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Würzburger Runde diskutiert

Software sorgt für Umbruch beim Engineering in der Automatisierung

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Im Engineering ist noch viel Luft drin

Ob Software oder Hardware, den ganz großen Batzen an Kosten könne die Durchgängigkeit von Engineering-Umgebungen einsparen, schätzen zwei Drittel der befragten Maschinenbauer in einer Studie. Eine Einschätzung, die Egermeier teilt: „Da ist noch viel Luft drin und ich glaube, dass sich mit noch besseren Abstimmungen einiges rausholen lässt.“ Dennoch sieht er auch die Crux: „Einerseits wünschen sich Anwender spezielle Systeme, spezielle Differenzierung, andererseits aber auch Standardisierung. Standardisierung heißt aber auch: Ich schneide mir vielleicht Möglichkeiten weg. Das ist das Spannungsfeld, in dem wir uns befinden.“ Und er erklärt anschaulich: „Mein I-Phone hat drei Knöpfe, das ist super. Aber wenn ich ein Linux-Telefon habe, kann ich alles einstellen, was ich möchte.“

Differenzieren im Maschinenbau, das heißt: Know-how schützen und zugleich schnell mit Produkten auf dem Markt zu sein. Für Sasse funktioniert das nur partnerschaftlich zwischen Maschinenbauern und Engineering-Lieferanten. Der Maschinenbauer müsse das Tool kennen und beherrschen, es dürfe aber für ihn keine Black Box sein. „Der Hersteller muss sein Maschinen-Know-how als Software transparent zur Differenzierung nutzen können. Universell einsetzbare Toolbox-Lösungen als Softwarebausteine helfen ihm dabei, ohne dass er seinen Wissensvorsprung aufgibt.“

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Keine großen Monolithe schaffen

Zum effizienten Entwickeln gehört, Anwender nicht zu zwingen, einen großen Monolithen zu schaffen, sondern ihm zu ermöglichen, dass er das Projekt in kleine Teilbereiche zerlegen kann. Egermeier: „Man muss mit der Engineering-Umgebung erreichen, dass Kunden ihr Problem in kleinere Einheiten aufdröseln können.“ Und weiter: Man müsse auf modulares Engineering setzen und auf Wiederverwendbarkeit. „Das einmal Geschaffene möchte ich nicht bei meiner nächsten Maschinengeneration auseinanderreißen und neu zusammensetzen müssen.“

Ein Aspekt, den Herath ähnlich sieht: „Wir müssen auf der einen Seite kleine Module schaffen und diese mit komplexen Inhalten und komplexer Logik befüllen, ähnlich wie bei Apps aus dem Consumer-Bereich.“ Seine Prognose für die Zukunft im Maschinenbau: „ … das wird auch Einzug in den Maschinenbau und die Automatisierung halten.“

Was der Anwender sich wünscht

Was wünscht sich der Anwender überhaupt? Für Wagner schätzt der Anwender zwar das Übergreifende der IEC 61131, das die PLCopen als Nutzerorganisation eingeführt hat. Aber die Bestrebungen nach einem einheitlichen Datenaustauschformat wurden von den Anwendern nicht angenommen. Wagner: „Es fehlte der Druck!“

Die IEC 61131 habe jedoch einen Standard geschaffen, um zumindest die Basistechnologie austauschen zu können. Damit sei dem Anwender auch klar, dass er den einmal getroffenen Engineering-Ansatz für sein Gerät nicht auf ein anderes Gerät mit einem anderen Engineering-Ansatz übertragen kann.

Der Anwender setzt die Marken

Trotz des Wunsches nach Austauschbarkeit, für Hammermeister steht fest, dass Kunden sich oft auch explizit für bestimmte Anbieter entscheiden, und zwar für solche, die mit ihren Produkten spezielle Eigenschaften abdecken können. Nicht weil der alles kann oder besonders viele Schnittstellen hat, sondern weil der Anbieter schnelle Achsen, besonders robuste Echtzeit oder andere bestimmte Eigenschaften schätzt. Hammermeister: „Sie nehmen dabei weniger Flexibilität sehenden Auges in Kauf und auch das Problem: Ich kann nicht mehr so leicht wechseln.“

Was aber bringt die Zukunft des Engineerings?

Wie sieht es im Jahre 2020 aus? Für Sasse werden die positiven Erfahrungen mit neuen Softwaretechnologien - wie mit Smart Devices - das Engineering insgesamt vorantreiben. Neben einfacherer und kontextbezogener Handhabung der Software werden, gerade in Verbindung mit dem ständig steigenden Informationsbedarf auf Produktionsebene, Cloud-basierte Dienste künftig im Engineering-Portfolio eine Rolle spielen.

Wer meint, bis zum Jahr 2020 beim Engineering noch die ganz großen Umwälzungen erleben zu können, den muss Egermeier enttäuschen. Er sieht eine eher iterative Fortentwicklung hin zu mehr Software-Qualität, mehr Offenheit und einfacheren Zugang. Egermeier: „Wir sind in einem konservativen Markt unterwegs. Der nächste Schritt wird immer mit Bedacht gewählt.“

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