettensysteme bei Igus.
„Auch auf langen Verfahrwegen mit extrem hohen Füllgewichten sind Energieketten aus Vollkunststoff heute die bevorzugte Lösung.“ Harald Nehring, Prokurist Energiekettensysteme bei Igus.
( Archiv: Vogel Business Media )

Pro Jahr entwickeln die Ingenieure des Kölner Spezialisten für Kunststoffgleitlager und Energieführungen Igus eigenen Angaben zufolge zwischen 1500 und 2500 neue Produkte in den Bereichen Energieführungssysteme sowie Gleit- und Gelenklager. Für Anwender von Energieketten der Serie E4 hat Igus nun eine neue Variante für lange Verfahrwege entwickelt.

Lebendauer der Energieführung vervierfacht

Mit einer bis zu 70% vergrößerten Gleitfläche und einer Verschleißzugabe von 150% sei es nun möglich, die Lebensdauer der Energiezuführung bei Extremanwendungen um den Faktor 4 zu steigern. Durch eine optimierte Flächengeometrie und die federnde Lagerung der Gleitelemente werde zudem ein besonders ruhiger Lauf erreicht.

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Konzipiert sind die vergrößerten Gleitflächen und Öffnungsstege aus einem, nämlich dem sprichwörtlichen Guss. So können Gleitelemente selbst unter rauen Einsatzbedingungen nicht verloren gehen. Die Kette ist beidseitig aufklappbar, so dass sich Leitungen problemlos kontrollieren und gegebenenfalls austauschen lassen. Bei Erreichen der Lebensdauergrenze kann der Steg einfach ausgewechselt werden und das „zweite Leben“ der Kette beginnt.

Konsequent setzen die Produktentwickler auf komplett schmiermittelfreie Kunststoffe, resistent gegen Reibung und Verschleiß. „Auch auf langen Verfahrwegen mit extrem hohen Füllgewichten, ob 150 m bei Schmutz im Tagebau und in Zementwerken oder 500 m bei Wind und Wetter im Ship-to-Shore-Kranbau, sind Energieketten aus Vollkunststoff heute die bevorzugte Lösung“, weiß Harald Nehring, Prokurist Energiekettensysteme bei der Igus GmbH in Köln.

Flachschleifleitungen für Hochregalanlagen

Zeitgemäße „Total Lifetime Costs“ verspricht auch Akapp-Stemmann aus den Niederlanden und empfiehlt eine speziell für automatisierte Hochregalanlagen konzipierte Flachschleifleitung. Das System besteht aus einem Stützprofil, das das darin gleitend montierte Kunststoffprofil zugleich schützt. Ergänzend zum Typ PR 7 ist das Pro-Ductor-System nun auch mit einem 10-poligen Gehäuse des Typs PR 10 erhältlich. Für hohe Stromstärken bis zu 400 A lassen sich zwei Kupferbänder parallel schalten. Weitere Pole sind zum Beispiel für Steuersignale verfügbar.

Auf diese Weise lassen sich Spannungsverluste bei sehr langen Anlagen und hohen Stromstärken reduzieren. Unter der Voraussetzung frei verfügbarer Kanäle können weitere Kupferleiter zwischen 50 A und 200 A auch noch nach der Montage eingezogen werden. Die Vorteile nahtloser gegenüber gestoßenen oder geschraubten Kupferleitern benennt Akapp-Stemmann unter anderem mit geringem Verschleiß der Kohlebürsten des Stromabnehmers, konstantem Spannungsfeld, zuverlässiger Übertragung von Steuersignalen sowie geringen Wartungskosten.

Der selbstzentrierende radgeführte Doppelstromabnehmer für 125 A ist standardmäßig für Fahrgeschwindigkeiten bis zu 500 m/min geeignet. Auf Basis von vier Torsionsfedern und speziell geformter Räder läuft dieser Stromabnehmer im Rahmen zulässiger Montagetoleranzen stets mittig und verhindert Berührungen und Abrieb zwischen Kohlebürsten und Kunststoffgehäuse. Die Kohlebürsten sind federnd gelagert und gewährleisten einen konstanten Anpressdruck.

Ambitionierte Leitungsprogramme

Die Lapp-Gruppe mit Stammsitz in Stuttgart beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Thema erneuerbare Energien und bietet für die Erzeugung von Wind- und Solarener-gie, Biokraftstoffen und Brennstoffzellen ein speziell abgestimmtes Leitungsprogramm. „Der Bereich erneuerbare Energien ist für uns nicht nur absoluter Boom-Markt, sondern auch Verpflichtung, sich für den Klimaschutz und für unsere Umwelt zu engagieren“, betont der Vorstandsvorsitzende Andreas Lapp.

Ein weithin sichtbares Zeichen dieses Engagements hat man in Stuttgart-Vaihingen gesetzt – mit einer riesigen Solaranlage auf dem Dach des dortigen Logistikzentrums 1. Nach offiziellen Angaben liegt die CO2-Einsparung bei rund 95 000 kg pro Jahr. Installierte Wärmerückgewinnungsanlagen in der Kabelproduktion sorgen für erhebliche Energieeinsparung. Kabelreste der Lapp-Kunden werden zurückgenommen und umweltgerecht entsorgt.

Für den Windanlagenbau bietet Lapp Energie-, Mess-, Daten- und Steuerleitungen, die aufgrund der thermischen und mechanischen Anforderungen für die über 100 m hohen und bis zu 14 t schweren Anlagen extremer Zug- und Drehbelastung standhalten müssen. Für die Verkabelung der Gondel kommen meist die Steuerleitungen Ölflex Classic 110 zum Einsatz, für den Übergang von der Gondel in den Turm die hochflexiblen PVC-Schleppkettenleitungen Ölflex FD Classic und für die Verkabelung des Maschinenhauses die Unitronic-Datenleitungen.

Energieführungen mit neuer Baugröße

„Jetzt schlägt‘s 13“, heißt es bei Kabelschlepp. Gemeint ist die neue Hybrid-Energieführungskette MC 1300, Zuwachs für die multivariable MC-Serie aus dem Energieführungsprogramm Vario-Line. Mit einer Innenhöhe von 87 mm und einer Innenbreite von 100 bis 800 mm handelt es sich dabei um die derzeit größte verfügbare Ausführung der M-Serie. Bei Einsatz unter rauen Umgebungsbedingungen zeichnet sich die Kette zudem durch einen minimierten Gelenkverschleiß sowie vielfältige Optionen zur Leistungsbelegung aus.

Mit der neuen Baugröße reagieren auch die Siegener gezielt auf die Marktbedürfnisse. „Der ständige konstruktive Dialog mit unseren Kunden und Geschäftspartnern beeinflusst die Produktentwicklung maßgeblich“, betont Gerd Schöbel, Bereichsleiter Energieführungen bei Kabelschlepp. „Denn neben technologischem Fortschritt fließt auch spezifischer Bedarf in unsere Lösungen für effiziente Energieführungssysteme ein.“ Die neue Baugröße der MC-Serie eignet sich insbesondere für den Einsatz im Maschinen- und Anlagenbau, aber auch für Outdoor-Anwendungen wie Krananlagen.

Gleitschuhe verdoppeln Lebensdauer der Energieführung noch einmal

Für die MC 1300 sind unterschiedliche Trennstegsysteme für vielfältige Separierungsoptionen verfügbar. Angeboten werden zudem hochabriebfeste und auswechselbare Gleitschuhe, durch die sich die Lebensdauer der Energieführung praktisch verdoppeln lasse. Bei Verfahrwegen über 200 m, die in Häfen keine Seltenheit sind und eine gleitende Anordnung meist nicht mehr zulassen, wird alternativ das neue Rollensystem Rail Cable Carrier (RCC) bis 500 m angeboten.

Kennzeichnend ist, dass das Obertrum nicht mehr auf dem Untertrum gleitet, sondern mittels seitlich an der Kette montierter kugelgelagerter Rollen auf Führungsschienen fährt. Durch den Einsatz des RCC sollen die Zug- und Schubkräfte und damit auch die erforderliche Antriebsleistung gegenüber der gleitenden Anordnung um rund 90% reduziert werden. MM

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