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Schweizer Konjunktur 2018 am Zenit

| Redakteur: Sergio Caré

Die Schweizer Wirtschaft ist 2018 weiter auf robustem Wachstumskurs. Der Zenit des Aufschwungs ist jedoch laut Basel Economics AG (BAK) mittlerweile erreicht. Im Jahr 2019 sei mit einer Verlangsamung des Schweizer BIP-Wachstums zu rechnen. Hierfür ist vor allem das internationale Umfeld verantwortlich, insbesondere die Eurozone.

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Die gute Stimmung der Unternehmen und der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt führen zu deutlich steigenden Ausrüstungsinvestitionen und zunehmenden Konsumausgaben. Für das Gesamtjahr 2018 prognostiziert BAK ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 2.3 Prozent.
Die gute Stimmung der Unternehmen und der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt führen zu deutlich steigenden Ausrüstungsinvestitionen und zunehmenden Konsumausgaben. Für das Gesamtjahr 2018 prognostiziert BAK ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 2.3 Prozent.
(Bild: Pixabay/Pexels)

Insbesondere die Schweizer Binnenkonjunktur präsentiert sich in hervorragender Verfassung: Die gute Stimmung der Unternehmen und der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt führen zu deutlich steigenden Ausrüstungsinvestitionen und zunehmenden Konsumausgaben. Für das Gesamtjahr 2018 prognostiziert BAK ein kräftiges Wirtschaftswachstum von 2,3 %.

Der Zenit des Aufschwungs ist jedoch mittlerweile erreicht. Im Jahr 2019 ist mit einer Verlangsamung des Schweizer BIP-Wachstums auf 1,5 % zu rechnen. Hierfür ist vor allem das schwächere internationale Umfeld verantwortlich. Insbesondere die Eurozone verliert bereits wieder klar an Dynamik. Wachstumshemmend wirkt sich auch die gestiegene Unsicherheit über die politische Entwicklung in Italien und die globalen Handelskonflikte aus.

Starke Binnenkonjunktur

Die inländische Nachfrage hat zuletzt deutlich an Schwung gewonnen. Im ersten Quartal 2018 expandierten sowohl privater Konsum als auch die Ausrüstungsinvestitionen kräftig. Die Ausrüstungsinvestitionen stiegen sogar so stark wie zuletzt vor sechs Jahren, wobei die Unternehmen insbesondere in Forschung und Entwicklung, Fahrzeuge und EDV investierten. Auch für das Gesamtjahr 2018 geht BAK von einem dynamischen Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen von 4,6 % aus. Die Stimmung unter den Schweizer Unternehmen ist weiterhin sehr gut, die Auftragsbücher prall gefüllt und angesichts der steigenden Kapazitätsauslastung steigt der Bedarf an Erweiterungsinvestitionen.

Der private Konsum wird derzeit hauptsächlich vom Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt angekurbelt. Zwischen Januar und März legte die saisonbereinigte Beschäftigung in Vollzeitäquivalenten so stark wie nie seit der globalen Finanzkrise zu. Dies führte zu einem starken Anstieg des Arbeitnehmerentgelts um 3,2 % im ersten Quartal. Auch die Arbeitslosigkeit ist weiter rückläufig und im April sank die Arbeitslosenquote auf 2,7 %. Die umfangreichen Auftragsbestände und die hohe Investitionsbereitschaft der Unternehmen sprechen dafür, dass sich der Aufwärtstrend auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Quartalen fortsetzen wird. BAK rechnet daher für 2018 und 2019 mit einem kräftigen Wachstum der privaten Konsumausgaben (2018: +1,6%; 2019: +1,6%).

Schwarze Wolken am Konjunkturhimmel

Während die Binnennachfrage derzeit ein wichtiger Wachstumsmotor für die Schweizer Wirtschaft ist, hat sich das lange Zeit sehr freundliche außenwirtschaftliche Umfeld zuletzt bereits wieder eingetrübt. Der Rückgang der globalen Einkaufsmanagerindizes in den letzten Monaten deutet darauf hin, dass der Aufschwung der Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen an Dynamik verlieren wird. Nicht übersehen werden sollte dabei jedoch, dass die aktuellen Indikatoren trotz der jüngsten Abschwächung immer noch im Einklang mit recht robusten Wachstumsraten sind.

Im Euroraum hat sich die Stimmung der Unternehmen vor allem aufgrund des Handelskonflikts mit den USA und der politischen Unsicherheit in Italien eingetrübt. Zudem sind in einigen Euro-Ländern (zum Beispiel Deutschland) Kapazitätsengpässe zu verzeichnen, welche das Wachstum in den kommenden Quartalen zunehmend bremsen werden. Der zuletzt deutlich gestiegene Ölpreis stellt einen weiteren Bremsfaktor dar. In den USA ist im laufenden Jahr trotz vielfach ähnlichen Belastungen wie im Euroraum aufgrund des expansiven Fiskal- und Steuerpakets mit einer Beschleunigung der Konjunktur zu rechnen. Doch 2019 wird sich auch hier das Wachstumstempo verlangsamen, da der Konjunkturzyklus mittlerweile weit fortgeschritten ist und sich zudem die Straffung der Geldpolitik fortsetzen wird.

Insgesamt fällt die ausländische Nachfrage nach Schweizer Exporten 2018 somit nochmals recht kräftig aus. Für positive Impulse sorgt zudem, dass der handelsgewichtete Außenwert des Schweizer Frankens im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgewertet hat. Zwar hat der Franken gegenüber dem Euro im Zuge der politischen Unsicherheit in Italien wieder aufgewertet, doch im weiteren Jahresverlauf sollte sich der Kurs wieder im Bereich von 1,18 Euro/Franken einpendeln. Auch bei unverändertem Frankenkurs wird sich 2019 dann jedoch die nachlassende globale Dynamik bemerkbar machen. Das Wachstumstempo der Schweizer Exporte und Ausrüstungsinvestitionen sollte daher im nächsten Jahr etwas langsamer ausfallen.

Boomjahr 2018, Normalisierung 2019

Zusammenfassend prognostiziert BAK für 2018 ein Wachstum des Schweizer BIP von 2,3 % (bisherige Prognose +2,4%) und für 2019 von 1,5 % (+1,7%). Verantwortlich für die leichte Prognoserevision nach unten ist vor allem die Eintrübung des globalen Umfeldes. Während im Boomjahr 2018 Aufholeffekte nach Überwindung des Frankenschocks zur starken Performance der Schweizer Wirtschaft beitragen, setzt 2019 eine Normalisierung der konjunkturellen Entwicklung ein. Hinzu kommt, dass die Wachstumsabschwächung von 2018 auf 2019 durch den viel diskutierten 'Fifa'-Effekt leicht überzeichnet wird. Denn im Jahr 2018 führen die Lizenzeinnahmen von Fifa und IOC aufgrund der Winterolympiade und der Fußball-WM zu einem positiven BIP-Effekt in Höhe von etwa 0,1 Prozentpunkten. Im Folgejahr kommt es zu Gegeneffekten in entsprechender Höhe, da die mit den Sportgroßveranstaltungen verbundene Wertschöpfung wieder wegfällt. Wird dieser 'Fifa'-Effekt ausgeklammert, liegt das Schweizer Wachstum 2019 in der Nähe des Potenzialwachstums.

Risiken haben zugenommen

Auch wenn die Prognose für die Schweizer Wirtschaft insgesamt positiv ausfällt, bleibt festzuhalten, dass die negativen Risiken in den letzten Monaten an Bedeutung und Anzahl deutlich zugenommen haben. Zu nennen sind hier beispielsweise die Handelskonflikte zwischen den USA und der Eurozone sowie China. Weitere Unsicherheitsfaktoren sind die Pläne der neuen italienischen Regierung, welche zu einer Neuauflage der Eurokrise führen könnten oder die zahlreichen geopolitischen Brandherde.

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