Hitze- und Flammschutzkleidung Sicher angezogen am „heißen Ende“

Autor / Redakteur: Vanessa Jung / M.A. Frauke Finus

In der Glasherstellung geht es heiß her – 1500°C und mehr. Glas wird zwar meist in geschlossenen Systemen geschmolzen, doch für die Herstellung von Flaschen müssen die Tropfen offen in die Maschine geführt werden. Hier besteht Gefahr, sich zu verbrennen: Mitarbeiter können in Kontakt mit glühendem Glas oder heißen Maschinenteilen kommen. Schutz durch die richtige Kleidung ist also ratsam.

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Tragekomfort auch bei Hitze: Bei Schutzkleidung ist es wichtig, dass sie nicht zu schwer ist, sondern man sich gut darin bewegen kann.
Tragekomfort auch bei Hitze: Bei Schutzkleidung ist es wichtig, dass sie nicht zu schwer ist, sondern man sich gut darin bewegen kann.
(Bild: Mewa)

Temperaturen von 40° C aufwärts und Glasbehälter, die nach Verlassen der Maschinen bis zu 20 Minuten benötigen, um abzukühlen: Wer am „Heißen Ende“ der Gerresheimer Essen GmbH arbeitet, braucht einen kühlen Kopf und Kleidung, die vor Schweiß nicht zurückschreckt. „Grundsätzlich ist eine gängige Hitze- und Flammschutzkleidung für diesen Arbeitsplatz gut geeignet“, sagt Silvia Mertens. Die Diplom-Ingenieurin für Bekleidungstechnik und Produktmanagerin beim Textildienstleister Mewa, berät ihre Kollegen im Vertrieb und potenzielle Neukunden, wenn es um die Auswahl geeigneter Schutzkleidung geht. Die Erfahrung hat sie dabei immer wieder gelehrt: Welches Outfit wo am besten schützt, lässt sich nicht am grünen Tisch entscheiden. Spezielle Tätigkeiten benötigen besondere Kleidung. Ihr Arbeitgeber hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Expertise in Bericht Schutzkleidung aufgebaut. Für Branchen mit besonderen Anforderungen wird sogar spezielle Schutzkleidung, die spezifischen Sicherheitsaspekten gerecht wird, entwickelt.

In der Glashütte Gerresheimer Essen werden Glasverpackungen für internationale Pharmazie-, Kosmetik- und Spirituosenunternehmen hergestellt. Pro Jahr laufen mehr als eine Milliarde Flaschen über die Bänder. Der Schutz der Mitarbeiter vor Verbrennungen und Schnittverletzungen hat oberste Priorität. Daher sind die Qualitätsansprüche an die Arbeitskleidung hoch. Zudem darf der Tragekomfort nicht zu kurz kommen findet Leroy Ermels, Maschinenführer bei Gerresheimer: „Bei der Kleidung ist es wichtig, dass sie nicht zu schwer ist, sondern man sich gut darin bewegen kann.“ Das gilt generell für Arbeitsplätze, an denen Mitarbeitern warm ist. Ob in der Gießerei oder an der Schweißerstation: Gern werden – um der Bequemlichkeit willen – Jacken offen getragen oder sogar ganz weggelassen. Aber Schutzanzüge an heißen Arbeitsplätzen müssen den Ober- und den Unterkörper, den Hals und Arme und Beine vollständig bedecken. „Nur ein Hemd“ ohne Jacke kann nicht getragen werden. Jacken müssen so lang sein, dass eine ausreichende Überlappung gegeben ist. Diese Mindestüberlappung muss bei allen bei der Benutzung zu erwartenden Körperhaltungen oder -bewegungen gewährleistet sein.

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Erst prüfen, dann tragen

Deshalb rät Mertens Verantwortlichen für die Arbeitssicherheit in einem Betrieb, sich erst für eine Schutzausrüstung zu entscheiden, nachdem die Mitarbeiter die Kleidung zur Probe getragen haben. Mewa bietet Kunden mehrwöchige Tragetests an. Auf die Frage „Warum?“ antwortet sie: „Die Auswahl der Schutzkleidung ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes. Doch das ist nur der Anfang: Ein Arbeitgeber sollte nie vergessen, dass es mit der Anschaffung der Schutzbekleidung nicht getan ist. Selbst wenn die Kleidung theoretisch die Anforderungen erfüllt, kann sie ungeeignet für den Arbeitsplatz sein“. Nur im Praxistest lässt sich herausfinden, ob sich die Schutzkleidung wirklich eignet.

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Das Angebot mit den Tragetests wird gut angenommen. „Man ist heute bereit, mehr Zeit in die Auswahl des optimalen Schutzes zu investieren“, berichtet Mertens. Sie registriert seit einigen Jahren auf Seiten von Sicherheitsfachkräften und Einkäufern eine stetig komplexer werdende Nachfrage, wenn es um die Anschaffung von Schutzkleidung geht. Um das Passende anbieten zu können, holt man bei Mewa – neben einer Beschreibung des Arbeitsplatzes und den Ergebnissen der Gefährdungsbeurteilung – auch Informationen ein, welche Kleidung derzeit getragen wird und welche Vor- und welche Nachteile die bestehende Kleidung hat. Neben Sicherheitsaspekten spielen ergonomische Aspekte eine Rolle. „Oft hören wir, dass die Kleidung einengt, zu schwer oder zu warm ist“, berichtet sie und rät: Wer Hitze- und Flammschutzbekleidung anschaffe, solle auf ein verhältnismäßig weiches und angenehmes Gewebe achten, dass den Träger – neben der meist warmen Arbeitsumgebung – nicht noch zusätzlich ins Schwitzen bringt. Unzureichender Tragekomfort könne auch vorliegen, wenn bei der Konfektion der Kleidung am Material gespart wurde.

Bequeme Sicherheit im Schrankfach

Ihr Fazit: Je höher der Tragekomfort, umso eher tragen Mitarbeiter die Kleidung wie vorgeschrieben. Und das sei gar nicht so schwer: Komfortable Kleidung mit sehr guten Schutzfunktionen zu erhalten, ist inzwischen einfacher, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Aktuelle Hitze- und Flammschutzkleidung kann schützen und trotzdem relativ bequem sein. Moderne Hightech-Fasern ermöglichen Gewebe, die ebenso leicht wie sicher sind.

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Bei Gerresheimer überzeugte die Kleidung von Mewa die Mitarbeiter durch ihr weiches Gewebe. Dennoch erfüllt die Kollektion die Normen für Schutzkleidung, die an hitzeexponierten Industriearbeitsplätzen getragen werden muss. Dabei ist sie strapazierfähig und unempfindlich. Hinzu kommt der Vorteil, dass die Schutzkleidung in der textilen Dienstleistung angeboten wird: Die getragene Kleidung abholen, waschen, kontrollieren, warten und sauber wieder anliefern gehört zum Service. „Das macht schon Sinn. Bei diesen Temperaturen ist man froh, öfter mal etwas Frisches zum Anziehen zu haben“, verdeutlicht Volker Knuth, Leiter der Glasfertigung. Diese Menge an Kleidung privat zu waschen, ist eine Sisyphusarbeit, die man gerne in professionelle Hände gibt.

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