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Tiefere Margen, aber Licht am Ende des Tunnels

Schweizer MEM-Industrie: Exportrückgang gestoppt

| Redakteur: Sergio Caré

Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (MEM-Industrie) konnte sich 2016 nach einem schwierigen Vorjahr auffangen. Die Auftragseingänge nahmen zu. Die Umsätze reduzierten sich zwar nochmals um 1,8 %, allerdings setzte im vierten Quartal 16 auch hier eine Trendwende ein. Die Güterexporte erreichten das Vorjahresniveau (+0,1 %). Hingegen besteht in den Betrieben eine beunruhigende Ertragslage.

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Tiefere Margen, aber Licht am Ende des Tunnels für die schweizer Industrie: Exportrückgang gestoppt.
Tiefere Margen, aber Licht am Ende des Tunnels für die schweizer Industrie: Exportrückgang gestoppt.
(Bild: Swissmem)

Nachdem die Auftragseingänge in der Schweizer MEM-Industrie im zweiten und dritten Quartal 2016 im Vergleich zu den Vorjahresperioden noch kräftig angestiegen waren, stagnierten sie im vierten Quartal auf Vorjahresniveau (+0,2 %). Über das gesamte Jahr 2016 betrachtet, nahmen die Auftragseingänge gegenüber 2015 um +9,5 % zu. Auch die Umsätze stiegen im vierten Quartal 2016 im Vergleich zur Vorjahresperiode erstmals leicht an (+2,7 %). Das gilt sowohl für Großfirmen wie auch für KMU. Insgesamt reduzierten sich jedoch die Umsätze im vergangenen Jahr um 1,8 %. Die Kapazitätsauslastung erreichte 2016 im Schnitt 86 %, was dem langjährigen Mittelwert (86,3 %) entspricht.

Exportrückgang der Schweizer Industrie gestoppt

Nach einem sehr schwierigen Jahr 2015 konnte sich die MEM-Industrie im vergangenen Jahr bei den Auftragseingängen und den Exporten wieder auffangen. Auch bei den Umsätzen setzte im vierten Quartal 2016 die Trendwende ein. Bezüglich des künftigen Bestellungseinganges haben sich Zukunftserwartungen der Unternehmer sowohl bei den Großunternehmen wie auch bei den KMU im vergangenen Jahr laufend verbessert. Gemäß der jüngsten Swissmem-Befragung rechnen 49 % der Unternehmer für das Jahr 2017 mit zunehmenden Aufträgen aus dem Ausland. Lediglich 14 % befürchten einen Rückgang. Dieser vorsichtige Optimismus wird sowohl von Großfirmen wie auch von KMU geteilt.

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Ein anderes Bild zeigen die Ergebnisse einer zu Beginn dieses Jahres durchgeführten Swissmem-Umfrage zur Ertragslage in den Unternehmen: Fast ein Viertel (23 %) der Firmen befanden sich 2016 auf Stufe EBIT in der Verlustzone. Ein Drittel (34 %) der Betriebe erreichten 2016 wohl eine positive, aber letztlich unbefriedigende EBIT-Marge von weniger als fünf %. Im Vergleich dazu befanden sich 2014 nur sieben % der Unternehmen in der Verlustzone und 23 % zwischen 0 und 5 % EBIT-Marge. Kleinunternehmen sind im Vergleich etwas stärker betroffen, wobei der Unterschied zu den Mittel- und Großfirmen nicht ausgeprägt ist. „Diese Zahlen sind beunruhigend “, sagt Swissmem-Präsident Hans Hess. „Unter dem Strich konnten 57 % der Unternehmen zwei Jahre nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses keine oder nur ungenügende Margen erwirtschaften, die sie in die Zukunft investieren könnten.“ Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Frankenschock für sehr viele Unternehmen, insbesondere KMU, noch nicht überwunden ist. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Schweizer Franken in den letzten Monaten gegenüber dem Euro kontinuierlich aufgewertet hat.

Strukturwandel setzt sich fort

Die schwierige Lage der MEM-Firmen wirkt sich auch auf die Anzahl der Beschäftigten aus. Per Ende 2016 arbeiteten 317.600 Mitarbeiter in der MEM-Industrie. Somit gingen in den vergangenen zwei Jahren insgesamt 12.600 Stellen verloren. Immerhin steigt die Anzahl der publizierten Stellenangebote der Swissmem-Mitgliedfirmen seit Anfang 2016 wieder an.

Der beschleunigte Strukturwandel dürfte sich jedoch auch 2017 fortsetzen. Gemäß dem noch unveröffentlichten „Swiss Manufacturing Survey“ des Instituts für Technologiemanagement der Universität St. Gallen erwägen 46 % der Industriebetriebe, in den nächsten drei Jahren Verlagerungen ins Ausland durchzuführen. Der wichtigste Grund dafür ist die Reduktion von Produktionskosten. Neben Produkt- und Prozessinnovationen ist dies für die Firmen der einzige Weg, um die Profitabilität in der Schweiz zu erhöhen. Das deckt sich mit der Einschätzung der Befragten, welche Jobs betroffen sein werden. Sie rechnen damit, dass Stellen in der Produktion ab- und jene in den Bereichen Forschung, Entwicklung sowie im Projektmanagement zunehmen werden.

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