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Energiespeicher

Solarstrom wird speicherbar

| Redakteur: Stéphane Itasse

Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist ein hartes Stück Arbeit. Der Ökostrom braucht erstens neue Netze und zweitens Speicher, die Schwankungen der Solar- und Windstromproduktion abfedern können. In Stuttgart geht nun die weltweit erste Anlage ans Netz, in der Strom speicherbares Methangas erzeugt.

Hinter dem Projekt stehen die Firma Solarfuel und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW), wie die Düsseldorfer Messe Solarpeq mitteilt. Mit 250 kW Leistung erzeuge die Anlage 300 m³ pro Tag. Das Gas soll in das vorhandene Erdgasnetz strömen, das Heizungen, Kraftwerke und Tankstellen versorgt.

Deutsches Gasnetz bietet Speichermöglichkeit für große Strommengen

„Die Technik kann ein wichtiger Baustein künftiger Energieversorgung werden, denn mit ihr lassen sich riesige Speicherkapazitäten erschließen“, sagt ZSW-Projektingenieur Andreas Brinner. In deutsche Gasleistungen und unterirdische Kavernen passe eine Gasmenge mit einem Energiegehalt von 200 TWh. Das entspreche etwa einem Drittel des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland.

Ohne Langzeitspeicher wird es schwer, die erneuerbaren Quellen in der Zukunft auszuschöpfen: Solar- und Windenergie hängen von der Witterung sowie der Tages- und Jahreszeit ab. Je größer ihr Anteil an der Stromproduktion ist, desto stärker schwankt das Angebot. Speicher können Überschüsse aufnehmen und sie bei Bedarf wieder abgeben.

Bundesregierung startet Forschungsoffensive für Energiespeicher

Allerdings seien diese Power-to-Gas-Anlagen nur eine Möglichkeit, den Ökostrom haltbar zu machen. Die Bundesregierung startete im Juli eine Speicher-Offensive mit vier Schwerpunkten, heißt es. Insgesamt 60 Projekte aus den Bereichen „Wind-Wasserstoff-Kopplung“, zu dem auch die Power-to-Gas-Technik zähle, „Batterien in Verteilnetzen“, „Energiesystemanalyse“ und „thermische Speicher“ würden in den kommenden Jahren besonders staatlich gefördert. Die Höhe der Förderung sei noch unklar. Das Bewilligungsverfahren für die Projekte laufe noch, heißt es aus dem Umweltministerium.

Die Ziele der Speicher-Offensive seien jedoch klar umrissen. Ein Hauptaugenmerk liege auf der Elektrolyseforschung. Erzeugen zum Beispiel Solarparks zu viel Elektrizität, können die Überschüsse in Elektrolyseure umgeleitet werden, heißt es. Dort spaltet der Strom Wasser in Sauer- und Wasserstoff. Dieser kann entweder direkt als Treibstoff für Hybrid- oder Brennstoffzellen-Fahrzeuge genutzt oder – wie in der Anlage in Stuttgart – mit Kohlendioxid zu Methangas synthetisiert werden, das sich im bestehenden Erdgasnetz speichern lässt.

Auch kleinere Elektrolyseanlagen im Kommen

Solarfuel will diese Systeme in zwei bis drei Jahren als kleine Einheiten mit 10 bis 20 MW auf den Markt bringen. „So können sie dezentral an Solar- und Windstandorten eingesetzt werden“, sagt Solarfuel-Ingenieur Stefan Rieke. Parallel verbessere die Industrie die Systemkomponenten. Siemens zum Beispiel entwickle neuartige Elektrolyseure, die gut mit erneuerbaren Energien harmonieren sollen. Ihr Kernstück sei eine spezielle, für kleinste Teilchen durchlässige Membran, wie sie auch in Brennstoffzellen eingesetzt werde.

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