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Lapp Kabeltechnik Servoleitung für den weltweiten Einsatz

Autor / Redakteur: Frank Hörtnagl / Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Kabel und Leitungen sind wichtige Bauteile, die je nach Einbausituation bestimmte Funktionen erfüllen müssen. Damit sie eingesetzt werden dürfen, müssen sie bestimmte Normen erfüllen oder entsprechende Zertifikate besitzen. Bei dem Kabel Ölflex Servo FD 7TCE ist es nun gelungen, alle wichtigen Normen, die in Amerika und Europa gelten, zu erfüllen.

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Die Leitung Ölflex Servo FD 7TCE erfüllt alle wichtigen Normen, die für Europa wie auch Nordamerika gelten.
Die Leitung Ölflex Servo FD 7TCE erfüllt alle wichtigen Normen, die für Europa wie auch Nordamerika gelten.
(Bild: Lapp)

Maschinenbauer, die den nordamerikanischen Markt beliefern, müssen sich mit komplexen Normen herumschlagen. Am besten nutzen sie von vornherein Komponenten, die dort zugelassen beziehungsweise gelistet sind. Ein Beispiel ist die Ölflex Servo FD 7TCE von Lapp.

Denn mitunter passiert es in den USA, dass die Maschine zwar funktioniert und der Kunde zufrieden ist. Aber nicht der Sheriff. Der muss in den USA die Maschine abnehmen und moniert vielleicht, dass die verwendeten Leitungen keine Zulassung oder kein Listing für den nordamerikanischen Markt haben. Solche gar nicht so seltenen Situationen lassen sich vermeiden, wenn man von vornherein Leitungen verwendet, die alle US-Normen erfüllen. Und technisch top sollen sie auch sein. Dieser Spagat ist Lapp mit der Ölflex Servo FD 7TCE gelungen, einer neuen Leitung aus der Core-Line-Performance-Klasse. Sie erfüllt alle wichtigen Normen sowohl in Europa als auch in den USA und Kanada. Sie eignet sich für die statische Verlegung ebenso wie für den bewegten Einsatz in Schleppketten mit mittleren bis erhöhten Verfahrwegen und Beschleunigungen, außerdem ist sie flammwidrig und ölbeständig – eine echte Alleskönnerin also.

Überraschungen treten bei UL & CSA auf

Wie man verschiedene Anwendungsnormen erfüllt, bereitet Maschinenbauern manchmal Kopfschmerzen. Wenn sie in die USA und nach Kanada exportieren, müssen Leitungen nach UL beziehungsweise CSA (Underwriters Laboratory/Canadian Standards Association) gelistet sein. AWM- Style (Appliance Wiring Material) gemäß UL 758 ist eine Richtlinie, die größere Freiheiten lässt. Allerdings dürfen diese Leitungen zum Beispiel nicht beim Kunden auf amerikanischem Boden eingebaut beziehungsweise auf Kabelpritschen verlegt werden, dies muss unter Umständen bereits beim Hersteller der Maschine etwa in Europa geschehen, was für größere Anlagen keine Option ist.

Wo das Problem liegt, zeigt das Beispiel Kabelmantel. Viele höherwertige Leitungen in Europa werden mit kerbfestem und ölbeständigem Polyurethan ummantelt, was unter technischen Gesichtspunkten ideal ist. Doch die Normung berücksichtigt PUR nicht zur Verwendung für UL oder CSA. Lapp muss deshalb werkstofftechnisch einen Umweg gehen. Mit der Sondermischung eines thermoplastischen Elastomers erfüllt die Ölflex Servo FD 7TCE alle gängigen Richtlinien und Standards für gelistete Leitungsprodukte.

Manchmal ist eine neue Isolierung nötig

Nicht minder kompliziert ist die Lage bei der Isolierung. Gelistete Leitungen für die Verlegung auf der Kabelpritsche oder Verwendung in der Industriemaschine haben in den USA oft eine Isolierung aus PVC, die mit einer dünnen Schicht aus Nylon überzogen ist, um die Ölbeständigkeit zu erhöhen. PVC ist im Brandfall zwar selbstverlöschend, bildet aber wegen seines hohen Chlorgehalts ätzende Dämpfe und in Verbindung mit Löschwasser korrosive Salzsäure. Zudem hat PVC nicht die besten Isolationseigenschaften. Dies führt dazu, dass solche Leitungen keine zu großen Distanzen verlustfrei überbrücken können. In größeren Anlagen in den USA kommt es mitunter vor, dass eine PVC-Nylon-isolierte Leitung, die aus der Kabelpritsche kommt, auf ihrem weiteren Weg zum Antrieb etwa über eine Energiekette auf eine kapazitätsärmere AWM-­Leitung mit entsprechender Ader­isolation umgesteckt werden muss – obwohl die eigentlich nicht für die Vor-Ort-Verkabelung zugelassen ist.

Bei Leitungen mit einer Isolierung aus Polypropylen (PP), wie sie in Europa üblich sind, ist die Verlegung vom Schaltschrank bis zum Antrieb einfacher. PP hat wesentlich bessere elektrische Eigenschaften und überbrückt aufgrund niedriger Kapazitätswerte größere Distanzen. Doch auch dort spielt die US-Normung nicht mit: PP ist nach nordamerikanischem Regelwerk nicht ohne Weiteres als gelistetes Adermaterial für die Verlegung im offenen Kabelkanal vorgesehen. Auch setzt das oft für die Verkabelung von Indus­triemaschinen geforderte MTW Listing (Machine Tool Wire) der Verwendung von Polypropylen normative Grenzen. Lapp USA verwendet deshalb ein Sondermaterial aus XLPE für die Isolierung der festverlegbaren Ölflex Servo FD 7TCE. Bei der neuen schleppkettentauglichen Variante mit feinstdrähtigem Leiter, der Ölflex Servo FD 7TCE, besteht die Isolierung aus vernetztem Ethylenpropylen (EPR) für eine höhere Flexibilität. Beide Kunststoffe sind laut US-Regelwerk gelistet und ermöglichen Leitungslängen, die bis zu 40 % über der von US-Kabeln mit herkömmlicher PVC-Nylon-Isolierung liegen. Die Wahl des Adermaterials ist also keineswegs ein fauler Kompromiss, sondern garantiert auch für den nordamerikanischen Markt beste elektrische Eigenschaften, wie man es von Kabeln für den europäischen Markt gewohnt ist.

Regelwirrwarr der US-Bundesstaaten

Kompliziert sind nicht nur die US-Normen, sondern auch ihre Anwendung. Die Bundesstaaten entscheiden, wann sie neue Normen in geltendes Recht überführen.

Das gilt zum Beispiel für die relevanten Fachnormen für die Verkabelung von Industriemaschinen in den USA, die Editionen 2012 und 2015 der NFPA 79 (National Fire Protection Association), die in enger Wechselwirkung mit dem National Electric Code (NEC) stehen, dem wohl bedeutendsten Regelwerk für exportierende Maschinen- und Anlagenbauer. So kann es vorkommen, dass manche Bundesstaaten noch auf ältere Versionen des NEC zurückgreifen, die sich wiederum auf ältere NFPA Editionen beziehen.

Darüber hinaus kann jeder Bundesstaat weitere Anforderungen und Richtlinien als verbindlich erklären. Im kalifornischen San Francisco zum Beispiel gelten aufgrund verheerender Feuer und Brände nach dem Erdbeben von 1906 deutlich höhere Anforderungen an den Brandschutz als in anderen Städten selbst innerhalb des Staates Kalifornien.

Produziert in den USA für die USA

Mit der Ölflex Servo FD 7TCE können die Anwender beruhigt sein. Sie wurde bei Lapp in New Jersey entwickelt und wird dort auch hergestellt. Die Experten haben langjährige Erfahrung mit US-amerikanischen Normen, waren zum Teil auch für die UL-Behörde tätig. Günstig ist die Leitung nicht, denn die Fertigung ist aufwendiger, besonders wegen der Vernetzung des Aderkunststoffs, wie das Unternehmen mitteilt.

Dennoch erfreuen sich solche Universalleitungen im Portfolio von Lapp wachsender Beliebtheit, denn unterm Strich sparen sie dem Anwender nicht nur bares Geld, weil die Verlegung einfacher ist und statt mehrerer Kabeltypen nur noch ein Typ im Lager liegen muss, sondern auch Zeit und vor allem Nerven, weil eine Vielzahl von anerkannten UL & CSA Listings eine breite Verwendung abdeckt.

Dies ermöglicht dem Anwender den problemlosen Einsatz der Leitung, ohne den langen Arm des Gesetzes, den Sheriff, fürchten zu müssen.

* Frank Hörtnagl ist Produktmanager für Ölflex Servo bei der U. I. Lapp GmbH in 70565 Stuttgart, Tel. (07 11) 78 38-01, info@lappkabel.de

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