Windkraftflaute Siemens Gamesa meldet unerwartet Umsatzrückgang

Autor / Redakteur: dpa-AFX / Peter Königsreuther

Auch im neuen Geschäftsjahr wird es für den Windkraftanlagen-Bauer Siemens Gamesa voraussichtlich kein Plus im Umsatz geben. Hier die Hintergründe.

Unter einer instabilen Lieferkette leidet auch der Windkraftanlagen-Bauer Siemens Gamesa, wie heute gemeldet wurde. Das Unternehmen befürchtet sogar Umsatzeinbußen.
Unter einer instabilen Lieferkette leidet auch der Windkraftanlagen-Bauer Siemens Gamesa, wie heute gemeldet wurde. Das Unternehmen befürchtet sogar Umsatzeinbußen.
(Bild: dpa)

Probleme mit der Lieferkette und generell mit der Logistik veranlassen Siemens Gamesa dazu, die Prognosen in Sachen Umsatz nach unten zu korrigieren. Die Tochter des Dax-Konzerns Siemens Energy rechnet demnach mit einem Umsatzrückgang zwischen 2 und 7 Prozent. Die Marge, gemessen am bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), beziffert der Konzern mit 1 bis 4 Prozent. Für dass Analysehaus Jefferies ist diese Entwicklung nach eigener Aussage eine negative Überraschung. Die Zahlen wurden vom Konzernchef Andreas Nauen im Rahmen einer Telefonkonferenz mit Analysten bekannt gemacht.

Als Grund für die schlechtere Prognose von Siemens Gamesa nannte Nauen, dass man im neuen Geschäftsjahr mit dem Höhepunkt des Preisniveaus bei Rohstoffen und Frachtkosten rechnet. Wann Erhohlung eintrete, könne außerdem noch keiner sagen. Zudem stagnieren die Auslieferungen bereits teilgefertiger Produkte, wenn die Störungen der Lieferketten noch weiter andauern, führte Nauen weiter aus.

Siemens-Fehlbeträge im hohen dreistelligen Millionenbereich

Siemens Gamesa bekam die Lieferkettenprobleme im vergangenen Geschäftsjahr (2020/21) auch im letzten Quartal zu spüren: Die Engpässe bei diversen Komponenten, Projektverschiebungen, Logistikprobleme und hohe Transport-, Rohstoff- und Energiekosten schmälerten das Ergebnis. Dazu kamen höhere Anlaufkosten für eine neue Turbine (Typ 5.X), die man für landgestützte Windkraftanlagen entwickelt hat.

Rechnet man Sondereffekte wie Umbaukosten heraus, führte das alles zu einem operativen Verlust (Ebit) von 96 Millionen Euro. Die entsprechende Marge verringerte sich um 0,9 Prozent. Allein im vierten Quartal lag der bereinigte operative Verlust bei 177 Millionen Euro. Unter dem Strich summierte sich der Fehlbetrag im vergangenen Geschäftsjahr auf 627 Millionen Euro – nach einem Minus von 918 Millionen Euro im Vorjahr.

Das Onshore-Geschäft bleibt ein Sorgenkind

Der Umsatz stieg hingegen um 7,5 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro, wobei der Erlös im letzten Quartal leicht gesunken ist. Dies lag vor allem an niedrigeren Umsätzen mit dem Geschäft mit Landwindanlagen (Onshore). Die Umsätze mit Meeresanlagen (Offshore) blieben hingegen nahezu stabil.

Bei der operativen Marge erreichte Siemens Gamesa das untere Ende der im Sommer gesenkten Prognosespanne. Der Umsatz lag genau im Rahmen des zuletzt vom Unternehmen ausgerufenen Ziels. Dabei kann Siemens Gamesa weiter auf ein volles Auftragsbuch zurückgreifen.

Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Auftragsbestand um knapp 8 Prozent auf 32,5 Milliarden Euro. Davon stammt gut die Hälfte aus dem Servicegeschäft, heißt es. Der Auftragseingang ging hingegen um 17 Prozent auf 12,2 Milliarden Euro zurück. Das liege an einem schwächeren Onshore-Geschäft, das seit Jahren als Sorgenkind von Siemens Gamesa gilt.

Dazu komme, dass der Konzern zugunsten der Rendite auf Volumen verzichte und keine margenschwächen Aufträge mehr annehmen wolle. Im vierten Quartal konnte das Unternehmen hingegen insgesamt wieder mehr Aufträge registrieren. Aber auch hier blieb das Onshore-Geschäft hinter dem Vorjahr zurück.

Konzernchef glaubt an Auffrischung des Windkraftanlagen-Bereichs

Wie bereits im Sommer angedeutet, verschob der Konzern jetzt auch seine mittelfristigen Renditeziele. Die in Aussicht gestellte bereinigte operative Marge von 8 bis 10 Prozent soll nun erst 2024/25 erreicht werden – rund zwei Jahre später als zunächst geplant. Nauen geht zudem davon aus, dass nach eher stagnierenden Installationen bis 2024 das Geschäft mit Windanlagen danach wieder kräftig anziehen wird, weil die Energiebranche eine wichtige Rolle bei der Dekarbonisierung und das Erreichen der Klimaziele der Regierungen spielen dürfte. Vor allem die Kapazitäten im renditeträchtigen Offshore-Geschäft sieht er dabei massiv wachsen./

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