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Lagertechnik

So finden Sie die idealen Regalsysteme für Ihr Lager – Arten & Tipps

| Autor: Sebastian Hofmann

Welche Regalsysteme für Logistiklager gibt es? Worauf sollten Sie beim Kauf achten? Und welche Varianten haben welche Eigenschaften? Hier erfahren Sie es!

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Die richtigen Regalsysteme für die eigenen Lagerhallen zu finden, ist nicht immer ganz einfach. Wir zeigen Ihnen, welche Typen es gibt und worauf Sie beim Kauf achten sollten!
Die richtigen Regalsysteme für die eigenen Lagerhallen zu finden, ist nicht immer ganz einfach. Wir zeigen Ihnen, welche Typen es gibt und worauf Sie beim Kauf achten sollten!
(Bild: ©Alexander Nasonov - stock.adobe.com )

Wenn Logistiklager nicht mehr flexibel genug sind oder ihre Kapazitätsgrenzen erreichen, müssen Logistikimmobilien umstrukturiert, erweitert oder sogar neu gebaut werden. Die Wahl der richtigen Regalsysteme ist dabei erfolgsentscheidend. Diese drei goldenen Regeln sollten Verantwortliche in der Lagertechnik deshalb immer befolgen:

  • Handle vorausschauend! Eine Vollauslastung im Logistiklager entsteht nicht von heute auf morgen, sondern kündigt sich über einen längeren Zeitraum an. Unternehmen müssen hier frühzeitig agieren, bevor es zu knapp wird. Ist die Kapazitätsgrenze des Logistiklagers nämlich erst einmal erreicht, können Aufträge entweder gar nicht oder zumindest nicht mehr zeitgerecht abgewickelt werden. Die Abnehmerzufriedenheit sinkt, Kunden wandern ab und die Gewinne fallen.

Logistikentscheider müssen herannahende Kapazitätsauslastungen frühzeitig erkennen und Erweiterungen oder Optimierungen im Lager einplanen. Ansonsten drohen wirtschaftliche Einbußen.
Logistikentscheider müssen herannahende Kapazitätsauslastungen frühzeitig erkennen und Erweiterungen oder Optimierungen im Lager einplanen. Ansonsten drohen wirtschaftliche Einbußen.
(Bild: ©urbans78 - stock.adobe.com )

  • Mache es zu Deinem Regalsystem! Losgröße 1, also die individualisierte Produktion, ist heutzutage das Gebot der Stunde – vor allem für die Logistik. Kein Lager gleicht deshalb dem anderen. Auch Regalsysteme sollten so genauestens auf die Rahmenbedingungen der jeweiligen Betriebe ausgerichtet sein. Viele Intralogistikhersteller haben diesen Trend erkannt und bieten deshalb modular aufgebaute oder sogar komplett maßgeschneiderte Systeme an. SSI Schäfer, Karl H. Bartels und Galler sind nur einige Beispiele.
  • Sorge für Sicherheit! Beim Bau von Regalsystemen gilt es eine Bandbreite an Sicherheitsvorschriften zu befolgen. Eine Grundlage hierfür bildet das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG). (Speziell für kraftbetriebene Regale muss auch die sogenannte Maschinenverordnung beachtet werden.) In dieser Informationsbroschüre hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung die wichtigsten Punkte zusammengefasst, unter anderem zur DIN EN 15 635 und zu den einzelnen Prüfumfängen.

Der Klassiker unter den Regalsystemen: das Palettenregal

Die Palettenregale für die einfach- oder mehrfachtiefe Lagerung im Palettenlager sind weit verbreitet. Angepasst an den zur Verfügung stehenden Lagerraum sowie an das Gewicht und die Größe der Ladeeinheiten ermöglichen diese Regalsysteme einen einfachen Zugriff auf das Lagergut. Realisierbar sind Fachlasten von mehreren Tonnen. Kennzeichnend für die statische Lösung ist ein hohes Maß an Flexibilität in der Anwendung. Palettenregale sind sowohl für die Aufnahme von Euro- und Industriepaletten geeignet, als auch für Gitterboxen, Behälter und Kartons.

Beispiel für einen Anbieter: Jungheinrich

Eine Ausführung dieses Regalsysteme-Modells findet sich im Angebotsportfolio von Jungheinrich: das statische Mehrplatzregal mit Breitgang. Es erlaubt einen direkten Zugriff auf die Waren, ermöglicht eine chaotische Lagerplatzwahl und unterstützt das Fifo-Prinzip. Angeboten wird es sowohl für automatische als auch für manuelle Regalbedienung. In der Standardausführung erreicht das Regalsystem Höhen von acht bis zehn Metern. Bei einer automatischen Bedienung lässt es sich aber sogar auf bis zu 40 m aufstocken. Im Einsatz ist ein statisches Mehrplatzregal von Jungheinrich derzeit beispielsweise im Opel-Warenverteilzentrum in Bochum Langendreer:

Die wichtigsten Regalsysteme im Überblick

Es gibt eine fast unüberschaubare Bandbreite an unterschiedlichen Regalsystemen. Hier haben wir die wichtigsten für Sie zusammengefasst – einige Beispiele für Anbieter aus dem jeweiligen Bereich inklusive:

Einfahr- und Durchfahrregale: Mit moderaten Investitionen sind Einfahr- und Durchfahrregale verbunden, die auf einer Stützenkonstruktion mit Quertraversen basieren. Diese Art der flexiblen Kompaktlagerung ist eine denkbare Alternative, wenn begrenzter Raum zur Verfügung steht und dieser – aus wirtschaftlicher Perspektive – bestmöglich genutzt werden soll. Einfahr- und Durchfahrregale unterstützen das Lifo-Prinzip (Last-in, first-out) und sind für die Bevorratung größerer Mengen homogener und nicht schnelldrehender Artikel interessant.

Fachbodenregale: Das Fachbodenregal ist prädestiniert für nicht palettierte Güter und nützlich für die manuelle (Kleinteile-)Kommissionierung im boomenden E-Commerce-Geschäft. Die Fachboden-Regalsysteme werden sowohl in Schraub- als auch in Steckausführung angeboten. Die Dimensionierung der Fachregale folgt dem Lagergut, Fachhöhen und Trennwände sind frei wählbar. Fachbodenregale sind mit überschaubaren Investitionskosten verbunden, ermöglichen kurze Wege und sind flexibel erweiterbar.

Bei Bedarf lässt sich außerdem in die Höhe bauen. Die Regalsysteme unterstützen den Pick-Vorgang dann auf mehreren, durch Treppen verbundene Ebenen. Die Freifläche unterhalb der Konstruktion können Anwender flexibel für weitere Produktivarbeiten nutzen. Prinzipiell lassen sich mithilfe dieser funktionssicheren Lagerhaltung hohe Umschlagleistungen erzielen. Gleichwohl ist der Personalbedarf nicht zu unterschätzen, wenn Auftragsspitzen abzuwickeln sind. Als Trägersystem für Regalbühnen eignen sich darüber hinaus Paletten- und Durchlaufregale.

Beispiel für einen Anbieter: Meta-Regalbau

Auch der Arnsberger Intralogistikproduzent Meta-Regalbau stellt solche Fachboden-Regalsysteme her. Das Meta Clip lässt sich mithilfe von Steckverbindungen einfach und ohne die Zuhilfenahme von Werkzeugen aufbauen, heißt es von Unternehmensseite. So entstehen einzelne Regalzeilen bis hin zu zwei-, drei- oder viergeschossigen Fachbodenanlagen. Das Material, aus dem das Regalsystem besteht, ist sendzimirverzinkt und dadurch laugen- und ölbeständig.

In diesem Video sehen Sie, wie einfach sich der Aufbau des Meta Clip durch die Steckverbindungen gestaltet!

Kragarmregale: Beim Kragarmregal handelt es sich um ein auf spezielle Produkteigenschaften abgestimmtes Regalsystem für den Direktzugriff. Es dient der Aufnahme von sperrigen Gütern oder Langgut, wie Stangen und Rohren in variierenden Abmessungen. Im Vergleich zum klassischen Palettenregal kommt diese Lösung ohne vordere vertikale Streben aus. Weitere konstruktionstechnische Merkmale dieses Regalsystems sind senkrecht angeordnete Mittelstützen mit Ständerfüßen sowie seitliche Ausleger, auf die das Lagergut übergeben wird. Geeignet für sperrige, voluminöse und schwere Güter sind zudem Weitspannregale und Wabenregale.

Beispiel für einen Anbieter: Karl H. Bartels

Auch Karl H. Bartels verkauft ein solches Kragarm-Regalsystem: das Roll-aus-Regal. Es ist speziell auf die Anforderungen der Abnehmer zugeschnitten und für die Lagerung von langen und sperrigen Gütern geeignet. Die Einbringung von Waren erfolgt ausschließlich über einen Hallenkran. Dazu können Anwender die Fächer komplett herausziehen. Breite Arbeitsgänge für Stapler werden dadurch überflüssig.

Mit seinem Roll-aus-Regal bietet Karl H. Bartels Kunden die Möglichkeit, bestehende Logistikflächen besser auszunutzen.
Mit seinem Roll-aus-Regal bietet Karl H. Bartels Kunden die Möglichkeit, bestehende Logistikflächen besser auszunutzen.
(Bild: Karl H. Bartels )

Durchlaufregale: Im Bereich der dynamischen Lagerung bieten die Hersteller nach der Fifo-Methode betriebene Durchlaufregale an. Kennzeichnend ist eine kompakte, blockförmige Regalgestellkonstruktion, die eine gute Flächennutzung verspricht und in der die Waren automatisch nachrücken. Das spart Zeit. Abgeknickte Bahnen in einem individuell zu definierenden Winkel erleichtern den Zugriff auf die Behälter. Weiter unterstützt wird der Pick-Prozess am Regalsystem durch eine strikte Trennung der Ein- und Auslagerseite. Mit dem Durchlaufregal sind hohe Umschlagleistungen möglich.

Verschieberegale: Das Verschieberegal ist kontinuierlich in Bewegung. Dafür zuständig sind schienengeführte Unterwagen, mit deren Hilfe die Regalzeilen verschoben werden, sodass Stapler in die gebildete Gasse einfahren können. Als zentraler Vorteil des Regalsystems wird ein hoher Flächen- und Volumennutzungsgrad benannt, aus dem eine hohe Lagerkapazität resultiert. Der Raumgewinn soll im Vergleich zu stationären Regalsystemen bei bis zu 40 % liegen. Gleichzeitig werden die Waren innerhalb eines Blocks gegen äußere Einflüsse und unbefugtem Zugriff geschützt. Sinnvoll ist das bei hochpreisigen Produkten oder im Bereich der temperaturgeführten Lagerung. Verschieberegale sind eine Option für den Umschlag großer Mengen, die nicht in die Kategorie „Schnelldreher“ fallen. Schließlich beansprucht das Öffnen und Schließen der Gänge Zeit. Auf der anderen Seite entfallen durch das Regalsystem Arbeitsvorgänge, beziehungsweise können mehrere Workflow-Schritte zusammengefasst werden.

Umlaufregale: Das Umlaufregal ist mit hohen Anschaffungskosten verbunden. Für die Horizontallagerung von Kleinteilen eigenen sich Karussellregale. Paternosterlager hingegen arbeiten nach der Vertikalmethode. Der Zugriff auf die Behälter mit Kleinteilen erfolgt bei beiden Regalsystemen manuell. Charakteristisch für räumlich abgeschlossene Umlaufregale, deren Betrieb nicht sehr personalintensiv ist, ist laut Angaben der Hersteller eine hohe Umschlagleistung bei bestmöglicher Raumnutzung. Auch sukzessive Erweiterungen sollen jederzeit problemlos möglich sein. Einschränkungen gibt es hingegen in puncto Flexibilität. Problematisch sind beispielsweise die Abwicklung von Eilaufträgen oder das Abfedern von schwankenden Auftragsvolumina. Eine vergleichbare Lösung für verdichtete Lagerung auf geringer Stellfläche inklusive automatisierter Bereitstellung sind Liftregale.

In die Kategorie Regalsysteme fallen Hochregale und Konstruktionen für die automatische Kleinteilelagerung. Bei Hochregal-Silos sind die Regale als tragende Unterkonstruktion für das Dach und die Fassade ausgeführt. Sie sind gefragt, wenn Lagerraum in der Höhe optimal genutzt werden soll und eine hohe Umschlagleistung großer Warenmengen zu realisieren ist. Letzteres gilt auch für die automatische Kleinteilelagerung. Eine Variante, deren Anwendungsbreite steigt, sind Shuttle-Regale, in denen automatisierte Trägerfahrzeuge in Kanälen verfahren. Sie eignet sich in erster Linie für hohe Warenbestände bei vergleichsweise geringer Sortimentsvielfalt. Realisierbar sind sowohl das Lifo- als auch das Fifo-Prinzip.

Beispiel für einen Anbieter: Kasto

Ein Regalsystem dieser Art ist das Uniline von Kasto. Typische Anwendungsgebiete sind laut Hersteller zum Beispiel Blechlagersysteme für die Kommissionierung. Es bietet verschiedene Systempaletten für großvolumige und flächige Waren an. Hier kann sogar kombiniert werden.

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Weitere Quellen zum Thema Regalsysteme

Wer sich noch tiefergehend mit Regalsystemen beschäftigen möchte, wird hier fündig:

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Hier gibt's weitere Beiträge zu Jungheinrich, Meta-Regalbau, Still, Hahn & Groh, Karl H. Bartels, Rauscher F.X. Lagertechnik und Kasto!

* Sabine Vogel M.A. ist Fachjournalistin in 44227 Dortmund, Tel. (02 31) 1 20 69 81, mail@sabinevogel.de

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Über den Autor

Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Redakteur, Vogel Business Media