Psychologische Studie

Sind Unternehmer eine besonders eigennützige Spezies?

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Antisoziale Tendenzen in den Lebensläufen der Unternehmer nachweisbar

Auf der einen Seite ließen sich in der Tat systematische antisoziale Tendenzen in den Lebensläufen der Unternehmer nachweisen. Unternehmensgründer zeigten im Vergleich zu anderen Personen, die kein Unternehmen gründeten, verblüffende Wesenszüge.

Die späteren Gründer hatten nämlich in ihrer Jugend eine deutlich höhere Tendenz zu regelwidrigem Verhalten in der Schule, zu Hause im Umgang mit ihren Eltern sowie in der Freizeit. Beispiele hierfür waren häufigeres Missachten elterlicher Verbote, häufigeres Schummeln und Schwänzen in der Schule, häufigerer Drogenkonsum oder auch häufigeres unerlaubtes „Mitgehenlassen“ von Dingen in Geschäften. Dieses Ergebnis zeigte sich vor allem bei den männlichen Studienteilnehmern.

„Doch die Studie zeigt eben auch noch eine andere Seite der Unternehmertypen“, so Dr. Obschonka. Als Erwachsene gab es hinsichtlich der antisozialen Tendenzen nämlich keine Unterschiede mehr zu den Nicht-Gründern. Zudem verweisen die Daten darauf, dass sich die frühen antisozialen Tendenzen bei den Gründern auf „geringere Vergehen“ beschränken.

Die Analysen der polizeilichen Kriminalitätsdaten ergab nämlich, dass sich Unternehmer von Anderen in Bezug auf behördlich geahndetes kriminelles Verhalten nicht signifikant unterschieden – weder in der Jugend noch im Erwachsenenalter. „Die Daten sprechen dafür, dass im Durchschnitt die Unternehmer keine kriminelleren Karrieren haben als die Nicht-Gründer“, erläutert Dr. Obschonka. „Ebenso zeigte sich kein Unterschied in antisozialen Einstellungen“.

Regelverletzungen in der Jugend setzen sich im Erwachsenleben meist nicht fort

Der Drang zu regelwidrigem Verhalten sei in der Jugend allerdings deutlich vorhanden. „Daraus folge jedoch nicht die Konsequenz, dass im Erwachsenenalter noch immer notorisch Regeln gebrochen und antisoziales Verhalten an den Tag gelegt werden müsse“, sagt Martin Obschonka. Somit entsprechen die gefundenen Verhaltensweisen von Unternehmensgründern eher nicht dem gängigen Vorurteil: „Es wird oft behauptet, dass sie von der Persönlichkeit her eher antisozial und nur auf ihren eigenen Nutzen bedacht sind“, beschreibt der Jenaer Psychologe die Klischees.

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