Suchen

Nachgefragt: 4 Experten zu Cloud Computing – Teil 1

So sammeln Automatisierer Daten in der Cloud

Seite: 5/5

Firmen zum Thema

Welche Potenziale sehen Sie beim Thema Cloud für die Zukunft?

Stefan Reuther: Wir sehen ein hohes Potenzial für Cloud Computing. Zum einen spricht das massive Wachstum des Datenvolumens dafür – im industriellen Umfeld angetrieben auch durch eine stärkere digitale Vernetzung, durchgängige softwarebasierende Geschäftsmodelle, den größeren Adressraum dank IPv6, das Internet of Things und Industrie 4.0. Analysten und Marktforscher gehen davon aus, dass sich das Datenvolumen jedes Jahr verdoppelt und weltweit im Jahr 2020 rund 100 Zettabytes umfassen wird. Die Speicherkapazitäten für hohe, ständig steigende Datenvolumen selbst vorzuhalten, ist betriebswirtschaftlich oftmals nicht mehr sinnvoll. Zum anderen sprechen für Cloud Computing auch Investitionseinsparungen und eine geringere TCO (Total Cost of Ownership), eine Konsolidierung der IT-Infrastruktur, eine höhere Skalierbarkeit, der konsequente Einsatz modernster Technologien, klare SLAs, die standortübergreifende Zusammenarbeit, eine in vielen Fällen höhere Ausfallsicherheit sowie ein geringerer Administrationsaufwand. Copa-Data konnte bereits erste Kunden im industriellen Umfeld für eine cloudbasierende Lösung gewinnen. Dennoch möchten wir unseren Kunden auch weiterhin Wahlfreiheit bieten. Das Gros unserer Kunden betreibt seine Zenon-basierenden Anwendungen nach wie vor On-Premise. Dies können sie auch selbstverständlich weiterhin so halten, wenn sie dies wünschen.

Florian Beil: Wir sehen MindSphere als einen wichtigen Bestandteil unserer Digital-Enterprise-Strategie an. Mit dem geplanten Ausbau der MindSphere Plattform will Siemens die Digitalisierung der Industrie voran treiben.

Uwe Hollarek ist Produktmanager Messtechnik/Automation bei Spectra.
Uwe Hollarek ist Produktmanager Messtechnik/Automation bei Spectra.
( Spectra)

Uwe Hollarek: Wir sehen hier ein großes Potenzial für den Automatisierungsmarkt. Im privaten Bereich werden schon seit einiger Zeit völlig selbstverständlich Cloud-Dienste wie Email und Social Media in Anspruch genommen. Im kommerziellen IT-Business Umfeld haben sich die Firmen jetzt langsam an Cloud-Dienste für IT-Ressourcen (PaaS), Office oder ERP-Systeme (SaaS) gewöhnt und profitieren von deren Vorteilen. Bei Fertigungsprozessen, Produktion und Anlagen stehen wir hingegen noch ganz am Anfang. Maschinennahe Vorgänge wurden in der Vergangenheit als lokale Prozesse verstanden. Die Eingangsparameter wurden an den Prozessen direkt vor Ort in die Steuerungsgeräten wie SPS oder IPC lokal eingegeben. Auch auf der Ausgangsseite dieser Automatisierungsprozesse sind die Daten oft nur an den Maschinen und Anlagen selbst verfügbar. Kennzahlen wie Stückzahl, Ausschussquoten oder Energiebedarf werden zwar von den Anwendern erfasst und vielleicht sogar monatlich in einem Bericht auf Papier oder als Email an die Führungsebene weitergeleitet, doch ein unmittelbarer Rückfluss dieser Daten zum Zweck der Optimierung oder Flexibilisierung der Prozesse fand in der Regel nicht statt. Hier ist die Chance von Cloud-Computing in der Automatisierung. Die permanente Forderung der Wirtschaft nach „schneller, flexibler, kostengünstiger“ kann nur durch eine Einbettung, eine Verzahnung und Verknüpfung des technischen Automatisierungsprozesses in den vollständigen Geschäftsprozess erfüllt werden. In der praktischen Umsetzung wird es je nach Gegebenheiten unterschiedliche Lösungsansätze geben. Der kleine Produktionsbetrieb wird vielleicht mit Unterstützung seines Systemintegrators einen weiteren Server-PC als „Private Cloud“ betreiben, der es ihm erlaubt, auch seinen Kunden „ab Losgröße 1“ oder „inklusive Fernwartung“ anzubieten. Der regionale Energieanbieter mit mehreren Standorten wird einen Cloud-Spezialisten wählen, dessen Software nicht nur seine über 100 Windräder oder Blockheizkraftwerke überwacht, sondern unter Einbeziehung externer Daten, wie lokaler Wetterlage oder aktuellen Rohstoffpreisen für Kohle, Öl oder Gas, einen aktuellen und umfassenden Blick auf den Geschäftsgang erlaubt. Der weltweit agierende Konzern wird mit einem entsprechend weltweit agierenden Cloud-Service Provider zusammenarbeiten, oder – mal weit in die Ferne geschaut – gar die eigene Haus-IT auf einen Paradigmenwechsel im Businessmodell ansetzen.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 44247871)

Über den Autor

 Sariana Kunze

Sariana Kunze

Redakteurin online/print bei elektrotechnik AUTOMATISIERUNG, elektrotechnik